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Von ULRIKE TROUE
Schwachhausen. Als Chance, etwas Sinnvolles zu machen, beschreibt Maximilian Seier sein Engagement in der neu gegründeten Regionalgruppe Bremen der gemeinnützigen Hilfsorganisation "Ingenieure ohne Grenzen". Der Horner spricht aus, was auch die drei anderen Gründungsmitglieder des noch jungen Vereins dazu bewogen hat, ihre Fachkompetenzen aus technischen Berufen zu bündeln und diese unentgeldlich in Hilfsprojekte in Entwicklungsländern einbringen zu wollen.
"Ich wollte schon immer etwas in dem Bereich Entwicklungshilfe machen", erklärt Ralf Hiller. Der Diplom-Ingenieur aus Schwachhausen ist im Internet auf die Organisation "Ingenieure ohne Grenzen" gestoßen. Er hat dann über die Berliner Geschäftsstelle im vergangenen Frühjahr Kontakt zu Gleichgesinnten aus Bremen aufgenommen.
Im Juni haben sich der Ingenieur Ralf Hiller, die beiden Studenten des Masterstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen an der Bremer Universität, Maximilian Seier und sein Freund Max Rehberger, sowie Roland Larek, Doktorand an der Bremer Universität, zum ersten Mal getroffen. Weitere Fachkräfte aus technischen Berufen sind dazugestoßen. "Mittlerweile sind wir rund zehn Leute bei unseren Treffen", berichtet Ralf Hiller, den die ansonsten gleichberechtigten Gruppenmitglieder zu ihrem Sprecher bestimmt haben. Zurzeit bestimmt noch Aufbauarbeit die Aktivitäten der Bremer. Wertvolle Hilfestellung bekommen sie laut Hiller von der Berliner Geschäftsstelle und dem in Marburg sitzenden Vereinsvorstand von "Ingenieure ohne Grenzen". Der Geschäftsführer und der Vereinsvorsitzende waren bereits in der Hansestadt zu Gast, um die Bremer Aktivposten bei der Schaffung von internen Vereinsstrukturen zu beraten.
"Zu unseren ersten Aufgaben gehört auch, neue Mitglieder zu werben", sagt Ralf Hiller. Denn die Entwicklung und Erstellung von Infomaterial und die geplante Präsenz bei Fachveranstaltungen der Uni oder auf Messen bedeuten viel Aufwand.
Reisen nach Afrika
"Wir sind offen für jeden Interessierten", ergänzt Roland Larek. "Auch wenn sie nicht vom Fach sind. " Er verfügt bereits über Erfahrungen mit Entwicklungshilfe.
Sein Vater hatte früher für die auch im Auftrag der deutschen Bundesregierung tätige Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Afrika gearbeitet und sich 1990 eine eigene Entwicklungshilfe-Organisation aufgebaut. Außerdem hat der aus Cappeln bei Cloppenburg stammende Doktorand selbst unter anderem Simbabwe, Malawi oder auch Mosambik bereist.
Durch eine Bekannte, die für ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika Brunnen gebaut hat, ist Max Rehberger auf den Gedanken gekommen, sich bei "Ingenieure ohne Grenzen" zu engagieren. "Ich hatte ein bisschen eine falsche Vorstellung", gibt der Student des Masterstudiengangs Wirtschaftsingenieur an der Universität Bremen offen zu. "Ich dachte, da kann ich schnell nach Afrika reisen und dort an Projekten mitarbeiten." Inzwischen hat der junge Mann aus der östlichen Vorstadt erfahren, dass Entwicklungshilfe aufwändiger Vorbereitung bedarf. "Ich habe schon sehr viel über Entwicklungsarbeit erfahren und lerne viel dazu, auch fachlich", stellt Max Rehberger für sich fest.
Dem kann Kommilitone Maximilian Seier nur beipflichten. Auch der Horner ist auf der Suche nach einer Aufgabe, "die man sonst nicht so findet und die einen fordert", auf "Ingenieure ohne Grenzen" gestoßen und arbeitet nun in der Regionalgruppe Bremen mit.
"Wir schauen nun, was wir für fachliche Kompetenzen haben", blickt Ralf Hiller in die Zukunft. Da kristallisieren sich zurzeit zwei Bereiche heraus: Wasserwirtschaft sowie Maschinenbau und Fertigungstechnik. "Dann sehen wir, ob ein Hilfsprojekt in Frage kommt, welches wir umsetzen können."
Wenn die Regionalgruppe Bremen am Ende dieses Jahres ein konkretes Projekt gefunden hätte, wäre sein persönliches Ziel erfüllt, bekennt Hiller. Dann könnte man in eine zweite Phase einsteigen: Zwei Gruppenmitglieder auf Erkundungsreise schicken, die vor Ort Kontakte herstellen, um danach mit der Berliner Geschäftsführung und Kompetenzgruppen zu Spezialbereichen wie Wasser oder Energie ein Konzept für die Umsetzung und Finanzierung des konkreten Vorhabens zu erarbeiten.
Ein gravierender Aspekt in dem Zusammenhang ist für Roland Larek die Nachhaltigkeit der Hilfsprojekte, sprich die neue Chance auf eine eigene Entwicklung für die Betroffenen. "Ingenieure ohne Grenzen" bemühe sich, den Menschen praktikable technische Lösungen anzubieten, "die die Leute vor Ort selbst verstehen, nutzen und reparieren können", betont der Doktorand. Dabei würden Techniken wie Biogas, Solaranlagen oder Windenergie immer den Vorrang bekommen.
Die Regionalgruppe würde sicherlich auch Projektvorschläge von Bremern aufgreifen, wenn welche eingehen, ermutigt der in Schwachhausen arbeitende Diplom-Ingenieur Ralf Hiller zur Kontaktaufnahme. Ansonsten kann sie auf Vorschläge für Hilfsprojekte aus der Berliner Geschäftsstelle von "Ingenieure ohne Grenzen" zurückgreifen, die an Regionalgruppen weitergeleitet werden.
In dem Zusammenhang weist Roland Larek darauf hin, dass die Mitglieder von "Ingenieure ohne Grenzen" alle Tätigkeiten ehrenamtlich verrichten und die Sachmittel für die ausgewählten Entwicklungshilfeprojekte durch die Mitgliedsbeiträge und Spendengelder aufgebracht werden müssten. "Wir sind deshalb auch für jede Fördermitgliedschaft dankbar." An projektbezogenen Kooperationen mit Firmen hätte die Bremer Regionalgruppe "Ingenieure ohne Grenzen" ebenfalls ein Interesse.
Die neue Regionalgruppe Bremen "Ingenieure ohne Grenzen" trifft sich an jedem zweiten Dienstag im Monat. Nähere Informationen dazu stehen im Internet unter der Adresse www.ingenieure-ohne-grenzen.org/de/Regionalgruppe Bremen. Außerdem können Interessierte per E-Mail an
hiller@hbi-hb.de Kontakt aufnehmen.


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