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Neustadt. "Das fängt ja schon wieder gut an!" Das ist für Jürgen Brandt das Motto für dieses Jahr, um vielversprechende Ausstellungen und Lesungen von Künstlern aller Stadtteile Bremens in seine Galerie in der Südervorstadt zu holen, und gleichzeitig der Titel seiner neuen Ausstellung.
Der Künstler zeigt 3D-Objektkästen. Schon zu Beginn des vergangenen Jahres hat er Mini-Figuren in dieser Form ironisch und humorvoll inszeniert. Es gab in seinem Altbremer Haus einen Kunstraub, den der Galerist mit "gestern war es noch da..." kommentierte. So nannte der Galerist dann sein "gestohlenes Bild", das in dem 3D-Gesamtkunstwerk fehlte. So blieb damals an der Galeriewand ein leerer Fleck.
Diesen füllt nun neue Kunst aus. Rund 38 Galerie-Szenen sind im Atelier Brandt Credo aktuell zu sehen. Der Künstler reichert sie mit Wortpointen an, die er bei der Motivsuche entdeckt. "Ich sehe mir Fotos an, oder gehe auf die Suche nach neuen Motiven", erzählt er. Zum Beispiel im Rhododendronpark. Der dortige Besuch im Mai 2011 hat Brandt zu einem Objekt mit einem leuchtenden Blütenmeer animiert. Auch Regentropfen, die der Sonneneinstrahlung vorausgingen, sind zu sehen - als Lichtspiele. Blumen in der Natur haben den Künstler seit Jahren immer wieder inspiriert. Sie sind in der aktuellen Schau zu sehen, auch Fotos von Blütenbildern aus Frau Suhlings Garten, die als Marktfrau in der Delmestraße Blumen verkauft hat.
Fotos besitzt Jürgen Brandt tausende. Sie schlummern in seiner Schatztruhe. Manche holt er wieder hervor. Bilderwelten aus Vergangenheit und Gegenwart zwischen Ostsee, Bremer Altstadt, dem Zoo Hannover oder Graffitis als "frische Kunst" aus dem Viertel. Das sind einige Beispiele, die er als Fotomotiv neu umsetzt. Auch dem Circus Roncalli hat Jürgen Brandt viele Zeichnungen und 3D-Objekt-Kästen mit Motiven aus der Artistenwelt gewidmet. Kürzlich hat er Exponate mit Fotos aus den Achtziger Jahren in einer Roncalli-Ausstellung im Musical Theater gezeigt.
Amüsierter Blick auf die Kunstszene Jürgen Brandts kleine Szenen zeigen Figuren auf der Bühne des Lebens und halten den Betrachtern den Spiegel vor. Immer stellt er die Fotos in einen anderen Zusammenhang, der sich stets in einem Galerie-Rahmen, der sogenannten Kunstszene abspielt. Die nimmt der Künstler gerne mal mit einem Augenzwinkern aufs Korn.
Die Hauptdarsteller in den Szenen in seinen 3D-Objektkästen sind immer die Betrachter von Kunst. Gleichzeitig fühlen sich Ausstellungsbesucher ertappt, die den kleinen Kunst-Betrachtern über die Schulter schauen. Der Titel der aktuellen Ausstellung "Guckst Du noch - oder lächelst Du schon?" bringt es auf den Punkt.
Zwei Fotografen, die aus dem 3D-Objektkasten heraus, den realen Betrachter aufnehmen, rücken Brandts Augenzwinkern, das in den Arbeiten steckt, noch deutlicher in den Blick. Dadurch entsteht eine neue Dimension: die Galerie in der Galerie, in der Kunstkenner, Künstler, Journalisten, Musikkritiker, Touristen, Geschäftsleute, Fotografen und viele andere Leute Überraschendes und Gefährliches, Humorvolles und Fantastisches entdecken. So zum Beispiel einen Feuerwehrlöscheinsatz am rotglühenden Abend-Himmel. Auch Musik ist Bestandteil der Schau: Die A-Cappella-Gruppe "Lucky Tigers" trat zur Ausstellungseröffnung auf. Darüber hinaus hat Jürgen Brandt zum ersten Mal alte Schallplatten in seine Galerie-Szenen eingebaut. "Du musst mit den Wimpern klimpern" (1968) steht auf einer Single der Schlager-und Countrysängerin Renate Kern. Daneben liegen falsche Wimpern.
Die Ausstellung "Das fängt ja wieder gut an!" von Jürgen Brandt ist bis zum 26. Februar im Atelier Brandt Credo, Meyerstraße 145, zu sehen. Öffnungszeiten: sonntags von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 558455. Weitere Infos unter www.atelier-brandt-credo.de.



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