Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Mitte (GSM) berichten am Mittwoch über ihren Austausch mit Bamako

 - 16.01.2012

Klassenfahrt nach Mali

Von Sabine Grulke
Der Bremer Schüleraustausch ist schon lange nicht mehr auf Europa beschränkt. Nach Afrika aber fahren nur wenige Gruppen - und wie es in Mali war, berichten Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Mitte am Mittwoch in der Mensa an der Hemelinger Straße.

Östliche Vorstadt. Ein Jahr lang hatten sie sich auf die Reise nach Mali vorbereitet: Sechs Zehntklässler der Gesamtschule Mitte (GSM) fuhren in eines der ärmsten Länder der Welt. "Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell sich Jugendliche verständigen können und Freundschaften schließen", sagt der Lehrer Eckardt Kreye nach der Reise.

Er und die Französischlehrerin Jutta Brockhaus hatten die Schüler und Schülerinnen begleitet. Die Jugendlichen berichten am Mittwoch, 18. Januar, um 19 Uhr in der Mensa an der Hemelinger Straße von ihrem zweiwöchigen Austausch.

Der Französisch-Fachbereich der GSM hatte den Kontakt aufgebaut. Die Wahl war damals auf Mali gefallen, "ein unheimlich gastfreundliches Land", wie der Lehrer gehört hatte. Seit 1960 ist die ehemalige französische Kolonie in Westafrika unabhängig. Zwar ist Französisch nach wie vor Amtssprache, doch die meisten Menschen dort unterhalten sich auf Bambara. "Davon haben unsere Jugendlichen auch ein bisschen was gelernt", erzählt Kreye. Ansonsten verständigten sie sich auf Englisch und Deutsch, den Fremdsprachen, die die Schüler des Lycée Soundiata Keita (LSK) in Bamako, der Partnerschule der GSM, lernen.

2005 gab es erste sporadische Kontakte zu der malischen Schule. Jutta Brockhaus hatte das Projekt "schoolbooks on tour" ins Leben gerufen. Ihre Schülerinnen und Schüler führten im Französischunterricht Tagebuch auf Französisch. Brockhaus nahm die Bücher mit nach Bamako, und die malischen Jugendlichen schrieben auch etwas hinein. 2008 war ein Lehrer aus Mali auf Einladung des Goethe-Instituts in Deutschland und besuchte auch die Bremer Gesamtschule. Vor zwei Jahren rief Eckardt Kreye dann den Kurs über Mali ins Leben. "Die damaligen Achtklässler waren sehr motiviert, wollten alle helfen", sagt er. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Projekt in einen Medien-Mali-Kurs: Filme wurden gedreht und geschnitten. Kreye nahm vor einem Jahr Video-Equipment mit nach Mali und leitete in Bamako ein Medien-Projekt. Einen Internetzugang besitzt das Lyzeum erst seit 2009.

Im vergangenen November war es dann soweit: Svea Lohschelder, Anneke Gerdes, Gesa Haß, Lamine Ingel, Thomas Hartz-Goiteom und Finn Sasse saßen mit ihren Lehrern im Flugzeug nach Westafrika. Ursprünglich hätten alle 16 Kursteilnehmer mitreisen können, das hatten der Förderverein der Schule und das Jugendhaus Buchte der Naturfreunde ermöglicht. Am Geld lag es nicht, dass nicht alle mitfuhren. Die Fahrt sei durch die Zuschüsse nicht teurer gewesen als 400 Euro pro Teilnehmer. Außerdem hätten sich Eltern bereit erklärt, falls jemand auch das nicht zahlen könne, den Betrag aufzufangen. "Allerdings gab es eine Reisewarnung für Mali", sagte der Lehrer. Daraufhin hätten einige Eltern ihr Veto eingelegt.

Aus sicherheitstechnischer Sicht sei die Reise aber "völlig unproblematisch" gewesen, sagt Kreye. In Mali habe die Gruppe dann "so eine Herzlichkeit, eine Lebendigkeit und Temperament" erlebt. Die Einheimischen hätten sich ständig um sie gekümmert, nie sei Langeweile aufgekommen. Die Bremer erlebten Afrika auch von seiner ursprünglichen Seite: In dem Dorf Komanfara mitten im Busch, in dem "Armut pur" (Kreye) herrscht, wohnten sie einige Tage in Gastfamilien, ohne Strom und fließend Wasser.

"Wir sind da als Partner hingefahren", sagt Kreye. Beim Sponsorenlauf der GSM waren im Juni rund 24 000 Euro zusammen gekommen. Von dem Geld sei in Komanfara eine Grundschule mit drei Klassenräumen gebaut worden, und für das Mobiliar habe das Geld auch noch gereicht. "Dort waren wir die Helden", sagt der Lehrer. Die Dorfbevölkerung hatte zu Ehren der Bremer die Schule festlich eingeweiht. Höhepunkt der Reise war - "zumindest für die Jungs", da ist sich der Lehrer sicher - eine Pinassenfahrt auf dem Niger. Wegen eines Motorschadens und weil das Boot auf eine Sandbank auflief, dauerte die Fahrt anstelle von acht ganze 18 Stunden, doch habe niemand darüber geklagt. Zahlreiche Fotos und Videoclips sind während der Reise entstanden, die jetzt gezeigt werden sollen. Für dieses Jahr wollen die Schüler ihre malischen Freunde nach Bremen zum Gegenbesuch einladen.

Mali-Abend am Mittwoch, 18. Januar, 19 Uhr, in der Mensa der Gesamtschule Mitte, Hemelinger Straße 11.





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