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Dabei wurde deutlich, dass der Pädagoge ein ungewöhnlich nahes Verhältnis zu dem späteren Täter aufgebaut hatte, das auch eine Dienstleistung gegen eine geringe Geldsumme mit einschloss.
Die Eltern des Opfers hatten im Vorfeld des Prozesses schwere Vorwürfe erhoben. Demnach habe der Schulleiter ihre Tochter Gero S. 'regelrecht ausgeliefert'. Der Schulvorstand hatte sich daraufhin öffentlich hinter Gerd S. gestellt und ihn für 'seine besonnene und weitsichtige Handhabung der Problemlage' gelobt. Nach den Aussagen der gestrigen Zeugen dürfte dieses Bild nun einige Risse bekommen haben. Demnach hatte Heike B. bereits Ende 2008 regelrecht Angst vor dem Schüler Gero S. Ein 47-jähriger Pädagoge der Schule berichtete der Kammer, dass sich die Frau des öfteren nicht mehr aus dem Lehrerzimmer getraut habe, da der Oberstufenschüler ihr überall auflauerte. 'Ich habe sie deswegen häufiger beim Verlassen der Schule begleitet', so Guido F. Eine andere Lehrerin der Schule beschrieb Gero S. als 'tickende Zeitbombe'. Ihre Befürchtungen habe sie dem Schulleiter bereits im Februar 2008 schriftlich mitgeteilt und den Schüler als Gefahr für sich selbst, für Heike B. bezeichnet. Eine Antwort habe sie darauf nicht erhalten.
Im krassen Gegensatz dazu steht die Einschätzung des Schulleiters, der gestern in Begleitung seines Rechtsanwalts in den Zeugenstand trat. Auf die Frage, ob er für Heike Block jemals ein Gefahr gesehen habe, muss der Schulleiter keine Sekunde überlegen. 'Nein', lautete die Antwort. Allerdings habe er nach dem Amoklauf in Winnenden in Gero S. eine Gefährdung für die Lehrerschaft insgesamt gesehen. Hintergrund war eine schriftliche Arbeit des Schülers, in dem er seine tiefe Abneigung gegen Lehrer zu Tage trat sowie seine jahrelange, extreme Verhaltensauffälligkeit. Deswegen habe er, Gerd S., den Schüler auch gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen wollen. Das Amtsgericht hatte dies jedoch abgelehnt.
Bereits im Januar 2008 hatte es auf Initiative der später mit 22 Messerstichen ermordeten Heike B. eine Hausdurchsuchung bei Gero S. gegeben. Zu dem Zeitpunkt galt der Schüler als stark Suizid gefährdet. Die Beamten beschlagnahmten eine Art selbstgebastelten Sprengstoffgürtel und Schwarzpulver. Den Gürtel habe er sich selbst um den Hals legen wollen, erklärte er den Polizisten auf Nachfrage. Für den Lehrer und Zeugen Guido F. ist es ein Unding, dass 'so ein Schüler' anschließend noch auf 1500 Schüler und Lehrer losgelassen werde, wie er gestern betonte. Zudem seien die Lehrer nicht über das Ergebnis der Hausdurchsuchung informiert worden. Nachdem er von Heike B. erfahren habe, wie sehr sie sich von dem Schüler bedroht fühlte, habe er eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Schulleiter schreiben wollen. Doch aus Angst, ihre anstehende Verbeamtung könne gefährdet sein, habe die Kollegein ihn gebeten, es noch nicht zu tun. Erst nach ihrem Tod schickte er die Beschwerde an die Landesschulbehörde in Lüneburg ab.
Gut eine Stunde lang berichtete der Schulleiter dem Gericht von seinen Bemühungen um den schwierigen Schüler. Heike B. kommt dabei nur am Rande vor. Im Focus stehen die Nöte des jungen Mannes. Ein Einzelgänger sei er gewesen, unzugänglich, aber intelligent. Jemand, der ohne Liebe aufgewachsen sei, nie Freunde gehabt und nie Gefühlsregungen gezeigt habe. Ein Schüler, der seine Mutter als verwesenden Menschen gezeichnet habe. Gerd S. berichtete von Dutzenden Gesprächen mit 'Gero', von Bemühungen ihn an der Schule zu halten, ihm das Abitur zu ermöglichen. Doch dazu musste Gero S. benotet werden. Heike B. jedoch wollte ihn nicht mehr unterrichten. In einem persönlichen Protokoll hält sie fest, dass der Schulleiter wollte, dass sie Gero S. einzeln statt im Kurs betreue. Zu dem Zeitpunkt füllte sich die Lehrerin schon massiv von Gero S. bedrängt.
Das Protokoll wurde gestern in Auszügen verlesen. Darin heißt es weiter: 'Meine Einwände gegen die Einzelbetreuung werden nicht ernst genommen.' Das Protokoll der Getöteten wog schwer. Doch der Schulleiter blieb dabei: 'Es war eine gemeinsame Entscheidung, ihn einzeln zu betreuen.' Und er beharrt darauf: 'Es war kein Einzelunterricht.' Richter Helmut Kellermann fährt ihm dazwischen: 'Ob man das Einzelunterricht oder Einzelbetreuung nennt, ist relativ egal. Das wollen wir mal festhalten.'
Erstaunt erfahren die Zuhörer später, dass der Schulleiter Gero S. sogar einen kleinen Job verschaffte. 'Er war in großer Geldnot. Da habe ich meine Frau angerufen und sie gebeten, den Holzstoß vorm Haus umzustoßen. Gero S. sollte ihn wieder aufbrichten. Dafür hat er 20 Euro und ein Glas Wasser bekommen.'
Schließlich richtet der Vater des Opfers das Wort an den Zeugen:. 'Es ehrt sie, was sie alles für diesen Schüler getan haben. Aber was haben Sie zum Schutz meiner Tochter getan?' Diese habe den Schulleiter mehrfach angesprochen und ihn immer wieder über ihre Ängste informiert. So habe sie ihrem Vorgesetzten auch eine sechsseitige Mail von Gero S. zum Lesen gegeben. Der Schulleiter widerspricht. Diese Mail habe er nie gesehen. Und wieder zitiert der Vater aus dem Protokoll seiner toten Tochter: '11. September 2008. Er (der Schulleiter) hat die Mail gelesen und gibt sie mir vor Zeugen im Lehrerzimmer zurück.'
Der Prozess wird am 18. August fortgesetzt.



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