Knapp 20000 Menschen leben im Steintor, Ostertor und Fesenfeld. Was überrascht: Die Autodichte, die das Verhältnis von Einwohnern und zugelassenen Fahrzeugen beschreibt, ist in diesem beliebten Wohnquartier niedriger ist als in anderen Stadtteilen. Doch überall sieht es so aus wie in der Feldstraße, die parallel zur Humboldt- und Bismarckstraße verläuft: Stoßstange an Stoßstange stehen Autos, sie parken rechts und links auf der schmalen Straße. Die Fahrzeuge stehen halb auf dem Pflaster, halb auf dem Fußweg.
Für ältere Menschen mit Rollator oder für Eltern mit Kinderwagen ist wenig Platz, ein Hindernislauf. Auf engem Raum begegnen sich Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Verkehrsteilnehmer. Jeder beharrt auf seinen Interessen - wie der junge Mann, der gerade sein Auto in der Feldstraße abgestellt hat. Er sagt unverblümt: 'Ich parke meine Karre immer auf der Ecke. Wenn ich es nicht tue, dann tut`s ein anderer. Morgen früh um sieben ist mein Auto wieder verschwunden.'
Sein Wagen, ein älteres Modell, steht ab 19 Uhr mitten im Kurvenradius - ein Fall für den Abschleppdienst. Und wenn die Innenbehörde ihre Ankündigungen wahr macht, dann werden die Autos, die Rettungswege blockieren, bald verschwinden. Allein in der Feldstraße gibt es für Abschleppfirmen reichlich zu tun. Dort ist der Parkdruck gewachsen, seitdem auf dem Gelände des Klinikums Mitte nur noch gebührenpflichtiger Parkraum zur Verfügung steht.
45 neuralgische Kreuzungen
Eine Arbeitsgruppe - besetzt mit Polizei, Feuerwehr, dem Ortsamt und dem Amt für Straßen und Verkehr (ASV) - hat 45 neuralgische Kreuzungs- und Einmündungsbereiche im Ostertor, Steintor und Fesenfeld benannt, deren Kurvenradien regelmäßig zugeparkt sind, sodass Rettungsfahrzeuge - wenn überhaupt - nur mit zeitaufwendigen Rangiermanövern vorwärts kommen.
Nach Ostern sollen dort die zunächst bis zum Sommer geplanten Abschleppaktionen beginnen. Schon jetzt steige der 'Kontroll- und Verwarndruck', erklärte Dierk Schittkowsky, Abteilungsleiter im Innenressort, während der jüngsten Sitzung des Beirates Östliche Vorstadt. Begleitet werden die Abschleppaktionen durch eine Öffentlichkeitskampagne. Man will nichts unversucht lassen, die Falschparker, die aus Gedankenlosigkeit, Rücksichtslosigkeit oder Bequemlichkeit handeln, zur Vernunft zu bringen.
Wer keine Einsicht zeigt, muss mit Risiko parken. Abgeschleppt werden ist teuer: Montag bis Sonnabend in der Zeit zwischen 7 und 20 Uhr betragen die Kosten - zu zahlen an das Abschleppunternehmen - 125 Euro. Zwischen 20 und 7 Uhr werden 150 Euro fällig, an Sonn- und Feiertagen sogar 160 Euro. Hinzu kommt in jedem Fall die Verwaltungsgebühr für die ausgestellte Abschleppanordnung in Höhe von 55 Euro. Das macht unter dem Strich mindestens 180 Euro. Es darf aber auch gerne ein bisschen mehr sein. Dann nämlich, wenn das parkende Auto länger als eine Stunde den Rettungsweg blockiert. Dann kann die Polizei weitere 40 Euro Bußgeld verlangen, plus Verwaltungsgebühr in Höhe von 23,50 Euro. So kommen Falschparker auf 288,50 Euro plus Kosten für die Fahrt zum Abholplatz.
Und was sagen die Anwohner? Nimmt man die Reaktionen in der Beiratssitzung als Maßstab, dann finden die geplanten Abschleppaktionen 'großen Zuspruch', wie Dierk Schittkowsky feststellt. Er weiß aber auch, dass ein großer Teil der betroffenen Fahrzeughalter 'über uns herfallen wird'. Und Ärger werde es auch geben, weil Abschleppaktionen, die auch nachts stattfinden, Krach machen.
Wohin mit den Autos? Kann man mehr Parkflächen schaffen? Diese beiden Fragen treiben die zuständigen Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt seit Jahren um.
Keine Lösung in Sicht
'Eine große Lösung wird es nicht geben', sagt Beiratssprecher Peter Rüdel (Grüne). Eine Idee ist beispielsweise, in der Lübecker Straße im Steintor ein Parkhaus zu bauen. Doch ein Investor findet sich nicht. Und schon 1991 ist der Versuch kläglich gescheitert, einen Shuttleverkehr mit Kleinbussen von den Parkplätzen des Weserstadions ins Viertel zu etablieren. Jetzt setzt man auf die Umgestaltung des Klinikgeländes und den Bau eines Parkhauses an der Ecke Bismarckstraße/Friedrich-Karl-Straße, wo derzeit der Altbau der Kinderklinik steht. Doch das wird noch dauern.
Parkraumnot und zugestellte Rettungswege: 'Das ist kein singuläres Problem', weiß Karl-Heinz Knorr, Chef der Bremer Berufsfeuerwehr. Auch im Gröpelinger Lindenhof-Quartier, in engen Waller und Findorffer Einbahnstraßen, in der Neustadt und in der Gartenstadt Vahr gibt es ähnliche Probleme. Bewähren sich Abschleppaktionen und Öffentlichkeitsarbeit, Markierungen an den Straßenecken und Hinweisschilder auf Rettungswege, dann soll das Konzept auf andere Stadtteile übertragen werden. Dierk Schittkowsky: 'Wir fangen im Viertel an.'


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