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Steintor. Ana Santos aus dem Steintor und Inga Meyerdierks aus der Südervorstadt planen eine Reise nach Portugal. Die beiden Freundinnen wollen Ende März nicht gemeinsam Urlaub machen, sie wollen einen Dokumentarfilm drehen. "Die Leute aus Manteigas. Über Vergangenheit und Zukunft einer Tradition" soll eine längst vergessene Handwerkstradition zeigen, die Herstellung des Wollstoffes Burel.
Manteigas ist ein kleines, in der höchsten Bergregion des Festlandes gelegenes Dorf mit etwa 4000 Einwohnern im Nordosten Portugals. Burel ist ein traditioneller Wollstoff, der nur in dieser Region hergestellt wird. Beinahe wäre die Burel-Herstellung für immer beendet gewesen, hätte sich nicht vor fünf Jahren eine Initiative gegründet, die sich für diesen Wollstoff einsetzt und typisch traditionelles Handwerk wiederbelebt.
Burel gibt es seit 1000 Jahren
Schon vor 1000 Jahren wurde Burel in Manteigas gefertigt. "Das ist der einzige Ort in Portugal, wo es richtig kalt wird", sagt Ana Santos. Der Stoff schützte die Hirten vor Kälte und Nässe. Als die Industrie in den 50er Jahren begann Imitate zu fertigen wurde Burel ein aussterbendes Produkt. Eine Initiative wollte dieses aussterbende Handwerk wiederbeleben. Bis vor fünf Jahren wurde Burel ausschließlich für Gebrauchsgegenstände verwendet. Mittlerweile wird er in vielen verschiedenen Farben produziert und für unterschiedlichste Designprodukte verwendet.
Die Kommunikationsdesignerin und gebürtige Portugiesin Ana Santos startete vergangenen Oktober ihre Designplattform www.paz-dalma.de, über die sie ausschließlich portugiesische Produkte vertreibt. Auch Designer, die Burel verwenden, sind bei paz-dalma vertreten. Inga Meyerdierks interessierte sich sehr für die Website ihrer Freundin. Sie hatte die Idee eine Film zu machen, der auch Teil ihres Master-Studienmoduls im Studiengang Medienkultur an der Universität Bremen sein soll. Für Ana Santos ist der Film eine Möglichkeit, den besonderen Wert des von ihr präsentierten Produktes zu zeigen.
Die erste Idee - einen Film über alle auf der Designplattform vertretenen Designer zu machen - fand Ana Santos zu aufwändig. Sie schlug vor, sich auf ein Projekt zu beschränken. Die Wahl fiel auf die Initiative "Saberes e fazeres da Vila", die die alten handwerklichen Fertigkeiten der Region um Manteigas vorm Aussterben bewahren will. "Das ist das stärkste Sozialprojekt", begründet die Initiatorin die Auswahl.
Inga Meyerdierks studiert aktuell in der norwegischen Hauptstadt Oslo und gibt per Videoübertragung via Skype ein Interview. "Ich würde gerne mit der Gruppe an die Orte fahren", sagt sie. Fünf Tage wollen Ana Santos und Inga Meyerdierks in Manteigas drehen und die vielfältigen Eindrücke einfangen. Einen genauen Plan gibt es noch nicht. Nicht mehr als zehn Minuten soll der Film lang werden. Aber Inga Meyerdierks möchte offen an das Projekt herangehen, so könnten es vielleicht auch 15 Minuten werden. "Letztendlich glaube ich entscheidet der Ort auch ganz viel für sich selbst", sagt die Filmerin.
Für die Finanzierung ihres Projektes haben die zwei Bremerinnen sich für das so genannte Crowdfunding entschieden. Auf der Crowdfunding-Plattform mySherpas stellen sie ihr Projekt vor. Das Prinzip: Eine Menge (crowd) sponsert ein Projekt. Jeder, dem das Vorhaben gefällt, kann die Filmemacherinnen mit einem Geldbetrag unterstützen und erhält dafür ein Dankeschön-Paket.
Einige Beiträge haben Inga Meyerdierks und Ana Santos schon bekommen, hauptsächlich von Freunden, Bekannten und der Familie. "Überraschend hohe Beiträge, womit ich nicht gerechnet habe", sagt Inga Meyerdierks. Etwa die Hälfte ihrer Kosten haben die zwei bereits so finanziert. Bis zum 4. Februar sammeln sie auf mySherpas noch für ihr Projekt und hoffen auf einige kurzentschlossene Unterstützerinnen und Unterstützer vor Ablauf der Frist.
Der Film soll nicht in einer Schublade verschwinden. Ana Santos und Inga Meyerdierks sind mit verschiedenen Institutionen im Gespräch. Auf jeden Fall soll der fertige Film auf Ana Santos paz-delma-Homepage zu sehen sein.
Weitere Informationen über das Filmprojekt "Die Leute aus Manteigas" gibt es im Internet auf www.mysherpas.com (unter den Rubriken de/projekt/Die-Leute-aus-Manteigas), aber auch auf www.paz-dalma.de.



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