| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Habenhausen. Eine gewaltige Zahl: 500000 Mal in der Woche wird in Deutschland ein Schüler oder eine Schülerin im Klassenzimmer oder auf dem Schulgelände gemobbt. Laut wissenschaftlichen Studien ist jedes sechste Kind ein Opfer von Mobbing. Doch was ist Mobbing? Was verstehen Schüler und Lehrer darunter? Und wie kann man Mobbing verhindern? Mit diesen Fragen befassen sich mehr als 215 Schülerinnen und Schüler der Oberschule Habenhausen noch bis morgen in einer Anti-Mobbing-Projektwoche.
Mobbing ist viel mehr als einen Mitschüler hin und wieder hänseln, mit ihm raufen oder ihn ärgern. Mobbing ist, wenn jemand wiederholt und mit System herabgesetzt und ausgegrenzt wird. Maditha Schlimme, Schülerin der Klasse 6e, beschreibt Mobbing mit ihren Worten: "Wenn eine Gruppe auf einen Einzigen losgeht." Auch wiederkehrende Beleidigungen gehören dazu. Mitschülerin Cornelia Fogel spricht von Ausgrenzung und davon, dass ein Mitschüler einfach ignoriert oder bloßgestellt wird, sein Rucksack hin- und hergeworfen wird. "Wenn eine Klasse zusammenhält, wird es weniger Mobbingfälle geben," ist sich Cornelia sicher. Celia Gottlieb aus der Klasse 6a kennt ein Mobbingopfer - ein Mädchen. Ihm ging es schlecht, es hatte Magenkrämpfe und musste sich erbrechen.
Eine Frage an die Lehrer: Wer sind die Täter? In allen Schulen gebe es verhaltensauffällige Schüler, erklärt Jörg Schröder, Jahrgangsleiter der fünften Klassen. "Auch bei uns kommt Mobbing vor, aber wir kriegen wenig mit", räumt seine Kollegin Christine Kärsten ein. Das Problem: Das, was die Lehrer im Unterricht mitkriegen, fällt nicht unter den Begriff Mobbing. Wenn aber Mobbing tatsächlich passiert, dann haben die Kinder große Angst, sich gegenüber den Lehrern zu öffnen, weil sie gleichzeitig befürchten, dann erst recht schikaniert zu werden. Die Kluft zwischen Täter und Opfer wird nach jedem Übergriff größer: Der Mobber fühlt sich noch mächtiger, das Opfer immer mehr erniedrigt. Ein gravierender Fall an der Oberschule Habenhausen, die von rund 800 Schülern der Jahrgänge fünf bis zwölf besucht wird, ist allen noch gut in Erinnerung. Die Schulleitung schaltete die Polizei ein, weil Straftaten begangen wurden.
"Wem vertraue ich mich an?" Die Lehrer hoffen, dass ihre Schüler auf sie zukommen, wenn es Probleme gibt. Dafür gibt es regelmäßige Klassenratsstunden. Dass Schüler und Lehrer für das Thema Mobbing weiter sensibilisiert werden - das ist das wichtigste Ziel der Anti-Mobbing-Projektwoche, die präventiv wirken soll, wie Klassenlehrer Daniel Duensing ergänzt. Er hat mit Kollegin Christine Kärsten eine Fortbildung im Landesinstitut für Schule (Lis) zum Thema Mobbing besucht.
Maditha, Cornelia und Celia: Auch diese drei Mädchen haben eigene Handys. Die Mobiltelefone dürfen in der Schulzeit nicht klingeln. "Handy aus", heißt es in Habenhausen. Die drei Schülerinnen wissen schon gut Bescheid, was Cyber-Mobbing ist. Mit diesem Begriff werden verschiedene Formen der Diffamierung, Belästigung, Bedrängung und Nötigung anderer Menschen mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel über das Internet, in Chatrooms und mittels Mobiltelefonen bezeichnet. Durch Bloßstellung im Internet, permanente Belästigung oder durch Verbreitung falscher Behauptungen werden die Opfer gemobbt. Das Phänomen tauchte zuerst im Zusammenhang mit Schülern auf, die Videos oder Bilder von Lehrern ins Internet gestellt hatten.
Inzwischen ist Internet-Mobbing unter Schülern in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ und Facebook oder auf Videoportalen wie You Tube weit verbreitet. Die Hemmschwelle, im Internet andere zu verhöhnen, ist sehr gering. In der Anonymität des World Wide Web muss ein Täter seinem Opfer nicht in die Augen gucken. Denn im Internet ist es ganz einfach, Unwahrheiten zu äußern. So fällt es insbesondere Jugendlichen schwer, ihre Impulse zu zügeln, wenn soziale Kontrolle wegfällt oder nicht spürbar ist. "Facebook speichert alles. Das ist den Kinder nicht bewusst," sagt Lehrer Torsten Uhlenberg.
Während der Projektwoche machen die Schüler auch Rollenspiele. Sie lernen, positiv und konstruktiv miteinander umzugehen. Sie erfahren, welche Folgen das Mobbing für die betroffenen Mitschüler hat und was sie selbst tun können, um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen. Torsten Uhlenberg über eine Übung am ersten Tag: "Die Schüler lassen sich schubsen und merken, wie sie sich dabei fühlen." Ergebnis: Die Betroffenheit ist groß.
Im Anschluss an die Projektwoche findet in der Oberschule Habenhausen, Bunnsackerweg 2-4, am Donnerstag, 16. Februar, 17.30 Uhr, eine Präsentation der Ergebnisse statt. Ab 19 Uhr wird der Experte Markus Gerstmann vom Service-Bureau für Jugendinformation in Bremen über das Thema Cyber-Mobbing referieren.



Regenwahrscheinlichkeit:



