Mittendrin im Stadtteil: Karl-Heinz Müller leitet den Förderkreis Overnigelant / Erstmals Probleme bei Finanzierung

 - 09.02.2012

Der Regisseur für den "Sonntag im Park"

Von Andreas Becker
Der Förderkreis Overnigelant setzt sich dafür ein, den dörflichen Charakter und die Besonderheiten Oberneulands zu bewahren. Und den Mitgliedern liegt ebenso die Pflege der Gemeinschaft am Herzen, unter anderem mit dem "Sonntag im Park". Seit 2003 ist der Oberneulander Karl-Heinz Müller Vorsitzender des Vereins und sozusagen auch Regisseur der Großveranstaltung.

Oberneuland. In seinem Leben ist Karl-Heinz Müller viel herumgekommen. Er hat 25 Jahre lang in der Schweiz gelebt und beruflich fast die ganze Welt bereist. Richtig heimisch fühlt er sich jedoch nur in Oberneuland. "Unter der bodenständigen Bevölkerung fühle ich mich wohl, und ich bin froh, seit einigen Jahren wieder in Bremen zu leben", sagt der Vorsitzende des Förderkreises Overnigelant.

Den Förderkreis führt er seit neun Jahren als Vorsitzender. Gegründet wurde die Vereinigung Oberneulander Bürger vor 27 Jahren nach der 800-Jahr-Feier. "Unser Ziel ist, die Besonderheiten des Stadtteils zu erhalten und zu pflegen", sagt Karl-Heinz-Müller. Den dörflichen Charakter möchten die Mitglieder des Förderkreises unbedingt bewahren. "Es ist heutzutage wichtiger denn je, die Besonderheiten kleiner Landstriche zu erhalten und sich im kleinen Kreis zu treffen", ist der Vorsitzende überzeugt.

Um den Bürgern zusätzliche Möglichkeiten für Treffen in Oberneuland zu bieten, veranstaltet der Förderkreis alle zwei Jahre den "Sonntag im Park". Das Festival mit Musik, Ständen und Kinderprogramm soll es in diesem Jahr wieder geben: Der Termin ist der 2. September im Park Hohenkamp, Oberneulander Landstraße 27-29. Ein Jazz-Frühschoppen auf dem Lür-Kropp-Hof wechselt sich im jährlichen Turnis mit dem "Sonntag im Park" ab und lockt im Frühjahr viele Besucher an. Außerdem gibt es jedes Jahr eine Weihnachtsfeier für Senioren. "Das ist für mich die schönste Veranstaltung, weil sich die Teilnehmer das ganze Jahr darauf freuen", sagt Müller. Tradition ist auch die Spendensammlung unter den Teilnehmern für das Kinderheim Hermann-Hildebrand-Haus.

Bislang nach außen völlig unpolitisch, gibt es im Förderkreis neuerdings Überlegungen, sich künftig auch zu politischen Themen zu Wort zu melden. Müller macht keinen Hehl daraus, dass ihn der schlechte Zustand der Geh- und Radwege im Stadtteil ärgert. "Wenn es geregnet hat, wird ist das ein Sumpfgebiet", kritisiert er die Untätigkeit der Behörden. Auch über die geplanten drei Tunnelbauten ist der Vorsitzende nicht begeistert. "Das wird den Stadtteil spalten", warnt er.

Nicht nachvollziehen kann er die Streitereien um die vorgesehene Skulptur für den Kirchenvorplatz. "Schade, dass man in Zeiten knapper Kassen so viel Geld für eine Skulptur versenkt. Man sollte die Mittel lieber für etwas Vernünftiges ausgeben", sagt er. Aktuell hat der Förderkreis Overnigelant rund 40 Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt laut Müller bei 55 bis 60 Jahren. "Wir haben das gleiche Problem wie andere Vereine auch. Es ist schwierig, junge Leute für eine Mitarbeit zu gewinnen." Eine negative Auswirkung der Überalterung im Verein ist, dass der Förderkreis bei den Auf- und Abbauarbeiten zum "Sonntag im Park" zunehmend auf bezahlte Hilfskräfte angewiesen ist.

Steigende Kosten für das Fest

"Dadurch steigen die Kosten des Festes ganz erheblich, sodass wir die diesjährige Veranstaltung zum ersten Mal nicht mehr aus eigener Kraft finanzieren können", sagt der 75-Jährige. 2000 Euro Globalmittel hat der Förderkreis beim Beirat Oberneuland beantragt, um die Lücke zu schließen. Der Etat für die Veranstaltung beträgt 20000 Euro. Der größte Teil stammt aus Spenden Oberneulander Geschäftsleute. "Der Gemeinschaftsgedanke wird von vielen mitgetragen", sagt Müller.

Mitglied einer Gemeinschaft zu sein, ist ihm auch persönlich wichtig. Durch die 25 Jahre in der Schweiz seien viele seiner Bremer Freundschaften zerbrochen. "Als wir 2002 wieder nach Bremen kamen, war ich froh, dass der Förderkreis uns mit offenen Armen aufgenommen hat", sagt er.

Karl-Heinz Müller wurde in Breslau geboren und kam 1945 als Neunjähriger nach Bremen. Nach der Schulzeit absolvierte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. "Anschließend habe ich mich hochgedient", berichtet er. Nach einer Zeit in England arbeitete er für verschiedene Gesellschaften, vor allem im Bereich Transportwirtschaft. Auch heute ist der 75-Jährige noch beruflich aktiv - als Berater eines Maklers, der im Bereich Schiffsversicherungen tätig ist.

Der Förderkreis Overnigelant trifft sich jeden dritten Dienstag im Monat ab 20 Uhr im Gasthaus Herman Post. Gäste sind willkommen.





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