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Neustadt. Norbert Rüppell kann seinen Papierkorb nicht finden. Auch die Kekse, die der Schulleiter seinen Gästen zum Tee anbieten will, sind spurlos verschwunden. Doch der 66-Jährige nimmt es gelassen: "Das ist auch nicht anders, als wenn man privat umzieht, manche Dinge tauchen erst nach einiger Zeit wieder auf."
In der vergangenen Woche war am Leibnizplatz das große Chaos angesagt. Die Schulleitung hat ihr Quartier mit der kompletten Verwaltung in einem modernen Neubau auf dem Schulhof bezogen. Zeitgleich sind die Oberstufenschüler von der Delmestraße in die neuen Klassenräume an der Schulstraße umgezogen. Die Kosten für den Umbau des alten Gebäudes neben der Schule belaufen sich auf 3,9 Millionen Euro. Der Neubau kostete das Bildungsressort 3,33 Millionen Euro. Mit der Erschaffung des neuen "Campus Leibnizplatz" sollen die Jahre der Provisorien nun ein Ende finden. Denn obwohl an der Schule bereits 2008 der Ganztagsschulbetrieb begonnen hat, kommen erst in diesem Jahr eine eigene Mensa und weitere notwendige Räume für die insgesamt etwa 850 Schülerinnen und Schüler hinzu.
Hiltraud Weidlich hat es sich bereits im Schulsekretariat im zweiten Stock des Neubaus gemütlich gemacht. Von ihrem neuen Arbeitsplatz aus kann sie künftig durch ein bodentiefes Fenster das Geschehen auf dem Flur im Blick behalten. Die neuen Technikräume für Werk- und Handarbeiten im ersten Stock sowie die Mensa mit Küche und Kiosk im Erdgeschoss werden erst in den kommenden Wochen für den Schulbetrieb freigegeben. Dort, wo seine Schüler künftig mittags essen sollen, zeigt Norbert Rüppell die Besonderheiten der Etage: "Das Geländer des erhöhten Essbereichs ist abnehmbar, damit man den Raum auch als Bühne benutzen kann." Nicht nur Schulaufführungen sollen dort stattfinden. Der Mehrzweckraum ist auch für die anderen Bürger im Stadtteil gedacht. Feiern, politische Versammlungen und Lesungen der Shakespeare-Company sind nur einige Ideen für die künftige Nutzung.
Die Nachbarschaft zu dem Theater am Leibnizplatz macht sich auch in dem Backsteingebäude an der Schulstraße bemerkbar. Ein eigener großer Raum mit Bühne für das Unterrichtsfach darstellendes Spiel ist dort auf der grünen Etage im Hochparterre zu finden. Neben den hauseigenen Theaterlehrern kommen auch ab und zu Schauspieler der Shakespeare-Company zur gemeinsamen Arbeit mit den Schülern. Den Fußböden der beiden anderen Stockwerken haben die Architekten die Farben Gelb und Orange zugeschrieben. Klassenzimmer und Räume für Physik, Chemie und Biologie sind dort zu finden.
Sambatrommeln hinter Gitter
Dass in den lichtdurchfluteten Gängen einst das Neustädter Polizeirevier untergebracht war, ist noch an zwei Stellen deutlich sichtbar: In den vier denkmalgeschützten Gefängniszellen lagern nun hinter dicken Eisentüren die Trommeln der Samba AG. Zudem ist das Gebäude bestens bewacht: Seit dem heutigen Montag haben auch Polizeibeamte wieder ihren Posten in der verbliebenen Wache im Erdgeschoss bezogen.
"Mit dem Umzug haben wir den ersten großen Schritt geschafft, der zweite steht aber noch aus", sagt Norbert Rüppell. Der Schulleiter hat extra seine Pensionierung auf 2013 verschoben, damit sein Nachfolger nicht mitten im Chaos anfangen muss.
In Zukunft sollen die nun frei gewordenen Räume im alten Schulgebäude saniert und zum Freizeit- und Lernbereich für den Ganztagsschulbetrieb umgebaut werden. "Ich hoffe, dass wir in den Sommerferien damit beginnen können", so Rüppell. Zudem steht die Gestaltung der beiden Schulhöfe sowie der Sportplätze noch aus. "Angesichts der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Mittel können diese Maßnahmen nur in Abschnitten umgesetzt werden", teilt die Sprecherin der Bildungsbehörde, Karla Götz, auf Nachfrage mit. Die Kosten wurden mit 2,15 Millionen Euro veranschlagt.
Weitere 3,66 Millionen gibt die Kulturbehörde derzeit für die Modernisierung des Theaters am Leibnizplatz aus. Wenn die Shakespeare-Company dort wieder einziehen kann, hat sich das Bild am Leibnizplatz bereits stark verändert. Norbert Rüppell ist sich sicher: "An diesem Ort wird ein Schul-Theater-Campus entstehen, der einen neuen Kern für die Neustadt bildet."



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