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"Moin, moin, Vorsicht Stufe!" Zehn Männer in Fischerhemden weisen den Gästen den Weg durch das Treppenhaus des DLRG-Gebäudes. Einer davon, der "Luv und Lee"-Anleiter Wolfgang Meyer gibt zur Begrüßung in einem Seminarraum eine kleine Kostprobe, wie dort in Zukunft die Schulklassen und Kindertagesstättengruppen empfangen werden. "So, und nun mal schnell das Fischerhemd anziehen, gleich kommen die Ausbilder und dann werdet ihr in den nächsten zwei Stunden ganz viel über das Leben auf See und im Hafen früher und heute erfahren!" Danach folgt eine Führung durch die Kinder-Seefahrtschule, bei der die Gäste die drei Etagen besichtigen, die die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) für das Projekt "Luv und Lee" von dem Verein "bras. arbeiten für Bremen" zur Verfügung gestellt hat.
In der ersten Etage befinden sich Seminarräume, in denen die Kinder theoretisches Wissen vermittelt bekommen. Im zweiten Geschoss ist das sogenannte Schlafdeck mit 39 kajütenartigen Schlafplätzen. "Schulklassen können hier gerne einen Klassenausflug mit Übernachtung buchen", sagt Wolfgang Meyer. "Für den 23. September sind schon Kinder aus einem Hort in Rablinghausen angemeldet. Wir freuen uns und hoffen, dass noch viele weitere hinzukommen!" Im dritten Geschoss sind neun Lern- und Spielstationen aufgebaut. Auf den Türschildern steht "An Bord", "Navigation", "Kombüse" oder "Kogge". Dort lernen die Kinder beispielsweise im bespielbaren Containerhafen die Grundlagen der Hafenlogistik und Seewirtschaft. Oder sie erfahren etwas über das mittelalterliche Hafenleben an der Bremer Schlachte.
"Liebevoll gestaltet"
"Die Räume sind liebevoll mit viel Holz im maritimen Stil gestaltet worden", erzählt der 42-jährige Rene Rautenstrauch, der seit 1990 in Burgdamm wohnt. Ein Jahr lang hat er in einer Waller Tischlerei den Boden mit angefertigt, der teilweise hier verlegt wurde. Inzwischen hat er sich mit einem Handwerkerservice selbstständig gemacht. "Die Idee finde ich so gut, ich mag das Konzept! Da wird für die Arbeitslosen und für die Kinder etwas getan", urteilt Rene Rautenstrauch, der deswegen auch unbedingt bei der Eröffnung dabei sein wollte. Im letzten Zimmer, dem Herzstück des DLRG-Gebäudes, dem Ehrenversammlungsraum, hält der Präsident der DLRG Bremen, Bernt Schulte, eine kurze Begrüßungsrede: "Ich freue mich ganz tüchtig, dass es nun endlich losgehen kann. Damit, dass die bras, nach dem inzwischen erfolgreich laufenden Geschichtenhaus im Schnoor und anderen Projekten, nun hier im Hohentorshafen die Seefahrtschule ansiedelt, wird der Stadtteil aufgewertet", sagt Bernt
Schulte. Nebenbei führe das junge Leute auch an die Wasserrettung.
"Wir bringen hier mehreres zusammen", schildert der Geschäftsleitungsassistent der bras, Jürgen Stanek. "Die Seefahrtschule ist ein interessantes außerschulisches Bildungsangebot für Kinder aus benachteiligten Quartieren. Es ist aber auch ein Neubeginn für Langzeitarbeitslose", sagt Jürgen Stanek, der in St. Magnus lebt und in der bras-Zentrale in der Stadtmitte arbeitet. "Der Arbeitsmarkt ist ständigen Schwankungen unterlegen. Wir hoffen natürlich, dass unser guter Dialog mit dem Senat uns mehr langfristige Aufträge von Jobcentern verschafft. Für unsere Planungssicherheit und um unserem sozialen Auftrag weiter gerecht zu werden. Sonst sehen wir stürmischen Zeiten entgegen", äußert sich Jürgen Stanek besorgt. Dennoch werde ihm warm ums Herz, wenn er dieses Projekt im Kleinen sehe, das mit wenig Geld auf die Beine gestellt wurde.
Bei der Einweihungsfeier sorgte Dirk Langer alias "Nagelritz" mit von ihm vertonten Joachim-Ringelnatz-Texten für Unterhaltung. Der 41-Jährige lebt seit einigen Jahren in Walle, kommt aber ursprünglich aus Gelsenkirchen. "Die meisten echten Seeleute kommen aus dem Ruhrgebiet oder aus München. Das weiß nur keiner", sagt Dirk Langer lachend. In der Seefahrtschule lässt er die Gäste raten, welche Signale man mit der Signalflagge an Deck geben kann und verteilt Ahoi-Brause.
Der ehrenamtliche "Luv und Lee"-Mitarbeiter Dietrich Vater: "Die Kinder-Seefahrtschule hat kein Leistungs-, sondern ein Lebbarkeitsprinzip verinnerlicht. Die Kinder können in eine der vielen Erwachsenenwelten hineinschnuppern und sie selbst erfahren. Durch unseren Kooperationspartner 'ScolaNova - Bildungsinitiative für Bremer Kinder' ist sichergestellt, dass die Kleinen kindgerecht lernen können." Vielleicht werde in den Jungen und Mädchen auch etwas geweckt, was die Seefahrt brauche, sagt der 68-jährige ehemalige Lehrer und Hochschullehrer für Fachdidaktik aus Osterholz, mit dem die Kinder in Zukunft Segelschiffchen aus Walnussschalen und ähnliches bauen können. "90 Prozent des Welthandels laufen immer noch über See ab. Da sage ich nur, um mit einem lateinischen Sprichwort zu schließen: Navigare necesse est - Seefahrt tut not!"
"Luv und Lee"-Kinder-Seefahrtschule, Auf dem Dreieck 8. Lehrer und Gruppenleiter können sich unter Telefon 40896012 informieren und anmelden.


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