Gedenkstätte in Bremen-Farge

 - 08.09.2010

Konzept für Bunker Valentin steht

Von Michael Brandt
Bremen. In der ersten Jahreshälfte 2011 soll die Gedenkstätte am ehemaligen U-Boot-Bunker Valentin in Farge ihren Betrieb aufnehmen. Auf diesen Fahrplan will sich der Senat in der kommenden Woche festlegen. Die Hansestadt kalkuliert für die Erinnerungsarbeit am Bunker jährlich rund 320.000 Euro ein. Der Bund soll sich an weiteren Projekten beteiligen. Das Konzept beinhaltet einige strittige Punkte, wie zum Beispiel einen Fahrstuhl aufs Bunkerdach.
Der ehemalige U-Boot-Bunker „Valentin“ wird in den kommenden Jahren zur Gedenkstätte. Erste Führungen für Klassen sollen im kommenden Jahr angeboten werden.
Der ehemalige U-Boot-Bunker „Valentin“ wird in den kommenden Jahren zur Gedenkstätte. Erste Führungen für Klassen sollen im kommenden Jahr angeboten werden.

Anfang 1943 begannen in Farge-Rekum unter dem Decknamen 'Valentin' die Arbeiten an einer U-Boot-Werft im Bunker. Zwangsarbeiter und Gefangene wurden für den Bau eingesetzt. Täglich waren bis zu 10000 Menschen eingesetzt, heißt es im Gedenkstätten-Konzept. Bis heute ist unklar, wie viele Menschen auf der Baustelle und in den umliegenden Lagern gestorben sind, die Rede ist von deutlich mehr als Tausend Zwangsarbeitern.

Wenn die Gedenkstätte im zweiten Quartal 2011 erste Führungen anbietet, wird es sich um einen Minimal-Start handeln. Schulklassen und angemeldete Gruppen können dann eine Führung durch den Bunker und über das Gelände erhalten. Anschließend kann das Gesehene vertieft werden. Materialien für Unterricht und Seminare sollen dann fertig sein. Das entsprechende Konzept dazu haben Wissenschaftler im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung erarbeitet. Der Senat will am Dienstag über dieses Konzept beraten und den Haushalts- und Finanzausschuss bitten, die notwendigen Sach- und Personalmittel für die Jahre 2010 und 2011 freizugeben.

Parallel zum Anfangsbetrieb werde weiter an der Verwirklichung des Gesamtkonzeptes gearbeitet, heißt es in den Papieren. Der Zeitrahmen für den Ausbau zur vollständigen Gedenkstätte wird auf drei bis fünf Jahre festgelegt. Zunächst sollen feste Führungszeiten angeboten werden, im letzten Schritt dann allgemeine Öffnungszeiten.

Um den mehr als 400 Meter langen und 97 Meter breiten Bunker soll später ein Rundweg führen, um den Besuchern zunächst einen Überblick zu ermöglichen. Auch im Gebäudeinneren sollen Schilder aufgehängt werden, zum Beispiel am Bahnhof Farge. Der Eingang in den Ruinenteil des Bunkers, der in den vergangenen Jahren nicht renoviert wurde, befindet sich in diesem Konzept an der Südseite. Dort kann eine nachträglich eingerichtete Werkstatt zu einem Empfangsbereich samt Shop umgebaut werden.

Auf einem gesicherten Weg sollen die Besucher durch den Ruinenteil gelangen. Solange dieser Weg noch nicht besteht, wird ein Bereich von 1,5 bis zwei Metern an einer Trennwand so geschützt, dass er gefahrlos genutzt werden kann. Denn, so steht es in den Unterlagen: 'Die physische Erfahrung des Ruinenteils gehört zu den pädagogisch wichtigsten Elementen des Denkortes Bunker Valentin.'

Nach dem Rundgang durch den Ruinenteil tritt der Besucher in die Dauerausstellung. Die Ausstellung 'Denkort Bunker Valentin', die bereits in der Unteren Rathaushalle zu sehen war, gilt zwar als geeignet, überdauert aber die klimatischen Verhältnisse im Bunker nach Einschätzung der Fachleute höchstens bis 2012. Für die Ausstellung ist geplant, einen Anbau an den Bunker zu setzen.

Als perspektivisch wird die Möglichkeit bezeichnet, über einen Fahrstuhl auf das Dach zu fahren, und dort einen wettergeschützten Bereich zu betreten. Die Autoren des Konzeptes stellen sich hier ein Modell vor, dass den Gesamtkontext der Baustelle verdeutlicht. Fahrstuhl und Dachbegehung waren bei der CDU bereits auf Kritik gestoßen.

Ein offenes Archiv, die Freilegung der Betonmischanlage, archäologische Untersuchungen und die Bereitstellung einer Veranstaltungsfläche für Lesungen und Konzerte - das Konzept der Landeszentrale für politische Bildung sieht eine ganze Reihe weiterer Ausbau-Module vor. Sie sollen nach Möglichkeit im Rahmen von Projekten verwirklicht werden. Weil das mit den genannten Betriebsmitteln von 320000 Euro nicht zu leisten ist, setzt Bremen auf eine Ko-Finanzierung durch das Amt von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).

Noch knapp vier Monate. Am 31. Dezember dieses Jahres zieht die Marine aus dem nutzbaren Bunker-Teil aus, einen Tag später fällt der Beton-Koloss an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Einen endgültigen Vertrag darüber, wie es nach diesem Stichtag weitergehen soll, gibt es den Unterlagen für die kommende Senatssitzung zufolge noch immer nicht.

Wie berichtet, versucht die Immobilien-Anstalt, den vorderen Teil des Bunkers wirtschaftlich zu nutzen. Als der Bau Anfang 2008 erstmals im Internet zum Kauf angeboten worden war, hatte dies im Rathaus für Aufregung gesorgt. Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) hatte gewarnt: 'Dieses monströse Monument kann man nicht wie eine beliebige Immobilie auf eine Verkaufsliste setzten.' Um die Positionen der Hansestadt und des Bundes auf einen Nenner zu bringen, wurde eigens ein Schlichtungsverfahren in Gang gesetzt.

Unverändert ist es aber Aufgabe der Immobilien-Anstalt, die Anlage zumindest zu einem Teil wirtschaftlich zu nutzen. Unklar ist, ob die BImA bereits einen gewerblichen Interessenten für den vorderen Bunkerbereich hat. Offenbar ist daran gedacht, auf den intakten Teil des Daches eine Solaranlage zu installieren.





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