| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Obervieland. Wer auf der Modelleisenbahnbörse im BGO am Stand des Ehepaars Auerbach aus Huchting vorbeikam, staunte zunächst. Denn viele ausgestellte Gegenstände passten auf den ersten Blick so gar nicht zu einer Eisenbahnbörse. Beim näheren Hinschauen war klar zu erkennen, dass sie doch mit der Eisenbahn zu tun hatten. Zum Beispiel waren auf verschiedenen mehrfarbigen Krawatten alte Dampfloks zu sehen. "Es ist italienisches Design, nur vom Feinsten", erklärte Albrecht Auerbach. Er und seine Frau präsentierten passend dazu Krawattennadeln und Manschettenknöpfe, auf denen Züge eingraviert sind.
Aber damit nicht genug, denn im Bestand hatten sie auch unterschiedliche Armbanduhren. Eine davon war grün, in deren Zifferblatt sich eine Schiene auf dem Sekundenzeiger bewegt. "Im Laufe der Jahre habe ich das alles gesammelt. Einige der Uhren habe ich zum Beispiel bei Händlern entdeckt oder von der Märklin-Initiative bekommen. Bei einer ist die Harzer Schmalspurbahn eingraviert. Irgendwann kommt allerdings der Punkt, da muss man sich von all den Sachen trennen", gestand Auerbach mit einem wehmütigen Blick. Im Gepäck hatte das Ehepaar auch noch seine Schneekugel-Sammlung mit Eisenbahnmotiven, ein Feuerzeug sowie eine Dampflok als Spardose. An die Freunde des Gerstensafts hatten Helga und Albrecht Auerbach auch gedacht, denn in ihrem Bestand befinden sich auch Biergläser und -krüge. Die sind mit verschiedenen Bildern und Aufschriften wie "100 Jahre Achseebahn" oder "Mit Volldampf ins 3. Jahrtausend" versehen. Auf einem der Trinkgefäße ist ein Bahnhofsgebäude mit einer
batteriebetriebenen Uhr befestigt, vor dem eine Rheinbahn-Lok mit Waggon steht. Auf dem Deckel erhebt sich eine kleine Gebirgslandschaft. "Das ist etwas für echte Eisenbahnfans", lachte Helga Auerbach.
Bahn im Kinderzimmer aufgebaut
Sie begleitet ihren Mann zu allen Börsen, auf denen er seine Sachen veräußern will. "Wenn man so ein Hobby hat, muss man als Ehefrau mitziehen. Seit 46 Jahren begleitet uns die Leidenschaft meines Mannes, womit er mich gewissermaßen angesteckt hat. Denn ich finde es auch faszinierend, an der Anlage zu bauen oder kleine Häuser zu basteln." In den 1970er-Jahren hat das Modellbaufieber ihren Ehemann gepackt. "Gestartet bin ich mit einer Anlage von Märklin. Irgendwann ist dann meine Tochter ausgezogen, und ich habe in ihrem Zimmer eine großes Modell aufgebaut. Jetzt bin ich zu alt dafür, und es muss alles raus."
Für Peter van Well aus Achim war es eine Premiere, bei der Börse im BGO zu sein, zu der die Eisenbahnfreunde Bremen-Blumenthal eingeladen hatten: "Ich bin das erste Mal dabei, weil ich einen Teil meiner großen Sammlung verkaufen möchte." Seit über 20 Jahren sammelt er und hat zu Hause einen großen Raum mit Zubehör vollgestellt. "Da ist nun kein Platz mehr. Deshalb muss ich meine Sammlung reduzieren." Er hatte Häuser, Lokschuppen, Brücken, Signalanlagen und viele andere Dinge im Angebot, von denen er sich trennen wollte. "Meine Leidenschaft für das Hobby habe ich in der Mitte meines Lebens entdeckt, als ich das erste Geld verdient habe. Nur irgendwann bin ich über die Grenzen hinausgegangen und habe immer mehr gekauft. Jetzt ist Schluss."
Ein Besucher aus Kattenturm, der seinen Namen nicht nennen wollte, hat sich bei van Well umgeguckt, aber nichts Passendes gefunden. "Ich habe die ganzen Sachen von meiner fünf Quadratmeter großen Anlage heruntergerissen und baue sie ganz neu auf. Dafür ist Elektronik ganz wichtig." Als Kind habe er mit Modelleisenbahnbau angefangen, was ihm bis jetzt Freude bereite. "Wenn man das Ergebnis sieht, dass etwas fährt und sich bewegt, ist das schön." Mit leeren Händen hat er die Börse aber nicht verlassen. "Ich habe ein paar Abkuppler und Grasmatten gefunden."
Auch für Eckerhard Schlüter hat sich die Anreise aus Ottersberg gelohnt. "Ich habe ein bisschen zum Basteln und Aufbau für meine Anlage gefunden. Ich fahre gern zu den kleinen Börsen, weil sie familiärer sind. Man hat persönliche Ansprechpartner." Ein Lob, das Veranstalter Winfried Wissgot von den Eisenbahnfreunden Bremen-Blumenthal immer wieder von den Besucher hört. "Ich bin ganz zufrieden. 70 Prozent der Gäste sind Stammpublikum, das fast immer kommt, während 30 Prozent aus dem Stadtteil kommen. Sie haben es in der Zeitung gelesen und wollen keine großen Wege zurücklegen. Viele von den Leuten kennt man, mit denen man immer wieder nette Gespräche führt." Er richtet seinen Blick schon auf das neue Jahr, dann plant er eine Anlage für Kinder. "Damit können die Kleinen dann selber fahren."



Regenwahrscheinlichkeit:



