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Von Liane Janz
Östliche Vorstadt. Der mögliche Abriss der Professor-Hess-Kinderklinik war umstritten im jüngsten Forum zum neuen Hulsberg-Viertel in der Friedensgemeinde. Die Architekten Jost Westphal vom Büro Westphal und Martin Pampus vom Büro Schulze Pampus gaben ihre Einschätzungen ab. Sie hatten die Gebäude unter anderem hinsichtlich Brandschutz, Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Sanierungsaufwand und architektonischen Besonderheiten begutachtet und ordnen sie in die Kategorien "Erhalten", "Abriss" und "Kritisch" ein.
In letztere Kategorie fallen die Professor-Hess-Klinik an der Bismarckstraße, Ecke Friedrich-Karl-Straße, und die Kapelle, die momentan unter anderem von der Krankenhausseelsorge und für Gottesdienste genutzt wird. Die Professor-Hess-Klinik liegt einigen Forumsteilnehmern am Herzen - notfalls könne ein Parkhaus daraus werden, wenn nur die Fassade erhalten bliebe. "Sie können da keine Wand herausnehmen. Jede Wand ist eine tragende", erwiderte Westphal. Deshalb könne aus den Krankenzimmern rechts und links eines langen Flures auch keine Wohnungen gemacht werden. Allerdings gebe es mit dem Postamt 5 ein Beispiel, wie eine neue Nutzung möglich wäre.
Ähnlich sieht es mit der Kapelle aus. Die Krankenhausseelsorge wird in das neue Klinikum integriert. Dann stünde die Kapelle leer. Eine andere als kirchliche Nutzung würde einige Schwierigkeiten bereiten, meinen die Architekten. Die Kapelle müsste aufwendig saniert und umgebaut werden. Jemand aus dem Publikum wollte wissen, ob das Gotteshaus denn im neuen Quartier nicht als Kirche genutzt werden könne. "Die Kapelle gehört der Stadt", betonte später auch der Pastor der Friedensgemeinde, Bernd Klingbeil-Jahr.
Deutlich kompromissloser verlief die Debatte über andere Häuser auf dem Gelände. Die Frauenklinik, das ehemalige Schwesternhaus, die Kinderchirurgie, einige Isolierhäuser, der Bunker an der Friedrich-Karl-Straße, die Pharmakologie, die HNO-Klinik und die Radiologie stehen auf der Abrissliste der Architekten. Sie seien entweder so heruntergekommen, dass Sanierung und Umbau zu aufwändig wären, oder aber ein Umbau sei unmöglich, weil jede Wand trage, wie in der Frauenklinik.
Große Zukunftschancen hätten nach Meinung der Architekten unter anderem das Wöchnerinnenheim, die Kinderklinik an der Friedrich-Karl-Straße, die alte Dermatologie, die alte Hals-Nasen-Ohren-Klinik und die Urologie an der St.-Jürgen-Straße sowie der dortige Bunker, das kleine, weiße Personalratsgebäude etwa im Zentrum des Geländes, das ehemalige Scharlachhaus und die Pathologie. Ob das Hochhaus, das die Klinik derzeit als Bettenhaus nutzt, als Wohnhaus - möglicherweise mit günstigen Wohnungen - genutzt werden kann, prüft nach Auskunft von Martin Pampus und Ortsamtsleiter Robert Bücking gerade ein anderes Architektenbüro.
Kindergarten im Isolierhaus?
Auch ein einstöckiges ehemaliges Isolierhaus der Kinderklinik finden die Architekten erhaltenswert. Dort könnte beispielsweise ein in vergangenen Foren geforderter Kindergarten untergebracht werden. Auch bei den Gebäuden, die die Architekten als erhaltenswert eingestuft haben, müssen künftige Investoren einiges Geld in die Hand nehmen. Viele hinken in Sanierungsfragen hinterher, haben zum Beispiel heruntergekommene Dächer oder entsprechen längst nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen für energieeffizientes Bauen.
Sobald klar ist, welche Gebäude bleiben und wo neue gebaut werden, müssten sich die Planer auch Gedanken über die Versorgung des Quartiers machen. Die Ingenieure Gerhard Kopiske und Olav Krengel beschrieben Möglichkeiten, unter anderem Solarenergie: Sollten alle Neubauten mit einem Flachdach versehen werden, entstünde eine Fläche von bis zu 20000 Quadratmetern, auf der Solarpaneele angebracht werden könnten. Die lieferten bis zu 3000 Kilowatt, womit rund 250 Haushalte versorgt werden könnten.
Robert Bücking ging noch einmal auf den Wunsch ein, Bremer mit Migrationshintergrund am Planungsprozess und den Foren zu beteiligen. "Wir sind dann auch tätig geworden und haben uns mit dem Rat für Integration zusammengesetzt", erzählte der Ortsamtsleiter. In Gesprächen mit türkischen Gemüsehändlern "kam heraus, dass sie gar keine Zeit haben, zu den Foren zu kommen". Man wolle aber in Kontakt bleiben und sie über die Planungen informieren.



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