Verein Rissala unterstützt afrikanische Migranten

 - 30.11.2009

Es geht um die Zukunft der Kinder

Von Kathrin Wischnath
Kattenturm. Der Verein Rissala wollte es genau wissen: 20 Bewohner Kattenturms trafen sich im Bürgerzentrum Obervieland mit dem Ziel, ihre Ideen für die Verbesserung der beruflichen und sozialen Integration von afrikanischen Migranten zusammenzutragen. Die Ehrenamtlichen von Rissala haben es sich auf ihre Fahnen geschrieben, die in Bremen lebenden Afrikaner bei der Integration zu unterstützen.

120 Menschen, die verschiedenen Regionen Afrikas entstammen und nun in Kattenturm leben, hatte der Verein im Vorfeld angesprochen. Sie alle stehen vor gravierenden Problemen. Die Initiative unter dem Motto „Afrikanische Migranten in Kattenturm – kommt!“ (Mikako) erhielt Fördermittel aus dem Programm „Wohnen in Nachbarschaften“ (WiN).

Wollen ihren Landsleuten bei der Integration helfen (von links): Bassirou Ayeva aus Togo, Gründer des Vereins Rissala, Robert Akpabli aus Togo und Godefroid Bokolombe aus dem Kongo.
Wollen ihren Landsleuten bei der Integration helfen (von links): Bassirou Ayeva aus Togo, Gründer des Vereins Rissala, Robert Akpabli aus Togo und Godefroid Bokolombe aus dem Kongo.

Bevor es zu einem ersten Treffen afrikanischer Menschen kommen konnte, waren die Vereinsmitglieder von Haustür zu Haustür gegangen und hatten Briefkästen und Wohnungstüren nach afrikanischen Namen abgesucht. Wurden sie fündig, erhielten die zugewanderten Kattenturmer eine Einladung zum ersten Treffen. Diese aufwendige Vorgehensweise hat sich bereits bei einer Initiative in der Vahr bewährt. Virginie Kamche aus Hastedt, zweite Vorsitzende von Rissala, stellte fest: „Viele Afrikaner sind mit unseren Informationen anders nicht zu erreichen.“

Godefroid Bokolombe aus Delmenhorst ist Koordinator für das Projekt in Kattenturm. Bei früheren Initiativen seien afrikanische Menschen immer wieder an beratende Fachleute der Universität verwiesen worden, ohne dass Bedarf bestanden hätte. Der aus dem Kongo stammende Jurist betonte stattdessen die Notwendigkeit der Selbstorganisation afrikanischer Migranten: „Welche Ziele wir haben und wie wir daraus konkrete Aktivitäten entwickeln, wissen wir selber am besten.“ Wichtig sei ihnen, so Robert Akpabli von Rissala, der beim Gesundheitsamt arbeitet und in Findorff lebt, dass keine Ghettoisierung entstehe. Es gehe dem Verein darum, im Stadtteil und zusammen mit anderen etwas zu bewegen.

"Viele Talente vorhanden"

Ein Hauptanliegen der Veranstaltungsteilnehmer aus Ghana, Somalia, Sudan, Ruanda, Togo und Kamerun brachte Hannah Atom auf den Punkt: „Es geht hier vor allem um die Zukunft unserer Kinder.“ Sie ist Mutter und Absolventin eines Wirtschaftsstudiums. Der Kattenturmer Pastor Isaiah Otu Essel wies darauf hin, dass viele Talente auch in den afrikanischen Communities selber vorhanden seien. Insbesondere bei Problemen mit dem Computer und dem Internet stünden im Verein einige IT-Experten zur Verfügung, die ihr Wissen auch unentgeltlich weitergeben würden.

Besonders deutlich wurde die manchmal fehlende Brückenfunktion zwischen Bedürfnis und Angebot von städtischer Seite, als aus der Diskussionsrunde der dringende Wunsch nach Weiterqualifizierung zum Thema Bewerbung geäußert wurde. Die IT-Studentin Virginie Kamche berichtete davon, dass sie gerade einen solchen Kursus angeboten habe – aber die afrikanischen Frauen nicht gekommen seien. Ähnliches gilt für die von vielen afrikanischen Eltern gewünschte Hausaufgabenhilfe. Die Tochter auf dem Weg zum Abitur beim Deutschunterricht zu unterstützen, sei schwer bis unmöglich, wenn man kein Muttersprachler sei, sagte Husseni Compaore. Dazu Robert Akpabli: „Das Geld dafür ist da, es kommen aber keine Kinder.“

Die Erklärungsversuche für das Problem waren vielfältig. Manche Menschen hätten auch kein Interesse daran sich weiterzubilden, sagte der Chemielaborant und Übersetzer Hubert Kabore. Es gebe doch vielfältige Möglichkeiten, die man nutzen könne. Der in Togo zum Imam ausgebildete Abdou Salam lebt heute in Hamburg und widersprach vehement: Es seien die oft extrem schwierigen Lebensumstände, die dazu führen könnten, dass sich manche Migranten nicht weiterbildeten.

"Die Politik hat lange geschlafen"

Dass sich in Sachen Integrationspolitik in den letzten Jahren einiges verbessert habe, stellte Husseni Compaore fest: „Aber die Politik hat lange geschlafen. Vor 20 Jahren war es nicht so einfach für Migranten wie heute.“ Diesen Wechsel sieht auch Hannah Atom: „Die Politik muss uns heute wahrnehmen, sie muss anerkennen, dass wir in Deutschland sind.“

Positives über staatliche Unterstützung bei der Integration berichtete Odette Richter vom Migrantinnenrat. Sie habe das Familienorientierte Integrationstraining (FIT) als sehr hilfreich erlebt. Die Initiative gebe Eltern mit Migrationshintergrund einige Informationen zur Weiterbildung in Sachen Sprache und Kultur und ermögliche den Austausch über Erziehungsideale der Deutschen und der eigenen Kultur.





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