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Vahr. Die Musikpädagogin Taline Friese aus Leer in Ostfriesland will durch das Medium Musik therapeutisch den Symptomen, Störungen und Krankheiten auf den Grund gehen. "Aber auch Menschen, denen nichts fehlt, sind in meinem Kursus 'Klingen, um in sich zu wohnen' willkommen," sagt die 60-jährige Musikpädagogin, die gerade nach Bremen übersiedelt. Auf einer Eröffnungsveranstaltung im Familien- und Quartierszentrum Neue Vahr Nord stellte Friese die Kursinhalte vor.
Das Prinzip lautet: Eine Stunde lang kann jeder mit Musik etwas für sich tun. Der Kursus besteht aus einem aktiven Teil für die musikalische Kommunikation. Dafür stehen Klangschalen, Gong, Trommel, Rasseln, Kastagnetten, Tamburin Xylophon und andere Instrumente bereit. Im sogenannten rezeptiven Kursteil werden die Klänge bewusst wahrgenommen. Musiktherapeutische Elemente, Klangmeditationen, Atemtechniken sowie Stimm- und Bewegungsspiel sollen für Ausgleich und Wohlbefinden sorgen. "Das abwechselnde Singen, Summen, Bewegen und das Spielen der Instrumente kann Körperwahrnehmung, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein positiv beeinflussen," verdeutlicht Taline Friese, die klangtherapeutisch in der Onkologischen Praxis Leer gearbeitet hat.
Als Kirchenmusikerin gearbeitet
Nach einem Studium der Kirchenmusik und Musikwissenschaften in Hannover und Bremen arbeitete Friese als Kirchenmusikerin, für Theaterworkshops und als Chorleiterin. "In der Gemeinde um die Ecke hatte ich vor vielen Jahren eine Stelle und habe Orgel gespielt. So kommt man manchmal wieder an den Anfang zurück," erzählt die Musikpädagogin aus ihrem Leben. Seit 2002 arbeitet sie unter dem Schwerpunkt "Mensch und Musik".
Zum Auftakt fragt Taline Friese die Teilnehmer, aus welchen Gründen sie hergekommen seien. Das spiele eine große Rolle, denn der Inhalt des Kurses richte sich an den Bedürfnissen des Einzelnen aus und könne in jeder Stunde individuell gestaltet werden - mal mit mehr Aktion, wenn beispielsweise jemand hereinkommt und erst mal an der Trommel Aggressionen abladen möchte, oder mal mit mehr Ruhe, wenn das gewünscht sei. "Jeder kann das mitnehmen oder dalassen, was er oder sie möchte," betont Taline Friese.
Die 60-jährige Teilnehmerin Ingrid Herzog erklärt: "Ich bin grundsätzlich an Musik interessiert. Seit neuestem bin ich in Rente und kann mich endlich mit Dingen beschäftigen, die mir etwas geben. Ich will Instrumente ausprobieren und mich wohlfühlen. Schon immer wollte ich das Trommeln lernen."
Irmgard Feldmann kann mit ihrem Rollstuhl an allen Kursübungen problemlos teilnehmen. "Ich habe kaum musikalische Erfahrung, aber ich singe in der Neustadt im St. Jacobi Gospelchor. Mich interessiert vor allem die Wirkung der Klänge auf den Körper." Und Angela Weghorst aus Horn-Lehe erzählt, dass sie Musik in der Schule immer gehasst habe. Vor geraumer Zeit habe sie sich aber ein Set Klangschalen gekauft, könne es aber noch nicht benutzen. Sie möchte die Anwendung lernen, um auch zu Hause Klang- und Entspannungsübungen fortzuführen. So geht es auch dem Herrn aus der Vahr, der etwas später in die Runde kommt: "Ich habe auch eine Klangschale, die nur in der Ecke steht. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich eine Reha hinter mir. Dort konnte ich die wunderbare Erfahrung einer musiktherapeutischen Klangmassage machen. Seither versuche ich weiter mit Musik etwas für mich zu tun. Ich möchte gern den Gong schlagen, den sie mitgebracht haben," sagt der Mittfünfziger.
Musikalische Reise nach Afrika
In Kooperation mit der Advertus ambulant GmbH&Co KG sei das Kursangebot zustande gekommen, berichtet die Sozialpädagogin Halina Zwiener, die seit Mai 2011 für diesen Träger des Familien- und Quartierszentrums Neue Vahr Nord arbeitet. "Ich koordiniere Senioren- und Familiendienste von einfacher Haushaltshilfe bis zur 24-Stundenbetreuung," sagt die 51-jährige aus der Neustadt. Aber auch solche Projekte werden unterstützt, um das Angebot im Zentrum zu bereichern, berichtet Halina Zwiener. Am Ende der Eröffnungsveranstaltung lassen ruhige Musikklänge von einer CD die Teilnehmer nach Afrika reisen. Als sanfte Klaviermusik erklingt, empfiehlt die Musikpädagogin Taline Friese: "Sie können gern die Augen schließen und sich vorstellen, dass Sie schweben. Oder stellen sie sich Badeschaum vor, der sie wohlig umhüllt."
Einige der Übungen brauchen etwas Zeit, andere funktionieren ganz schnell. Bei dem gemeinsamen Summen, bei dem jeder auf den eigen Ton und den der anderen achten soll, bemerkt Irmgard Feldmann etwas: "Gerade hatte ich das Gefühl, dass mein Blutdruck gefallen ist und ich mich entspanne. Das fühlt sich gut an."
Der Kursus "Klingen, um in sich zu Wohnen. Musik stärkt Leib und Seele" mit Taline Friese beginnt am Mittwoch, 11. Januar, von 17 bis 18 Uhr im Familien- und Quartierszentrum, August-Bebel-Allee 284. Die Teilnahmegebühr beträgt acht Euro, ermäßigt fünf Euro pro Stunde.


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