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Zu Jahresanfang sind es noch die Ganderkeseer gewesen, die laut Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas "kalt erwischt" wurden und sich ärgerten. Ursprung des Unmuts: ein Schreiben des Bundesverkehrsministeriums, das die Planung einer Westumfahrung Delmenhorsts anordnet. Im Fall ihrer Realisierung führte diese Achse über das Gebiet Ganderkesees - und nicht einen Meter durch Strom, nämlich von der geplanten B212neu nördlich Delmenhorsts zur A28 (siehe Grafik).
Zur Begründung der Westumfahrung verweist das Ministerium in Berlin auf die sogenannte Verkehrswirtschaftliche Untersuchung. Die Ergebnisse zeigten, dass sich durch den Bau der B212n von Berne (Kreis Wesermarsch) zur A281 in Strom "erhebliche verkehrliche Probleme in Delmenhorst ergeben." Die Westumfahrung werde außerdem als Zulaufstrecke für den künftigen A281-Wesertunnel dienen. "Das Land Bremen erhält einen Abdruck dieses Schreibens", endet das Schreiben an das niedersächsische Verkehrsministerium und an dessen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg.
Um die Westumfahrung zu verhindern, mobilisiert die 31000 Einwohner zählende Gemeinde Ganderkesee die in der Region verwurzelten Bundes- und Landtagsabgeordneten, spricht in Ministerien vor und für die besagte Entlastungsstrecke. Der Delmenhorster Oberbürgermeister Patrick de la Lanne wiederum favorisiert offenbar eine dritte Alternative, die die Umfahrungen durch einen B212neu-Verlauf weiter nördlich erübrigen soll.
Gute Miene zum bösen Spiel
Und wo steht Bremen? "Wir wollen die Westumfahrung, aber ich werde den Teufel tun und mich festlegen", so Michael Ortmanns, Sprecher von Bau- und Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne). Es sei der "falsche Zeitpunkt, Türen zuzuschlagen." Immerhin gebe es außer Bremen noch weitere Verfahrensbeteiligte. Die Position sei "relativ klar": Die Prüfung möglicher Trassen könne weder Niedersachsen noch dem Bund verwehrt werden. Über alles andere wolle er nicht spekulieren, sagt Ortmanns weiter. Der Flächennutzungsplaner Thomas Lecke-Lopatta, ebenfalls aus Loskes Haus, meint im Zusammenhang mit etwaigen Streckenprüfungen, die Behörde mache dann "gute Miene zum bösen Spiel." Die Debatte sei kurios.
Schreck und Sorge
Dass Delmenhorst durch den Bau von B212n und A281 eine stärkere Belastung erfährt, bezweifelt Lecke-Lopatta nicht. Es sei mit einer Verdoppelung der Verkehre zu rechnen, unter anderem durch die nach Bremen fahrenden Pendler. Bundesstraße, Autobahn und Wesertunnel erzeugten einen Sog. Der Lösungsvorschlag aus Ganderkesee jedoch "löst bei uns Erschrecken aus." Der Senator wolle den A281-Ring schließen, nicht kreuz und quer Straßen anbinden. Bei der Ostumfahrung wäre dies gegeben, sie verliefe vom A281-Anschluss Strom in Richtung Süden, träfe auf Höhe Am Stellfeldsweg auf die Stromer Landstraße und führte zur B75 westlich von Huchting. "Eine Geschichte, die mir Sorgen bereitet", sagte Lecke-Lopatta auf der jüngsten Beiratssitzung in Strom und mit Blick auf diesen Plan.
Während Ortsamtsleiter Fred Mester davon sprach, die Variante Ostumfahrung verursache Bauchschmerzen, drückte sich der Beirat drastischer aus. Das Kommunalparlament solle per Beschluss feststellen, dass es eine "Unverschämtheit" sei, sich in Stromer Belange einzumischen, forderte Christel Engelbart (SPD). Ruge-Hemmelskamp kündigte "Proteste - bis der Arzt kommt" an, sollte die Debatte mehr Gehalt erlangen. "Wenn die Diskussion kommt, ist der Bart ab!", zürnte die sichtlich erregte Beiratssprecherin. Lecke-Lopattas Zusage, "wir sind auf ihrer Seite", konnte nicht besänftigen. Als der Referent seine Vermutung äußerte, dass in den nächsten Monaten verschiedene Trassen diskutiert werden, schüttelte Silke Ruge-Hemmelskamp fassungslos den Kopf.
Einstimmig stimmte der Beirat Strom gegen die Ostumfahrung. Die Ausformulierung des Textes soll in nicht-öffentlicher Sitzung erfolgen und in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.
Den Vorschlag aus dem niedersächsischen Umland könnte aber nicht nur die Politik ausbremsen, sondern auch bremisches Bau- und europäisches Umweltrecht: Die Ostvariante verläuft durch das Baugebiet am Stellfeldsweg und durch Schutzgebiete in Strom. Beides stehe der Trasse entgegen, so Lecke-Lopatta.


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