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'Nein, ich habe keine Angst, noch nie gehabt im Leben', sagt Vagner und schaut dabei sehr überzeugend. Natürlich sei sie traurig, dass sie das Fährhaus verlassen muss. Schließlich wohnt sie hier und leitet seit fünf Jahren mit sehr viel Leidenschaft das Restaurant. 'Als ich hierher kam, war das richtig runtergewirtschaftet', erinnert sich die 50-jährige Seehauserin.
Die vielen Pächterwechsel hätten dem Restaurant stark zugesetzt und seien nicht gerade gut für den Ruf gewesen. 'Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um das hier wieder in Schwung zu kriegen.' Deswegen sei es natürlich sehr schade, dass sie den Standort wechseln muss. Immerhin ist ihr neues Zuhause nicht weit weg. Einen Steinwurf vielleicht. Von ihrer Terrasse jedenfalls kann Dorle Vagner den 'Weser Utkiek' sehen.
Seehausen gehört zwar zur Stadt Bremen. Aber die Seehauser sind ein eigenes Völkchen. Gerade einmal 1200 Menschen leben hier. Jeder kennt jeden. Genau wie jedes richtige Dorf hat auch Seehausen einen Treffpunkt. Einen, wo man sich trifft, miteinander schnackt. Einen Ort, von dem man weiß, dass immer jemand da ist und es nie langweilig wird.
Genau so ein Platz war das Fährhaus Wessels. 'Ich war hier immer schwimmen', erzählt die Gastronomin Vagner und zeigt auf ein altes Foto, auf dem das Fährhaus zu sehen ist. 'Hier war der Sandstrand. Da drüben die Gaststätte. Die war immer voller Sand.' Während die gebürtige Seehauserin so erzählt, strahlt sie über das ganze Gesicht. 'Wir sind da immer mit unseren Sandfüßen reingelaufen und haben Tante Ada nach Eis gefragt.'
Fährbetrieb vor 35 Jahren eingestellt
'Tante Ada', das war die ehemalige Besitzerin des Fährhauses. Sie hat mit ihrem Mann Hermann Wessels jahrelang das Restaurant in dem über 60 Jahre alten Haus geführt. Gebaut wurde das Haus von Hermanns Eltern - Gesine und Arndt. Sie haben die Gäste nicht nur mit Eis, Bier und Schnitzel versorgt. Viel wichtiger war der Fährbetrieb. Mehrmals täglich legte Wessels mit seinem Schiff ab und schipperte ans andere Weserufer, an die Stelle, wo heute das Stahlwerk steht. Seit nun 35 Jahren pendeln keine Schiffe mehr.
Auf Dorle Vagner wartet ab Ende Oktober eine Menge Arbeit. 'Wir haben sieben Tage für unseren Umzug', erläutert sie ihren straffen Zeitplan. Gerade sei der Eigentümer des 'Weser Utkiek' dabei, dass frühere Restaurant und Hotel auf Vordermann zu bringen. 'Wenn da alles renoviert ist, kommen wir mit Sack und Pack.' Natürlich sei ein bisschen Wehmut dabei. 'Das Fährhaus hat ja eine große Tradition.' Außerdem sei das Geschäft in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. 'Angst vor dem Neuen habe ich nicht', stellt Vagner klar. Sie habe schon fast 30 Jahre Erfahrung in der Gastronomie. 'Dann schaffe ich auch diesen Umzug.'
Besonders auf die neuen Chancen freut sich die Gastwirtin. Vagner bekommt im 'Weser Utkiek' nämlich nicht nur ein wesentlich größeres Restaurant, sondern gleich noch ein Hotel dazu. 'Das sind schon tolle Chancen', schwärmt sie. 'Ich kann so viel mehr anbieten. Hochzeiten und Kohlfahrten.' Da nehme sie auch die höheren Pachtkosten in Kauf. 'Das rechnet sich alles', ist Vagner optimistisch.
Wie es nach ihrem Umzug an der Weser mit dem Fährhaus weitergeht, ist noch nicht sicher. Wahrscheinlich ist ein Abriss des Hauses. Da der Deich in Seehausen erneuert wird und das traditionsreiche Gebäude direkt am Wasser steht, scheint dies am sinnvollsten. 'Das Haus ist quasi immer vom Hochwasser bedroht', sagt Rainer Suckau vom Deichverband am linken Weserufer. Das sieht Dorle Vagner ähnlich und zeigt Bilder, auf denen das Wasser über die Spundwand getreten und bis in ihr Lokal geschwappt ist. Das sei in den vergangenen Jahren schon das ein oder andere Mal passiert. Deswegen sei ein Umzug auf lange Sicht wohl das Beste.
Ob das Haus tatsächlich abgerissen wird, steht aber noch nicht fest. Der Deichverband und der Eigentümer des Fährhauses verhandeln noch über die Zukunft des Hauses und über mögliche Ausgleichszahlungen. Zum aktuellen Stand der Verhandlungen will Suckau nichts sagen. Nur so viel: 'Ein Abriss ist nicht unbedingt notwendig.' Aber die Lage direkt am Wasser mache es doch sehr schwierig, es dauerhaft vor Überschwemmungen zu schützen.
Dorle Vagner hat sich mit dem Umzug längst arrangiert. Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe. Das wird schnell klar, wenn sie über ihren Umzug spricht. Sie packe eben lieber an, als zu lamentieren. Und außerdem habe sie schon die ersten Buchungen für ihr neues Restaurant: 'Gleich am ersten Wochenende habe ich zwei Hochzeitsgesellschaften.'
Das Fährhaus Wessels schließt am 31. Oktober. Am 6. November um 11 Uhr eröffnet dann der 'Weser Utkiek' an der Hasenbürener Landstraße 83. Weitere Informationen unter Telefon 8728581.


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