Musik: Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, genauer: die Arie der Königin der Nacht mit dem Titel 'Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen'. Auf die Musik geschnitten die Bilder: Gesichter von Frauen, die ihren sexuellen Höhepunkt genießen. Und dazu die Werbebotschaft: 'Das neue Stimulationsgel für mehr lustvolle Höhepunkte. Von Frauen entwickelt, um Frauen glücklich zu machen.'
Noch während des Werder-Spiels gegen Köln hat die Bürgerschaftsabgeordnete Karin Garling (SPD) die Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe per SMS informiert. Und dort waren noch mehr Beschwerden eingegangen: 'Ich hatte schon am Sonntag mehrere Anrufe auf meinem Anrufbeantworter', sagte Hauffe auf Nachfrage. Eine Anruferin habe es unmöglich gefunden, 'dass ich mich in diesem Umfeld aufklären lassen muss, wie ich besseren Sex habe'. Andere seien entrüstet gewesen, dass diese sexuell aufgeladenen Bilder Kindern und Jugendlichen aufgedrängt wurden.
Um ihrem Ärger Luft zu machen, schrieb Karin Garling die Werder-Geschäftsführung noch am Sonntag an. 'Ich war völlig entgeistert, als deutlich wurde, dass es sich um Werbung für ein Gel für Frauen handelte, mit dem Versprechen, dadurch besseren Sex zu erziehen. Meine Herren von der Geschäftsführung, das kann nicht Ihr Ernst sein.' Als Kinder- und Jugendpolitische Sprecherin fühlte sie sich auch ihrem politischen Amt in der Verantwortung einzuschreiten, sagte die Abgeordnete.
Dem Verein schreib sie: 'Es kann nicht sein, dass den Kindern und jungen Frauen und Männern, die gerade dabei sind, eine eigene sexuelle Identität zu entwickeln, über ihren Lieblingsverein vermittelt wird, man brauche für besseren Sex ein Gel.' Fußball ist längst nicht mehr nur Männersache. 'Ein Drittel aller Stadion-Besucher ist weiblich', so Garlings Beobachtungen. Und gerade an den Nachmittagen kämen auch noch besonders junge Kinder ins Stadion.
Auch Ulrike Hauffe hat sich unmittelbar an Werder gewandt, die Frauen hätten die Werbung als 'sexistisch' empfunden und fanden sie 'entwertend'. Die Frauenbeauftragte warf dem Verein 'mangelnde Sensibilität' vor und bat um Klärung.
Am Dienstagabend kam dann von Werder-Sprecher Tino Polster die Rückmeldung: 'Wir haben uns das jetzt genauer angesehen und fanden den Werbespot in der Tat deplatziert, das müssen wir zugeben.' Die Entscheidung sei besonders mit Rücksicht auf Kinder und Jugendliche unter den Stadion-Besuchern gefallen. 'Den Spot hätte man nicht zeigen dürfen.'
Er sei zuvor aber auf mehreren privaten Fernsehkanälen gelaufen, ohne Beanstandung, versicherte Polster. Deshalb habe der zuständige Mitarbeiter entschieden, dass es damit auch auf der Stadion-Videowand keine rechtlichen Probleme gebe. Es sei gestern aber nicht zu klären gewesen, zu welcher Uhrzeit die TV-Sender ihn ausgestrahlt hätten. Hintergrund: Im Fernsehen gilt im Grundsatz die Regel: Je später der Abend, desto mehr werden sexuelle Inhalte toleriert.
Karin Garling zeigte sich gestern Abend erleichtert über die Reaktion des Vereins. 'Da fällt mir ein Stein vom Herzen. Etwas anderes hätte ich von dem Verein eigentlich auch nicht erwartet.' Werder müsse nun aber dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholen könne.


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