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Östliche Vorstadt. Als Zwölfjähriger, sagt Martin Rooney, habe er ein Fußballspiel verfolgt, das einen der Spieler fast das Leben gekostet hätte. Der aus Bremen stammende Torhüter Bert Trautmann verletzte sich schwer an der Halswirbelsäule, blieb trotzdem noch eine Viertelstunde im Tor und sicherte seinem Team Manchester City den Pokal. Der gebürtige Brite Rooney will am Montag, 13. Februar, um 18 Uhr im Ostkurvensaal des Weserstadions unter anderem zwei neuere Biografien vorstellen.
"Von der Bremer Hitlerjugend zur Manchester Torhüter-Legende: Bert Trautmann" ist der Titel des Abends, zu dem die Heinrich-Böll-Stiftung, der SV Werder Bremen und dessen Fanclub gemeinsam einladen. Bernd Carl (Bert) Trautmann ist in Gröpelingen geboren. Er war zehn Jahre alt, als Hitler an die Macht kam, und noch keine Achtzehn, als er aus freien Stücken in den Krieg zog. "Er wurde in der Hitlerjugend indoktriniert, meldete sich Anfang 1941 freiwillig als Funker zur Luftwaffe, wurde später als Fallschirmjäger ausgebildet", schreibt Rooney über Trautmann.
Der autoritär erzogene, wenig selbstbewusste Bremer, der eben noch für Tura Fußball gespielt hatte, kam an die Ostfront, wo er laut Rooney "einer Massenerschießung von Juden durch eine SS-Einsatzgruppe zufällig beiwohnte". Gegen Ende des Krieges wurde Trautmann in Frankreich von britischen Soldaten gefangen genommen und nach England gebracht. Die Behörden stuften ihn zwar als "Nazi" ein, aber nach eigener Darstellung wurde Trautmann, der in einem Bombenräumkommando eingesetzt war, sehr gut behandelt. "Wir haben das gleiche Essen bekommen wie die Dorfbewohner, denen es auch nicht gut ging", sagte er 2010. "Am Feind wurde nicht gespart. Das hat mich beeindruckt."
Über den Amateurclub St. Helens Town kam der Ausnahmefußballer Ende der 40er-Jahre zum Erstligisten Manchester City, obwohl Zehntausende dagegen protestiert hatten. Rabbi Alexander Altmann ermahnte die Demonstranten öffentlich, Trautmann selbst war noch nicht in der Stadt. Bei seinen ersten Spielen aber fühlte er sich beobachtet "wie ein Affe im Zoo", und wenn er im Tor stand, reckten immer wieder Zuschauer den Arm zum Hitlergruß. Wenige Jahre später war der Berufssportler eine Viertelmillion Mark (25 000 damalige Pfund) an Ablöse wert. Das Trikot der deutschen Nationalmannschaft durfte er trotz seiner Erfolge nie tragen. Trainer Sepp Herberger habe prinzipiell keine Legionäre in seine Mannschaft aufgenommen, schrieb "Zeit"-Online in einem Trautmann-Porträt.
"Unter den besten Torhütern aller Zeiten dürfte er der Einzige sein, der nie für seine Nationalmannschaft gespielt hat", meint der Brite Rooney, der 1948 zur Welt gekommen ist und der sich auch an das Abschiedsmatch Trautmanns am 15. April 1964 an der Maine Road erinnert. Da war der Torhüter längst ein Idol. Nach dem Spiel wurden die Torpfosten ausgetauscht, weil kein anderer zwischen ihnen stehen sollte.
Bert Trautmanns Popularität war schon vor seiner lebensgefährlichen Verletzung enorm gestiegen. Am 4. April 1956 berichtete der Weser-Kurier, Englands Fußballjournalisten hätten ihre Wahl getroffen. "Der deutsche Torwart von Manchester City ist ,Fußballer des Jahres'." Als 81-Jähriger wurde Trautmann 2004 für seine Verdienste um die britisch-deutschen Beziehungen zum "Officer of the British Empire" ernannt. In England gilt er als einer der besten Torhüter aller Zeiten. Deutsche Medien schätzen ihn als uneitlen Gesprächspartner.
Er sei nicht einer von den Alten, die sagen, dass alles viel besser gewesen sei, als er noch spielte, sagte er 2008 in einem Online-Interview der "Welt" und beklagte zugleich, dass es inzwischen so viele "Alibi-Fußballer" gebe. Auch das Verhältnis der Spieler zu den Zuschauern sei früher anders gewesen. "Der Fußball hat sich von den Menschen entfernt. Es ist etwas verloren gegangen: Kultur, Werte. Aus dem Arbeitersport ist etwas Vornehmes geworden. Für Robinhos Wochenlohn bei meinem ehemaligen Klub Manchester City hätte ich hundert Jahre spielen müssen."
Auf seinen Genickbruch angesprochen, erwiderte der 87-Jährige im Interview mit Spiegel-Online, er habe sich oft darüber geärgert, "dass ich für die meisten nur der Mann bin, der sich in einem Spiel das Genick gebrochen hat". Er habe 15 Jahre Fußball gespielt "und alles, woran man sich erinnert, ist diese Verletzung?" Und er verriet dem Interviewer, was er von falscher Heldenverehrung hält: "Hätte ich in diesem Spiel gewusst, wie schwer meine Verletzung wirklich ist, wäre ich sofort rausgegangen. Ich wollte doch weiterleben."
Martin Rooney, "Von der Bremer Hitlerjugend zur Manchester Torhüter-Legende: Bert Trautmann", Montag, 13. Februar, 18 Uhr, im Ostkurvensaal des Weserstadions.



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