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Neue Vahr Nord. "Ich gründe eine Bürgerinitiative", war Johann Würdemanns erster Gedanke. Jetzt wendet er sich zunächst mit seinem Problem an die Gewoba: Der Anwohner aus der Philipp-Scheidemann-Straße empfindet die Strecke zum nächstgelegenen Briefkasten als Zumutung. Er habe bereits mit vielen alten Leuten gesprochen, denen es ähnlich ginge. Alle hätten das gleiche Problem in seinem Viertel: "Es gibt einfach zu wenig Briefkästen", klagt der 77-Jährige.
Seit acht Jahren wohnt er in der Philipp-Scheidemann-Straße. Jedes Mal, wenn er einen Brief einwerfen will, muss er sich zur rund einen Kilometer entfernten Einwurfstelle an der Kopernikus-Apotheke in der August-Bebel-Allee aufmachen. Zwei Stationen fährt er dafür mit dem Bus. Laufen kann der betagte Mann nicht mehr dorthin. Der 77-Jährige hat zwei Krebsoperationen hinter sich, leidet an Parkinson und bewältigt seinen Alltag mit Hilfe seiner Frau. Jeder längere Gang ist für ihn beschwerlich. "Die Muskeln werden weniger", beschreibt er den Verlauf der unheilbaren Krankheit. In Zukunft sei die Strecke für ihn immer schlechter zu schaffen, prognostiziert er.
Würdemann suchte Hilfe bei der Gewoba. Dort riet man ihm, die Briefkastendichte auf der nächsten Beiratssitzung am 21. Februar zum Thema zu machen. "Grundsätzlich begrüßen wir die Anregung, hier mehr Briefkästen zu installieren", sagt Lars Gomolka, Geschäftsbereichsleiter Vahr bei der Gewoba. Immerhin seien 30 Prozent der Bürger und Bürgerinnen in der Vahr älter als 60 Jahre und oft nicht so mobil wie jüngere Leute, erklärt Gomolka. Die Gewoba würde sich jedoch nicht an die Post wenden. Den Anstoß müssten die Bewohner über den Beirat geben.
Auf Nachfrage des Stadtteil-Kuriers erklärt Pressesprecherin Maike Wintjen von der Deutschen Post: "Die Zahl der Briefkästen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren sogar gestiegen." 130000 Einwurfstellen seien es derzeit. Dichte und Wahl der Standorte seien weder auf Willkür zurückzuführen, noch spielten Kosten eine Rolle. Ein von der Bundesregierung erlassenes Gesetz, die so genannte Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV), regelt, dass Kunden in zusammenhängend bebauten Wohngebieten in der Regel nicht mehr als 1000 Meter zurückzulegen haben, um zu einem Briefkasten zu gelangen. "Und wir haben sogar ein Mehr an Briefkästen als wir eigentlich haben müssten", bekräftigt Wintjen.
Bei der Überprüfung der geeigneten Standorte richte sich die Post danach, wo das Leben stattfinde, führt sie aus. "Das Alter oder die Bevölkerungsstruktur können wir dabei nicht prüfen", erklärt die Pressesprecherin. Zudem sei die Post nicht befugt, irgendwo einen neuen Kasten hinzustellen. "Dafür müssen wir erst die Genehmigung der Stadt haben", beschreibt Wintjen den Weg.
Zu Johann Würdemanns Problem sagt die Post-Pressesprecherin: "Wir ignorieren das nicht." Sie bestärkt ihn sogar darin, den Weg über die Öffentlichkeit zu suchen. Natürlich wolle die Deutsche Post nicht mit Anfragen bombardiert werden, doch bei der Wahl der Briefkästen-Standorte würden durchaus Kundenbegehren berücksichtigt. "Wer nichts versucht, der hat verloren", sagt Maike Wintjen. Eine Garantie auf Erfolg könne sie aber nicht geben.


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