Obervielander Grüne und Linke stimmen gegen interne Stellenausschreibung / Ingo Funck will Wiederwahl

 - 24.11.2011

Ortsamtsleiter bekommt Konkurrenz

Von Jean-Charles Fays
Im März 2010 hat der Senat beschlossen, dass Stellen, die im öffentlichen Dienst neu zu besetzen sind, intern ausgeschrieben werden. Bei der bedeutenden Position des Ortsamtsleiters besteht aber die Möglichkeit, die Stelle öffentlich auszuschreiben. Voraussetzung: Ein Beiratsmitglied wünscht es. Im Obervielander Beirat haben fünf Beiratsmitglieder dafür gestimmt - die Fraktionen der Grünen und der Linken. Der stellvertretende Beiratssprecher Hans-Jürgen Munier (Grüne) begründet das Votum mit seinem Demokratieverständnis, spricht aber auch von Problemen mit Ortsamtsleiter Ingo Funck.

Obervieland. Wenn Beiräte hinter ihrem Ortsamtsleiter stehen, dann verläuft eine Wiederwahl so geräuschlos wie bei Hans-Peter Mester im Bremer Westen. Die drei Beiräte Findorff, Walle und Gröpelingen haben ihm zuvor einstimmig das Vertrauen geschenkt. Das hatte zur Folge, dass seine Stelle lediglich intern ausgeschrieben wurde. Die Wiederwahl im Juni 2010 war nur noch Formsache.

Der Obervielander Ortsamtsleiter Ingo Funck hat in seiner zehnjährigen Amtsperiode offenbar nicht soviel Rückhalt erworben wie sein Kollege aus dem Westen. Bei einem Sondierungsgespräch des Obervielander Beirats mit Reiner Kammeyer von der Senatskanzlei zum Thema Ortsamtsleitung ab März 2012 haben sich fünf Beiratsmitglieder gegen eine interne Ausschreibung ausgesprochen. Die vier Beiratsmitglieder der Fraktion der Grünen und Roman Fabian (Linke) votierten einstimmig für eine öffentliche Ausschreibung.

"Es wäre ja keine Wahl, wenn man keine Wahl hat", sagt Fabian. "Eine offene, transparente Ausschreibung ist ein urdemokratischer Prozess." Ihn interessiere, ob es in Obervieland auch noch andere Menschen gibt, die für dieses Amt qualifiziert sind. Ob es auch persönliche Gründe für sein Votum gibt, dazu wollte Fabian nicht eindeutig Stellung beziehen. Er sagt lediglich: "Aus fachlicher Sicht gibt es nahezu keine Differenzen." Nicht verhehlen will Fabian, dass es gelegentlich Reibereien darüber gab, wie eine Beiratssitzung zu leiten sei.

"Es gibt immer wieder Leute, die sagen, mit dem sind wir nicht zufrieden", sagt der stellvertretende Beiratssprecher Hans-Jürgen Munier (Grüne). "Auch in der Bevölkerung." Es sei bekannt, dass seine Fraktion in der vergangenen Legislaturperiode schon öfter Probleme mit Ingo Funck gehabt habe. "In einem längeren Prozess haben wir diese Probleme jetzt aber ausgeräumt." Zurzeit laufe es gut. Dass die Obervielander Grünen bei der Beiratswahl ihre Sitzanzahl verdoppeln konnten, scheint sich in den vergangenen Monaten positiv in der Zusammenarbeit der Grünen mit dem Ortsamtsleiter niedergeschlagen zu haben. Dennoch will sich Munier jetzt noch nicht festlegen, wen er wählt und sagt: "Es kann auch sein, dass Ingo Funck eine große Konkurrenz bekommt." Wichtig sei, dass der Beirat sich in der Öffentlichkeit nicht dem Vorwurf der Kungelei aussetze. Die öffentliche Ausschreibung sorge für Transparenz.

Der Beiratssprecher Stefan Markus (SPD) sieht diese Ausschreibung kritisch: "Wenn der Beirat einstimmig für die Wiederwahl gestimmt hätte, dann wäre die Stelle intern ausgeschrieben worden, und wir hätten dem Steuerzahler viel Geld gespart." Markus legt aber Wert darauf, dass er diese Aussage nur als Beiratsmitglied treffe, nicht aber als Beiratssprecher, da er in diesem Punkt nicht für den gesamten Beirat sprechen könne. Seine persönliche Ansicht ist, dass es für einen externen Bewerber "sicherlich schwer ist, gegen einen amtierenden Ortsamtsleiter anzutreten". Markus habe seit zehn Jahren sehr gut mit Funck zusammengearbeitet. "Ich bin mit seiner Arbeit sehr zufrieden. Unser Ortsamtsleiter war stets offen und zuverlässig."

Funck hätte am liebsten auf die Ausschreibung verzichtet. Das Votum der Grünen und der Linken müsse er aber so akzeptieren. "Die andere Variante wäre zwar bequemer gewesen, aber so ist es transparenter", sagt der 62-Jährige. Als er Anfang 2002 gewählt wurde, habe er auch drei Mitbewerber gehabt. Für ihn hätte damals die Erfahrung als Verwaltungswirt und als Beiratsmitglied gesprochen. "Wenn ich nicht wiedergewählt werde, dann gehe ich eben in Pension", sagt Funck. Die Ruhestandsgrenze habe er als ehemaliger Polizist bereits erreicht.





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