Bauwerk muss verstärkt werden

 - 16.03.2010

Winzige Risse auf Brücke der B6

Von Elke Gundel
Bremen. Die Brücke der B6 in Höhe des Neustadtsbahnhofs bekommt Verstärkung: Bei einem Test sind im vergangenen Sommer an drei Stellen des Bauwerks Risse festgestellt worden, die sich bei starker Belastung weiter öffnen. Das sei ein Alarmsignal, sagt Silke Agatz, Referatsleiterin im Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Denn dieser Befund belege: Die Schäden sind durch die hohe Beanspruchung der Brücke entstanden - und werden unter Belastung größer.
In Höhe des Neustadtsbahnhofs sind winzige Risse in der Brücke der B6.
In Höhe des Neustadtsbahnhofs sind winzige Risse in der Brücke der B6.

Es geht laut Silke Agatz um winzige Risse; deshalb bestehe auch keine akute Gefahr. Allerdings haben solche Schäden eine Angewohnheit, die zur Kategorie 'unangenehm' gehört. Sie sind Schwachpunkte, die unter Beanspruchung dafür sorgen, dass auf Bauteile in unmittelbarer Umgebung ebenfalls zu hohe Kräfte einwirken und auch diese schneller verschleißen.

An drei Stellen ist die Brücke der B6 (Oldenburger Straße) untersucht worden - an drei sogenannten Koppelfugen. Dort stoßen je zwei Brückenfelder zusammen. Hintergrund: Das Bauwerk am Neustadtsbahnhof ist gut 360 Meter lang. Und das ist eine Strecke, auf der der Beton für den Unterbau der Fahbahn nicht in einem Stück gegossen werden kann. Also haben die Betonbauer die Länge seinerzeit in 14 Felder aufgeteilt. Im Beton dieser Abschnitte liegen Stahlseile, die unter Spannung stehen. Die Spannglieder der einzelnen Brückenfelder sind miteinander verbunden - daher der Begriff Koppelfuge, wobei diese Fugen so winzig sind, dass sie Laien gar nicht auffallen.

An allen drei untersuchten Koppelfugen seien ähnliche Risse entdeckt worden, sagt Silke Agatz. 'Das bedeutet, es besteht Handlungsbedarf.' Das Bauwerk müsse verstärkt werden. Variante 1 - eine Unterstützung für jede einzelne Koppelfuge einzubauen - sei verworfen worden. Variante 2 bedeutet nun: Die Brücke wird der Länge nach durch vier zusätzliche Spannglieder - Stahltrosse mit einem Durchmesser von knapp neun Zentimetern - stabilisiert. Grob gesagt, wird die Brücke dadurch wie von einem überdimensionierten, stabilen Gummi zusammengedrückt, sodass die Risse geschlossen werden.

Die Spannglieder sollen über die gesamten 360 Meter an der Unterseite der Brücke verlaufen. Sie werden in regelmäßigen Abständen in Halterungen fixiert und an beiden Enden des Bauwerks fest verankert. Eine Hydraulikpresse bringt die Stahlseile auf die nötige Spannung. Auf jedem Spannglied müsse ein Zug von 2970 Kilo-Newton (297 Tonnen) liegen, damit der nötige Druck auf den Betonkörper der Brücke übertragen werde, erklärt Martin Ernsing, Leiter der Abteilung Brückenbau im ASV.

Und das hält? Auf jeden Fall, sagt Ernsing. Die Methode habe sich bewährt. Auf diese Weise könne die Brücke der B6 letztlich sogar noch höhere Beanspruchungen aushalten. Diese Verstärkung halte mindestens noch 40 Jahre. Auch die Erdbeerbrücke sei auf 60 Metern durch zusätzliche Spannglieder verstärkt worden.

Nach den bisherigen Planungen sollen die Arbeiten an der Brücke in der Neustadt im September und Oktober über die Bühne gehen. Die Autofahrer werden davon nicht viel merken, denn die Fachleute arbeiten an der Unterseite des Bauwerks. Die Kosten des Projektes stehen noch nicht genau fest. Das ASV rechnet mit um die 500000 Euro. Weil es um eine Bundesstraße geht, übernimmt der Bund die Kosten.




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