Rundgang durch Egestorff- Hauptgebäude fördert auch Persönliches zutage

 - 19.12.2011

Klinkerbau mit Geschichte(n)

Von Olga Gala
Rund 100 Jahre alt ist das Hauptgebäude der Egestorff-Stiftung, Fenster und sogar die Abflussrinnen schmücken Verzierungen im Jugendstil. 1912 wurde das Haus aus Klinkerstein nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt. Das alles erfahren die Gäste beim Rundgang mit der Image AG Osterholz.

Tenever. Johann Heinrich Egestorff hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Stadt Bremen sein Landgut vermacht, unter der Bedingung, einen Ruhesitz für alte Menschen zu schaffen und den Park des Gutes im Grundsatz unverändert zu erhalten. Mit viel Enthusiasmus erzählt Horst Massmann von der Image-AG Osterholz die Geschichte der Egestorff-Stiftung. Der 69-Jährige führt mehr als 20 Besucher durch das Hauptgebäude mit hauseigener Kirche. Seit drei Jahren bietet die Image-AG Führungen durch Osterholz an - mit dem Ziel, den Menschen ihren eigenen Stadtteil näher zu bringen.

Der 68-jährige Jürgen Liedke kennt zwar "sein Osterholz" und auch den Park sehr gut, der die Egestorff-Stiftung umgibt. Aber Gelegenheit, das Hauptgebäude ausgiebig von innen zu betrachten, hatte er bislang noch nicht. "Meist bin ich ja nur draußen, und nun wollte ich mir mal die Innenräume anschauen", sagt Liedke. Und die gefallen ihm gut. Besonders die Wappen der Familien, die in früheren Jahrhunderten das Armenhaus unterstützt haben, schaut sich der Rentner genau an.

Das Alten- und Pflegeheim hat eine lange Vorgeschichte - die Bewohner, die 1912 in die neuen Räume in Osterholz einzogen, waren früher in der Großenstraße, in der Nähe der Stephanikirche untergebracht. Bereits seit dem 17. Jahrhundert kümmerte sich dort die kirchliche Stiftung Altenheim (ehemals Armenhaus) um Bedürftige. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde diese dann mit der neu gegründeten Egestorff-Stiftung zusammengelegt. Die Gebäude aus Klinkerstein entstanden. Klara Stelter hat zu diesen eine ganz besondere Verbindung. Vor fast 57 Jahren trat sie in der Kirche der Egestorff-Stiftung vor den Traualtar: "Damals hatten wir ja nicht so viel. Deshalb waren das Kleid und der Schleier geliehen", erzählt sie. Viel verändert hat sich seit ihrer Heirat nicht in der ersten Osterholzer Kirche - die gleichen Holzschnitzereien und auch die Treppenstufen von damals sind noch da. "Genau hier standen wir und haben unser Hochzeitsbild gemacht", erinnert sich Stelter. Seitdem wohnt die gebürtige

Mahndorferin in Osterholz.

"Erinnerungen aufgefrischt"

Das Gelände der Egestorff-Stiftung kennt Stelter allerdings nicht nur von ihrer Hochzeitsfeier gut, ihr Mann betrieb früher Gemüseanbau und belieferte das Heim. Und auch heute noch kommt die 80-Jährige häufig zu Konzerten oder Festen, in den Rosengarten, den Innenhof des klosterartigen Baus. Obwohl ihr alles vertraut ist, gefällt Klara Stelter die Führung: "Die ganze Geschichte wird so ein bisschen aufgefrischt."

Erika Jahns ist das Gebäude nicht so vertraut: "Auch als Osterholzer kommt man nicht so häufig hierher. Und obwohl wir hier schon seit 44 Jahren wohnen, habe ich etwas Neues erfahren. Über die Gründungsgeschichte zum Beispiel."

Während des Krieges wurden die Gebäude als Lazarett genutzt, unter der Kirche lag der Luftschutzkeller. Ein niedriger Raum , der mit Stahlträgern zusätzlich stabilisiert werden sollte und heute Holzwerkstatt ist. Ab 1945 versorgten die Alliierten in dem Bau am Stiftungsweg 2 die ehemaligen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen der Nationalsozialisten. "Rund 2000 Menschen waren zu der Zeit hier. Alles stand voller Betten, auch hier im Festsaal", erzählt Massmann und weist in den weiträumigen Saal mit den hohen Fenstern, durch die der Rosengarten zu sehen ist.





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