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"Gute Planungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihr Gegenteil verkehrt werden können", sagt Olaf Dinné. Damit meint er eigentlich die Architekten, die vor der umgedrehten Kommode Dutzende Bäume fällen wollten, damit die Bewohner der Neubauten freie Sicht auf die Kleine Weser haben. Doch ins Gegenteil verkehrt hat sich auch die Planung des Baumattentäters, der einen großen Keil aus dem Stamm der Eiche gesägt hat und unter den neuen Bewohnern von "Riva I" und "Riva II" nur "der Flexer" genannt wird. Anstatt mit dem Anschlag das Fällen der Eiche zu bewirken und mit diesem Beispiel vielleicht sogar Schule zu machen, hat der Attentäter nun das Gegenteil bewirkt.
"Das ist hier schon wie ein Wallfahrtsort", sagt Werner Klenke, der in Riva I unmittelbar vor der roten Eiche eingezogen ist. Dabei sei die ganze Diskussion doch eigentlich unnötig, denn die Bewohner des Neubaus seien sich einig, dass es schöner ist, wenn der Wald erhalten bleibt. Das sage er, obwohl er mit seiner Frau im zweiten Obergeschoss wohne und damit von der freien Sicht auf die Kleine Weser am meisten profitierte. "Wir sind einfach für Bäume und gegen Abholzung", so Klenke. Die schöne Aussicht hätten sie auch so.
Jetzt gelte es, mit der Bürgerinitiative zusammen einen Plan zu schmieden, damit das Moratorium für den Kleinen Stadtwerderwald so schnell wie möglich einem Gesamtkonzept weichen könne. Der Umweltstaatsrat Wolfgang Golasowski habe doch bereits deutlich gemacht, dass er der neuen Grünplanung positiv gegenüber stehe. "Daher müssen wir handeln", fordert Werner Klenke. "Die Tür steht jetzt weit offen."
Nicht nur die Bäume, sondern auch der Zaun zu den Bäumen solle erhalten bleiben. Außerdem seien auch die neuen Wohnungseigentümer gegen die sogenannte "Margarinen-Brücke", die einst gefordert wurde, damit die Bewohner des Vorderen Stadtwerders bequem auf die andere Seite der Kleinen Weser kommen, um ihre "Margarine" zu holen. Südlich besteht bereits die Deichschart- und nördlich die Wilhelm-Kaisen-Brücke. Als Vertreter der Anwohner verspricht das Ehepaar Klenke, das nächste Treffen der Bürgerinitiative am Montag um 20 Uhr in der Kneipe Deichschart (Buntentorsteinweg 268) zu besuchen, um zusammen einen Plan für drei bis vier Wege zur Kleinen Weser zu entwerfen.
Der einzige Punkt, in dem zwischen den durch Klenke vertretenen Anwohnern und der Bürgerinitiative noch keine Einigkeit besteht, ist der Erhalt der roten Eiche. Während die Bewohner von Riva I fordern, dass die rote Eiche spätestens im Frühjahr gefällt wird, will die Initiative damit notfalls auch noch länger warten, wenn bis zum Frühjahr noch keine Einigung mit der Umweltbehörde über ein langfristiges Konzept der Grünplanung erzielt werden kann. "Die rote Eiche schützt die anderen Bäume", sagt die Gründerin der Initiative, Iris Urbschat. "Sobald sie fällt, wird ein Baum nach dem anderen auf diese Weise gefällt."
Wenn die rote Eiche kurz nach der Einweihung als Mahnmal gegen Baumfrevel gefällt wird, würde die Initiative nicht mehr ernst genommen, ergänzt Mitglied Gerhard Bomhoff. Anders verhalte es sich, wenn mit der Umweltbehörde bald ein Abkommen geschlossen werde, das den Erhalt des Kleinen Stadtwerderwalds langfristig sichert. "Wenn das klappt, dann kann der Spargel weg", sagt Bomhoff zu Werner Klenke und meint die rote Eiche. Die Bürgerinitiative werde sich jetzt an den Neustädter Beiratssprecher Ingo Mose wenden, um die gemeinsamen Planungen der Anwohner und der Initiative mit Hilfe der Stadtteilpolitik möglichst zügig in die Tat umzusetzen.
Die Naturschützer dürften mittlerweile sogar den Segen der EVS (Entwicklungsgesellschaft Vorderer Stadtwerder) als Bauherrn haben. Schließlich schrieb EVS-Geschäftsführer Hans F. Rosenboom an die Initiative, dass das Wegekonzept und der Standort des Schutzzaunes zum Kleinen Stadtwerderwald nicht in der Verantwortung der EVS liege, sondern mit den Bewohnern abzustimmen sei.
Urbschat sieht in dem Bewohner-Engagement für den Stadtwerderwald einen "tollen Anfang, um sich in den Stadtteil zu integrieren". Und selbst Dinné, der den an eine Axt erinnernden Edelstahlkeil für den Baumstamm gefertigt hat, hätte kein Problem damit, wenn das Kunstwerk samt der Eiche irgendwann wieder weichen müsste. "Wichtig ist doch nur der durch das Herbstfest festgelegte gemeinsame Weg", sagt Dinné. "Nachdem ein von der Behörde mit uns abgestimmter Plan für jeden Baum und jeden Weg am Stadtwerder abgesegnet ist, kann der Baum weg." Eine Option sei, dass eine Tafel dann an seine Stelle trete und an den Kampf der Bürgerinitiative erinnert.



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