Andere Gäste nutzten kostenlos Bus und Bahn oder beteiligten sich gemeinsam mit rund 5000 anderen Radlern an der Hochstraßentour des Fahrradclubs ADFC. Vereinzelt gab es aber auch böse und kritische Kommentare von Autofahrern und Politikern.
Für Gerlinde und Peter Herkströter begann der Tag mit einem besonderen Auftakt: Gemeinsam mit Bekannten, waren die beiden Senioren aus Pusdorf zum Atlantic Grand Hotel am Bredenplatz geradelt, um dort im Freien am Pressehaus-Frühstück unserer Zeitung teilzunehmen. Sascha Früchtner vom Atlantic Grand Hotel zeigte sich selbst überrascht, wie schnell im Vorverkauf die Karten für das Frühstücksbuffet an der ansonsten viel befahrenen Martinistraße weg waren. Gestern früh gaben statt Motorengeräusche die Klänge des Kaffeehaus-Orchesters und die Glocken von St. Martini den Ton zum Frühstücksgedeck an.
Um 9 Uhr war noch nicht abzusehen, wie viele Menschen es in die Stadt ziehen würde. Die Sicherheitsleute von Elko an den Absperrungen mussten offenbar nur vereinzelt mit Autofahrern diskutieren. Gleichwohl behandelten sie ihre Erfahrungen an dem noch jungen autofreien Sonntag mit dem motorisierten Teil der Gesellschaft wie ein Staatsgeheimnis: „Kein Kommentar“, lautete die knappe Antwort auf die Bitte nach einer Einschätzung.
Radelnde Handwerker
Gegen 11 Uhr versammelten sich nach Schätzungen der Polizei bis zu 5000 Radfahrerinnen und Radfahrer auf der Kreuzung Altenwall / Tiefer, um an der Hochstraßentour teilzunehmen. Die Organisatoren hatte eine Strecke über den „schwindelerregenden Spaghetti-Knoten“, die B6-Weserbrücken sowie die A 281-Pylonbrücke in der Airport-City versprochen. Der ADFC rechnete später aus, dass eine gleiche Anzahl von Menschen in Autos auf der 15 Kilometer langen Strecke rund 20 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid und andere Schadstoffe in die Luft gepustet hätten.
Als der große Pulk sich endlich auf den Weg gemacht hatte, blieb die Hauptbühne an der Tiefer zunächst verwaist zurück. Tapfer besang die Gruppe „Blindfische“ aus Oldenburg mit ihren witzigen Texten die dünn besetzte Kreuzung. Wer kleinere Kinder im Schlepptau hatte, blieb meist bei den Sängern hängen, andere zog es entlang der vielen Stände bis zum Herdentor. So auch Ingo Reiners. Der 43-jährige ist Vermessungstechnischer Angestellter und eine Rarität. Mit gut 40 Jahren entdeckte er das Einradfahren für sich – eigentlich die Domäne von acht-bis 14-jährigen mutigen Mädchen. Inzwischen sind Stürze nur noch selten, behauptete er.
Entlang der Wallanlagen boten kleine Spezialfirmen Spezialräder an. Mal mit Elektromotor, meist ohne, aber oft nach Maß. Gleich daneben warben die Umweltorganisationen für ihre Ziele und in der Nähe gelegene Kurorte für sanften Tourismus sowie um neue Kunden.
Eine besondere Geschäftsidee präsentierte „der radelnde Installateur“ aus dem Fesenfeld, der mit seinen Kollegen bei Heizungsproblemen oder Schwierigkeiten mit Sanitäranlagen auf dem Dienstfahrrad samt großer Werkzeugkiste vorbeikommt.
Es gehe darum „klimaschonende Mobilität live in der City zu erleben“, hatte Umweltsenator Reinhard Loske im Vorfeld als eines der Ziele des autofreien Sonntags ausgegeben. Dazu passte gut, dass die Projektleitstelle der Modellregion Elektromobilität Bremen / Oldenburg fünf Elektrofahrzeuge Am Herdentor präsentierte. Bis 2020, so eines der Ziele der Bundesregierung, sollen bis zu einer Million dieser Fahrzeuge auf deutschen Straßen fahren.
Am Bahnhof präsentierte sich der öffentliche Nahverkehr mit zahlreichen Informations-Ständen, Diskussionsrunden, Live-Musik und einer Fahrzeugschau der BSAG.
Weniger überlaufen war die Martinistraße, in der BMX- und Skateboardfahrer ihr Können auf einer Rampe vorführten. Publikum fanden auch die Mitglieder von Parkours, einem Sport, der städtische Hindernisse wie Mauern, Bänke oder Zäune als Sportgeräte umdefiniert.
Umweltpolitiker Magnus Buhlert (FDP) fand gestern kritische Worte zum autofreien Sonntag. Bereits aktuell würden ein Viertel aller Wege in Bremen per Rad erledigt. Um die Bedeutung ökologischen Verhaltens im Bewusstsein zu verankern, brauche es kein teures Volksfest. Anders sieht dies der ADAC: Da der Anteil des Radverkehrs laut Klimaschutzprogramm um mindestens 20 Prozent gesteigert werden soll, müsse schleunigst mehr getan werden.











Regenwahrscheinlichkeit:

