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Huckelriede. Schmierereien und Dreck dominieren zur Zeit am leer stehenden Deichschart-Kiosk das Bild. Dass dieser Schandfleck sich bis Mai zu einer optischen Visitenkarte für den Ortsteil entwickeln soll, ist momentan schwer vorstellbar. Doch die Initiatoren einer städtischen Ausschreibung sind überzeugt: Mit dem passenden Betreiber und einem guten Konzept klappt das.
"Wir wollen endlich dieses ständige Ärgernis beseitigen", sagt Thomas Knode. Er ist beim Umweltsenator für öffentliche Grünflächen zuständig. Unter seiner Federführung läuft das "Kiosk-Projekt" bereits, seitdem die Stadt den bunten Problemfall 2010 von der ehemaligen Besitzerin gekauft hat. Damit Vandalismus und Verwahrlosung im kommenden Sommer der Vergangenheit angehören, hat die Stadt den Sanierungsträger Baubecon mit einer öffentlichen Ausschreibung zur Wiederbelebung der kleinen Bude beauftragt. "Wer sich als künftiger Betreiber bewerben möchte, muss uns ein Umbau- und ein Nutzungskonzept vorlegen", erklärt Cornelia Bloch von der Baubecon das Prinzip. Doch es soll kein gewöhnlicher Kiosk an dieser Stelle eröffnen. Die Verantwortlichen hoffen, dass für Stadtteilbewohner und Besucher eine Anlaufstelle entsteht, die außer Süßigkeiten auch Kulturelles und Soziales zu bieten hat. Wichtig sei es, auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort einzugehen, unterstreicht Cornelia
Bloch.
Um diese herauszufinden, haben Künstler der Neustädter Schwankhalle gemeinsam mit einem Netzwerk anderer Akteure in den beiden vergangenen Jahren das Festival "Unternehmen Deichschart" ins Leben gerufen. Sie tauften den betagten Kiosk liebevoll "Huckelrita" und hauchten ihm mit ungewöhnlichen Angeboten Leben ein: Krabbenpulen, Hundelyrik, Blesshuhn-Bingo und Stehpaddeln auf der kleinen Weser sind nur wenige Beispiele dafür.
"Die zwei Sommerfestivals haben uns gezeigt, dass die Menschen soziokulturelle Angebote an dieser Stelle gut annehmen", hat der Quartiersmanager von Huckelriede, Kay Borchers, beobachtet. Die Erfahrungen aus diesen Wochen könnten für die Zukunft genutzt werden, so der Mitarbeiter des Amtes für Soziale Dienste. Er hofft auf nachhaltige positive Impulse für das angrenzende Sanierungsgebiet..
Netzwerk erarbeitet Stellungnahme
Doch ausgerechnet die Künstler der Schwankhalle werden sich nicht als neue Mieter von "Huckelrita" bewerben. Die künstlerische Geschäftsführerin Anja Wedig erklärte auf Nachfrage: "Als Kultureinrichtung fühlen wir uns von der Ausschreibung nicht angesprochen." Der Text entspräche nicht der vor Ort errarbeiteten Vorstellung von kultureller Vitalisierung eines Stadtteils. Nähere Angaben wollte sie vorerst nicht machen. Derzeit erarbeite das gesamte Netzwerk, das rund um die Arbeit mit dem Kiosk entstanden ist, eine gemeinsame Stellungnahme zu der Ausschreibung. "Die Gründe sind vielschichtig und nicht leicht zu erklären", so Wedig. Ob sie dabei auf die sehr spärlichen Ausführungen zum erwarteten soziokulturellen Angebot des neuen Betreibers anspielt, ließ sie offen. Die Ausschreibung verdeutlicht lediglich, dass für drei Jahre jeweils von April bis Oktober einmal im Monat ein entsprechendes Angebot gewährleistet sein muss. Cornelia Bloch äußerte sich gestern "geschockt"
von der Nachricht, dass die Schwankhalle keine Bewerbung einreichen wird: "Ich hatte in Gesprächen das Gefühl, dieses Projekt läge den Verantwortlichen dort sehr am Herzen, und wir haben bislang von ihnen auch keinerlei Nachfragen zu dem Ausschreibungstext erhalten."
Der Text sei absichtlich unkonkret gehalten, "damit jeder Bewerber seine eigenen Vorstellungen einbringen kann." Zudem seien besonders die geplanten kulturellen Angebote der Bewerber über die Vergabe des Mietvertrages ein entscheidendes Kriterium. Trotz der unerwarteten Wendung, bleibt die bisherige Ausschreibung bestehen. "Wir werden ab dem 10. Februar die Bewerbungen sichten und sehen, ob ein passendes Konzept vorliegt", erklärt Cornelia Bloch. Die Schwankhalle, so teilt deren Geschäftsführung mit, wird ihre stadtteilbezogene Kulturarbeit an anderer Stelle fortsetzen.



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