Sozialbehörde legt Planzahlen für Neustadt vor / Ansprüche sollen erfüllt werden

 - 23.01.2012

Kinderbetreuung mit Lücken

Von Karin Mörtel
Die Neustadt ist bei Familien sehr beliebt. In keinem anderen Stadtteil Bremens ist der Zuwachs der Kinder bis sechs Jahren so hoch. Der notwendige Ausbau der Betreuungsplätze kommt jedoch dem Bedarf nicht hinterher. Der Beirat fordert bis zum Jahr 2013 300 zusätzliche Plätze. Die Zahlen der Sozialbehörde weisen derzeit noch große Versorgungslücken auf.

Neustadt. Ein schwer verdaulicher Zahlensalat erwartete am Donnerstagabend Bürger und Stadtteilpolitiker im Neustädter Beirat - zubereitet von Sozialstaatsrat Horst Frehe und seiner Mitarbeiterin Monika Frank. Deren Aufgabe war es, erste Planzahlen für die Versorgung mit Kinderbetreuungsplätzen für die kommenden zwei Jahre im Stadtteil vorzustellen. Jedoch konnten sie mit ihrem verwirrenden Rechenspiel kaum einen Anwesenden zufriedenstellen.

Dass die Versorgungssituation in der Neustadt vergleichsweise schwierig ist, machte Sozialausschusssprecher Rainer Müller (SPD) deutlich: "In keinem anderen Stadtteil ist der Zuwachs der Null- bis Sechsjährigen so hoch." Zusätzlich würden auch zahlreiche Eltern aus anderen Stadtteilen, die in der Innenstadt arbeiten, ihre Kinder in den Neustädter Einrichtungen anmelden. "Das sind Plätze, die unseren Kindern nicht mehr zur Verfügung stehen", so Müller. Daher forderte er für den Beirat angesichts der Zahlen des Einwohnermeldeamtes 300 neue Betreuungsplätze für die Neustadt ein.

Laut der Sozialbehörde sind diese Faktoren jedoch bereits in der derzeitigen Berechnung berücksichtigt. Die errechnete Versorgungsquote für das kommende Kindergartenjahr ab August für die Drei- bis Sechsjährigen sei mit 117 Prozent "stadtweit Spitze", so Monika Frank. Im Jahr darauf könne sogar ein noch höherer Wert erreicht werden. Basiswert ist die Anzahl aller Neustädter Kinder dieser Altersgruppe (2013: etwa 950). Bis zum Jahr 2013 sollen dann insgesamt 1112 Betreuungsplätze bestehen.

Bei genauerem Hinsehen, wie dieser Ausbau realisiert werden soll, hinkte die Wirklichkeit der Theorie jedoch deutlich hinterher. Von den 153 geplanten zusätzlichen Plätzen in dieser Altersgruppe, konnte das Ressort erst Optionen für maximal 135 Kinder vorweisen. Und ob die angesprochenen Einrichtungen wie die geplante betriebsnahe Kita Airport Stadt auch rechtzeitig den Betrieb aufnehmen können, wird derzeit im Stadtteil noch angezweifelt.

Rechnung geht nicht auf

"Die Rechnung geht nicht auf, allein 50 Plätze am Flughafen sind bereits fest für die Kinder der schließenden Kita Hünefeldstraße eingeplant", gab zudem Rainer Müller zu bedenken und zeigte sich enttäuscht von der mangelnden Offenheit seitens des Ressorts.

Auch im Bereich der unter Dreijährigen gibt es Klärungsbedarf. Besonders der ab 2013 geltende Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihre Kleinsten bereitet der Verwaltung Kopfzerbrechen. "Bis 2013 werden wir die vorgeschriebene Betreuungsquote von 35 Prozent erreichen", gab sich Horst Frehe optimistisch. Wie genau diese Quote für die 2012 erwarteten 1091 Kinder der Altersgruppe umgesetzt werden sollen, blieb jedoch äußerst wage.

Bis dahin wird es 224 Plätze in Einrichtungen geben und 110 Kinder werden ein Alter erreichen, in dem sie bereits den Kindergarten besuchen können", so ein Erklärungsversuch von Monika Frank. Im darauffolgenden Jahr setzt das Sozialressort auch in dieser Altersgruppe auf mindestens 25 Plätze in der Kita Airport Stadt sowie auf Plätze in der Tagespflege. "Genaueres wissen wir erst, wenn uns die tatsächlichen Anmeldezahlen vorliegen", so Monika Frank.

Lokalpolitiker, Bürger sowie Leiter von Betreuungseinrichtungen bemängelten, dass der Bedarf im Stadtteil weit höher sei als die 35 Prozent-Quote. "Alles, was darüber hinaus geht, ist angesichts der angespannten Haushaltslage Bremens nicht finanzierbar", so Horst Frehe. Jedoch sei eine Umfrage geplant, um nachträglich den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln. "Das ist viel zu spät", empörte sich Rainer Müller, "wir steuern sehenden Auges auf einen Crash zu."

Nun will der Beirat in einer Sozialausschusssitzung am 31. Januar die Zahlen nochmals überprüfen und tiefer gehende Fragen klären. Dazu zählen unter anderem die bessere soziale Durchmischung in den Betreuungsangeboten sowie die gewünschte Ausweitung von Ganztagsbetreuung.





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