Mittendrin im Stadtteil: Schwachhauser Rüdiger Tönnies leitet ehrenamtlich den Landesverband des Roten Kreuzes

 - 02.02.2012

Vom Amtsgericht an die Spitze des DRK

Von Andreas Becker
Als Präsident prägte er 16 Jahre lang das Amtsgericht Bremen, doch auch als Ruheständler ist Rüdiger Tönnies in verantwortlicher Position aktiv. Seit 2009 leitet der 68-jährige Schwachhauser den DRK-Landesverband Bremen und setzt sich in diesem Ehrenamt engagiert für die Interessen des Deutschen Roten Kreuzes ein.

Schwachhausen. Immer mehr Vereine haben Probleme, ihre Vorstandsposten zu besetzen - das DRK nicht. "Das funktioniert ganz gut, aber nur mit gezielter Ansprache. Solche Aufgaben werden nur auf Empfehlung weitergegeben", sagt Rüdiger Tönnies, der 2009 zum Präsidenten des rund 13000 Mitglieder umfassenden DRK-Landesverbandes gewählt wurde.

Auf Einladung des damaligen Landesvorsitzenden war Tönnies auch zu seiner ersten ehrenamtlichen Funktion im DRK gekommen. Als Justiziar beriet er den Landesverband ab 1999 in Rechtsfragen. "Verträge beurteilen und neue Satzungen auf rechtliche Fallstricke abklopfen, das vor allem waren damals die Aufgaben", sagt der Schwachhauser. Als jetziger Präsident setzt er sich vor allem auf überregionaler Ebene für die Interessen des Bremer DRK ein. "Da geht es etwa um gesetzliche Änderungen, die den Rettungsdienst betreffen. Es geht aber auch um Aufgaben des Katastrophenschutzes, um die Organisation von Notfallübungen und andere organisatorische Dinge", erzählt der 68-Jährige. Um junge Leute für das DRK zu begeistern, habe sich der Verband immer wieder modernisiert und sei inzwischen sogar im sozialen Netzwerk Facebook vertreten.

In Bremen lebt Tönnies seit 1969. Er wuchs in Bad Zwischenahn auf und studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften, unter anderem in Münster. Für sein Referendariat kam er nach Bremen. Zunächst arbeitete er in der Senatskanzlei und beim Senator für Bundesangelegenheiten. "Als ich mit dem Studium fertig war, galt Jura als Basis für viele Berufe. Das waren goldene Zeiten damals, es gab viele Chancen, auch im öffentlichen Bereich", sagt er. Kurzzeitig habe er auch erwogen, eine Karriere in der freien Wirtschaft anzustreben. "Ich wollte aber gerne in Bremen bleiben und hatte dann gute Angebote von der öffentlichen Hand." Nach einer kurzen Station bei Radio Bremen kam Tönnies zur Justiz und wurde Richter am Amtsgericht und später am Landgericht. "Hauptsächlich hatte ich es mit Zivilprozessen zu tun", berichtet er. Am Amtsgericht wurde er zum Vizepräsidenten berufen. Das war er vier Jahre, dann wurde er Gerichtspräsident. In dieser Position befasste er sich schwerpunktmäßig mit

Insolvenzen. Das bekannteste Verfahren, das über seinen Schreibtisch ging, war die Vulkan-Pleite.

In den 20 Jahren unter seiner Leitung, sagt er, habe sich das Amtsgericht enorm verändert. 1987 schaffte er als Vize-Präsident das erste Faxgerät an - gegen Widerstände. "Es gab keinen einzigen Computer. Heute ist das Amtsgericht komplett vernetzt und war bei der EDV-Einführung bundesweit ganz vorn mit dabei", sagt er.

Neben seinem ehrenamtlichen Engagement für das DRK hat Rüdiger Tönnies Balkan-Länder und ehemalige GUS-Staaten in Sachen Gerichtsorganisation beraten. Seine Arbeit beim Roten Kreuz nimmt ihn bis zu eineinhalb Tage pro Woche in Beschlag. "Wir haben sehr gute Leute im Vorstand", lobt er. Das ehrenamtliche Leitungsteam wird bei seiner Arbeit von einer hauptamtlichen Landesgeschäftsstellenleiterin unterstützt.

Erneute Kandidatur noch offen

Tönnies ist noch für weitere zweieinhalb Jahre als Präsident der Landesverbandes gewählt. Ob er danach für eine weitere Amtsperiode kandidieren wird, hat er noch nicht entschieden. "Das kommt natürlich auch auf die Gesundheit an und darauf, ob der Landesverband mit meiner Arbeit zufrieden ist", erklärt der 68-Jährige. In seiner Freizeit ist Rüdiger Tönnies sportlich unterwegs und läuft zweimal wöchentlich im Bürgerpark acht Kilometer. Das Klavier im Wohnzimmer wird allerdings nicht vom Hausherrn gespielt. "Ich bin leider zu unmusikalisch und dazu nicht in der Lage", sagt er. Während seiner aktiven Zeit habe ihn der Beruf zudem zu stark in Anspruch genommen, um sich ein zeitaufwendiges Hobby zuzulegen. "Wie es jetzt ist, bin ich eigentlich gut ausgelastet", sagt er.





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