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Kattenesch. Damit hatte Frieda Raguse nun wirklich nicht gerechnet: Ortsamtsleiter Ingo Funck besuchte sie im Stadtteilhaus Kattenesch. Sie war noch viel überraschter, als er ihr eine Urkunde überreichte. Dabei hatte sie um ihren 101. Geburtstag nicht viel Wind machen wollen.
Nun war es aber doch geschehen, denn schließlich ist so ein Anlass etwas Besonderes. Ingo Funck überbrachte der Seniorin die offiziellen Glückwünsche des Senats, und als Geschenk hatte er eine Flasche Ratskellerwein dabei.
Frieda Raguse musste diesen Empfang erst einmal verdauen. Mit ihrem Gehwagen stand sie in der Mitte ihres Einzelappartements und berichtete: "Ich habe heute schon einige Anrufe bekommen." Auf die Frage von Ingo Funck, ob es ihre Kinder gewesen seien, die angerufen hätten, antwortete sie: "Ich habe keine Kinder, ich war nie verheiratet." Und das habe sie auch nie bedauert, versicherte sie.
Frieda Raguse wurde in der Kaiserzeit geboren, am 5. Dezember 1910 in einem kleinen Dorf in Westpreußen. Ihre Eltern hatten eine Gastwirtschaft mit einem großen Tanzsaal. "Da haben wir viel gefeiert", sagte sie und zeigte auf das Schwarzweißfoto an der Wand.
Gegen Ende des Krieges ist die Westpreußin nach Norddeutschland geflüchtet. "Mit einem Leiterwagen und im Zug", sagte sie und fragte Funck, ob er so ein Fahrzeug kenne. "Ja, habe ich mal gesehen", entgegnete er.
In Syke hat Frieda Raguse in einer Firma als Sekretärin gearbeitet. "Bis vor einem Jahr habe ich in einem Haus in Brinkum gewohnt", sagt sie. Nun lebt sie in der Kattenescher Heimstiftung, wo sie auf der vierten Ebene ihr kleines Zimmer gemütlich eingerichtet hat. Auf einer Kommode steht ein Bild von ihrem Bruder und eins, auf dem ihre Patenkinder zu sehen sind. Das Foto ihres Neffens aus Bremen hat einen Platz an der Wand bekommen. "Ich fühle mich hier ganz wohl. Ich laufe viel und bin noch ganz fit", sagt die Seniorin über sich.
Das kann Susanne Weimann, die als pflegerische Hilfskraft auf der Station arbeitet, nur bestätigen: "Sie ist fidel, aufgeschlossen und für ihr Alter eine flotte Frau. Sie geht zu vielen Veranstaltungen im Haus wie Modenschauen, Singen oder Gymnastik." Die alte Dame habe eine ganz besondere Vorliebe, verriet Haushaltskraft Kathrin Henschel. "Morgens isst sie gerne Rosinenbrot." Aber den Geburtstagskuchen am Nachmittag im Café ließ sich Frieda Raguse auch schmecken.



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