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Westend. Die neue Schulleitung allerdings hat ein Interesse am Ganztagsbetrieb ausdrücklich verneint. Denn die im Sommer 2010 gestartete verstärkte Kooperation mit dem Kinder- und Familienzentrum Haferkamp an der Ellmersstraße hat sich dort bewährt: Dessen 1955 gegründeter Hort war damals eigens in die Grundschule umgezogen, um die Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen noch enger miteinander verzahnen zu können.
"Wir haben innerhalb der eineinhalb Jahre, die unsere Schulkinderbetreuung an der Schule existiert, einen konzeptionellen Weg beschritten, der in hohem Maß die Qualitätsstandards von Kita Bremen erfüllt. An kaum einem Standort findet sich eine derart fruchtbare Kooperation auf ?Augenhöhe' mit Schule", sind Zentrumsleitung Anne Kluwe-Krasel und ihre Stellvertreterin, Hortleiterin Birgit Hahne, überzeugt.
Sie unterstreichen insbesondere die sozialen Kriterien, nach denen die Betreuung in der Einrichtung stattfinde: "Alle berufstätigen Eltern, die ihren Bedarf angemeldet hatten, haben auch einen Platz bekommen. Wir hatten zwar eine lange Warteliste, aber wir haben es immer hingekriegt", sagt Anne Kluwe-Krasel. Funktioniert habe dies zum Beispiel auch über den Schülertreff, in dem sich mehrere Mädchen und Jungen einen Betreuungsplatz teilen konnten.
Würde die Schule an der Melanchthonstraße zur Ganztagsschule, so befürchtet Anne Kluwe-Krasel neben einer Verkürzung der Betreuungszeiten für die Kinder auch eine inhaltliche Verschlechterung: "Im Hort gibt es neben der Hausufgabenhilfe auch AGs, die durch die Wünsche der Kinder interessengeleitet sind; etwa Kunst-Angebote oder Exkursionen. Das entfällt alles, weil der Betreuungsschlüssel gar nicht da ist", gibt die Zentrumsleiterin zu bedenken.
Auch in punkto Inklusion sieht die Zentrumsleiterin mit der Umstellung auf Ganztagsschulbetrieb ein Problem: "Im Hort werden die Kinder nachmittags mit entsprechendem Personal gefördert - das passiert in der Ganztagsschule nicht", schildert Anne Kluwe-Krasel. Und während der Hort auch in den Ferien geöffnet sei, müssten in der Ganztagsschule zukünftig über Fremdanbieter Betreuungsstunden eingekauft werden.
Ein hochrangiges Angebot
"Es ist ein hochrangiges Angebot, das wir den Eltern machen, die es für ihre Kinder wünschen, denn das bedeutet ?offenes Angebot'", hält dem Bildungsressort-Sprecherin Karla Götz entgegen. An fünf Tagen pro Woche werde es neben dem Mittagessen Betreuung bis 16 Uhr geben und an vier Tagen wöchentlich Lehrerstunden, in denen spielerisch Unterrichtsinhalte verfestigt oder auch zusätzlicher Lernstoff geboten werde.
Auch gebe es zusätzliche Betreuungsangebote - etwa Sprachunterricht. Wer eine Betreuung über die Kernzeit von 8 bis 16 Uhr hinaus wünsche, der müsse dafür dann bezahlen. Aber: Die Behörde will die Bedarfe ermitteln und prüfen, ob einzelne Standorte entsprechend ausgestattet würden.
"Es gibt im Moment keine aktuelle Liste", stellt Karla Götz klar - und unterstreicht außerdem: "Die Schulen werden keinesfalls dazu gezwungen, Ganztagsschulbetrieb aufzunehmen. So ein Angebot kann man nicht ?von oben' überstülpen - das Kollegium muss es auch mitmachen wollen und dahinter stehen."
Der Schule stehe es aber selbstverständlich frei, zu einem späteren Zeitpunkt in den Ganztagsbetrieb zu gehen, führt Götz weiter aus. Kinder, Eltern und Beschäftigte im Hort des Kinder- und Familienzentrums Haferkamp wollen sich jetzt für den Hort-Erhalt stark machen und haben auch schon Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) und Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) eingeladen.
Ob die 40 Kita-Haferkamp-Hortplätze und 20 Plätze im "Schülertreff" tatsächlich zum Sommer ersatzlos gestrichen werden, entscheidet sich in den nächsten zwei Wochen: Am kommenden Montag wird jedenfalls die Vorlage für die Deputationssitzung am 19. Januar erarbeitet.


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