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Woltmershausen. Zwei Jahre lang hat Wolfgang Meyer geplant, konzipiert und vorbereitet: In der neuen Seefahrtschule "Luv un Lee" sollten Kinder spielerisch lernen, wie in Bremens Häfen gearbeitet wird. Es entstanden ein Hafenmodell, mit dem man das Verladen von Containern üben kann, Lernstationen zum Leben an der Schlachte vor 200 Jahren, Seminarräume und Schlafplätze für Schulklassen, die in der Seefahrtschule übernachten sollten.
Doch Schulklassen oder Hortgruppen haben in den Räumen von "Luv un Lee" nie genächtigt: Ehe es dazu kam, machte der außerschulische Lernort, der Anfang September in den Räumen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) nahe dem Hohentorshafen eröffnet wurde, wieder dicht. Seit Mitte November ist "Luv un Lee" geschlossen.
"Es ist eine tragische Entwicklung", sagt Wolfgang Meyer. An Nachfrage habe es nicht gemangelt: "Das Interesse war groß, die Reaktionen sehr positiv", erklärt der Anleiter: "Ich musste mehreren Schulen absagen." Träger des Lernorts war der Beschäftigungsträger "Bras - Arbeiten für Bremen", der die Schule mit Ein-Euro-Jobbern und Ehrenamtlichen betreiben wollte. Doch statt der geplanten zehn staatlich geförderten Stellen für Langzeitarbeitslose gab es letztlich nur zwei, erzählt Meyer - zu wenig, um damit den Betrieb aufrechtzuerhalten: Es fehlte an Mitarbeitern für Führungen, Reparaturen und die Betreuung der Kinder.
Zwei statt zehn Mitarbeiter
Die Seefahrtschule ist nicht das einzige Bras-Projekt, das vom Jobcenter weniger In-Jobber zugeteilt bekam: Durch Mittelkürzungen der Bundesregierung hat Bremen insgesamt 22 Millionen Euro für Ein-Euro-Jobs eingebüßt. Der Bras wurden im Sommer stadtweit 100 Jobs gestrichen.
Fehlende Mittel für Ein-Euro-Jobber nennen Wolfgang Meyer und die Bras als Hauptgrund für die Schließung. Jürgen Stanek, Assistent der Geschäftsleitung der Bras: "Wir haben keine In-Jobber zugewiesen bekommen - und für jeden Teilnehmer bekommen wir Geld." Es fehlte an der betriebswirtschaftlichen Ausstattung. Ohnehin war das Projekt mit wenig Mitteln auf die Beine gestellt worden. Wolfgang Meyer spricht von 8000 Euro, die bislang in die Schule geflossen seien - als Teil einer anonymen Großspende, von der jetzt noch 12000 Euro übrig seien. Hinzu kamen weitere Schwierigkeiten: "Für Kinderbetreuung braucht man Mitarbeiter, die ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen können - auch das hat sich nicht ganz einfach gestaltet", ergänzt Stanek.
Außerdem wären weitere Investitionen notwendig gewesen: Im September hatte sich eine Hortgruppe aus Rablinghausen zur Übernachtung angemeldet. Doch die Räume der Seefahrtschule genügten den Sicherheitsbestimmungen nicht: "Damit die Kinder bei uns übernachten können, hätten wir abschließbare Fenster gebraucht", erklärt Wolfgang Meyer. "Doch wir hatten keine Zeit und keine Mitarbeiter, um das nachzurüsten." Meyer wird die Seefahrtschule verlassen: "Dass die Bras das Projekt so schnell aufgibt, finde ich schon enttäuschend", sagt er.
Momentan liegt alles auf Eis: Nur die DLRG nutzt die Seminarräume und Schlafplätze von "Luv un Lee" für Wochenendkurse mit Teilnehmern, die nicht aus Bremen kommen. Doch gestorben ist die Idee der Seefahrtschule nicht: Die Bildungsinitiative Scola Nova, die am Aufbau einer Reformschule arbeitet, will das Projekt übernehmen. Bereits unter der Regie der Bras war Scola-Nova-Geschäftsführer Mario Stadelmann als pädagogischer Berater am Aufbau von "Luv un Lee" beteiligt. Jetzt will er als Betreiber einsteigen. "Wir sind zurzeit in Verhandlungen mit der DLRG", sagt Stadelmann. Gesprochen wird über die Konditionen, zu denen die Scola Nova den Vertrag der Bras zur Vermietung der Räume übernehmen kann.
Stadelmann hat bereits geplant, wie er das Konzept der Seefahrtschule erweitern könnte: Außer Kindern will er künftig auch Jugendliche ansprechen, zum Beispiel Berufsschüler. "Hier könnten ehemalige Kapitäne Kurse zur Navigation geben, als angewandte Mathematik für Schüler", sagt Stadelmann. "Oder Kurse in maritimem Englisch." Statt auf Ein-Euro-Jobber setzt er auf Ehrenamtliche, denen er bezahlte Kräfte zur Seite stellen will. Deren Bezahlung will er durch Eintrittsgelder und Spenden finanzieren. "Ich habe viele Kontakte in der Schifffahrts- und Logistikbranche", sagt Stadelmann. Auch etwa zehn Ehrenamtlichen hätten seien bereits fest eingeplant. Wenn Scola Nova und die DLRG sich einigen und Stadelmanns Pläne aufgehen, soll "Luv un Lee" noch vor den Sommerferien 2012 wieder eröffnet werden.


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