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In einer Studie von 17 Geographie-Studenten und ihren Dozenten Ivo Mossig und Tobias Tkaczick an der Universität Bremen kam heraus, dass viele Studenten aufgrund der Mietkosten nicht in dem gewünschten Stadtteil und auch nicht in der gewünschten Wohnform leben können. „Wunsch und Wirklichkeit passen häufig nicht zusammen“, sagt Mossig.
Die meisten Studenten leben in Horn-Lehe
Fast jeder fünfte der 941 befragten Bremer Studenten lebt in Horn-Lehe. Das ist laut der Geographen darauf zurückzuführen, dass sich in dem universitätsnahen Stadtteil gleich mehrere Studentenwohnheime befinden: Tatsächlich leben 58,8 Prozent der Horn-Leher Studenten in Wohnheimen. Auf Rang zwei liegt die Neustadt, in der rund 15 Prozent der Bremer Studenten wohnen. Platz drei geht an das Viertel, das sich aus Teilen der Östliche Vorstadt und des Stadtteils Mitte zusammen setzt. Das Viertel ist aufgrund seiner Ausgehmöglichkeiten und der alternativen Lebensformen bei den Studenten populär. 13,5 Prozent der Studenten wohnen dort. Auf 100 Einwohner kommen 5,3 Studenten.
Schwachhausen und Findorff sind mit je rund zehn Prozent häufige Studentenwohnorte. Weniger oft wohnen Studenten hingegen im Blockland, wo keiner der befragten Studenten lebt, Häfen, Seehausen und Borgfeld. Je fünf Studenten wohnen in Woltmershausen und Vegesack. In Gröpelingen und Hemelingen wohnen vor allem jene, die noch bei den Eltern leben.
Die WG ist charakteristisch für Bremen
Fast jeder vierte Student in Bremen wohnt noch bei seinen Eltern oder anderen Verwandten. In Hemelingen wohnt jeder Dritte bei seinen Eltern. Auch in der Vahr (22,2 Prozent) und in Walle (20,5) ist der Anteil hoch.
35,7 Prozent der Bremer Studenten leben in Wohngemeinschaften. Dieser Anteil ist ungewöhnlich hoch, denn deutschlandweit leben nur 26 Prozent aller Studenten in WGs. „Es lässt sich sagen, dass das WG-Leben charakteristisch für Bremen ist“, so Mossig. Dafür leben in Bremen im Vergleich zum gesamten Land weniger Studierende im Studentenwohnheim, in der eigenen Wohnung oder mit dem Lebenspartner zusammen.
Besonders beliebt ist die WG in der Neustadt, im Viertel in der Vahr und in Findorff.
Viele jener Studenten, die alleine wohnen, leben in Mitte (30 Prozent), Schwachhausen (28,4) oder in Walle (23,1). In der Neustadt sind es im Vergleich dazu nur rund neun Prozent, die sich für diese Art zu wohnen entschieden haben.
Die Untersuchung zeigt, dass die Studierenden allerdings häufig lieber in anderen Wohnformen leben würden, als sie das tun. Besonders bei den Studenten, die im Wohnheim leben und jenen, die noch bei ihren Eltern wohnen, ist der Wunsch sehr hoch umzuziehen. Aus Geldgründen können sie sich das häufig aber nicht leisten.
Miete ist wichtiges Kriterium
Wichtig für die Wahl einer Wohnung ist die Miete. Mehr als 80 Prozent gaben an, dass die Miete das ausschlaggebende Kriterium ist. Nahezu gleichwichtig ist eine gute Anbindung von Bus und Bahn an den Wohnort. Drittwichtigstes Kriterium ist eine schöne Wohnung. Weniger wichtig waren Einkaufsmöglichkeiten, die Nähe zur Universität, eine ruhige Lage und Freizeitangebote in der Umgebung. „Dass die Nähe zur Uni nur eine geringe Rolle spielt, hat uns verwundert“, so Mossig.
Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen untersuchten Gruppen: In einer WG ist das wichtigste Kriterium, nette Mitbewohner zu haben. „Damit können andere Standortnachteile kompensiert werden“, erklärt Mossig. Für Studenten in Wohnheimen sind die günstige Miete und die Nähe zur Universität überdurchschnittlich wichtig.
Die Wissenschaftler fragten auch nach den Assoziationen zu den verschiedenen Stadtteilen. So wird Horn-Lehe als sauber, sicher, ruhig und universitätsnah beschrieben, die Neustadt als zentral, vielfältig, günstig, gut an den Nahverkehr angebunden, aber auch schmutzig. Demgegenüber sei Schwachhausen gehoben, teuer, spießig, sauber, sicher und ruhig, aber auch zentral. Zentral ist auch ein Adjektiv, das für den Stadtteil Mitte benutzt wurde. Außerdem schätzen die Studenten die guten Verkehrsanbindungen und die Ausgehmöglichkeiten. Hier wurde besonders häufig die Diskomeile genannt.
Dahingegen wird Findorff als ruhig, sicher, sauber, zentral und bahnhofsnah beschrieben. Es sei familiär und die Nähe zum Bürgerpark wurde gelobt. Kritisiert wurden die schlechten Verkehrsanbindungen. Die Östliche Vorstadt wird als sehr heterogen wahrgenommen. Sie sei vielfältig, lebendig und belebt. Als positiv bewerteten die Studenten die Ausgehmöglichkeiten.
Wunschstadtteile: Viertel, Schwachhausen und Findorff
Die meisten Studierenden sind zufrieden mit ihrem aktuellen Wohnort. Das betrifft vor allem die Östliche Vorstadt und Schwachhausen. Dahingegen wollen mehr als die Hälfte derer, die in Walle, in der Vahr oder in Hemelingen wohnen, lieber umziehen. Am liebsten würden die Studenten ins Viertel ziehen. An zweiter Stelle liegt Schwachhausen, mit Abstand folgt Findorff. Obwohl die Neustadt als studentenfreundlich und günstig gilt, wollen nur rund sieben Prozent lieber dort leben als an ihrem derzeitigen Wohnort. „Es gibt nicht die gleichen Wünsche in Bremen, allerdings lässt sich ein Trend ablesen: Viele würden gern ins Viertel oder nach Schwachhausen ziehen, wenn es nicht so teuer dort wäre“, erklärt Mossig.
Miete in Horn-Lehe am günstigsten
Die höchsten Ausgaben für die Miete haben die Studenten in Schwachhausen. Sie liegen bei 314,93 Euro im Monat. Auf Rang zwei folgt Hemelingen mit 312,33 Euro. Das lässt sich mit der geringen Dichte von Studenten im Wohnheim und Wohngemeinschaften erklären. „Allgemein wohnen sehr wenige Studenten in Hemelingen. Es kann gut sein, dass Ausreißer hier eine besondere Rolle spielen“, versucht Mossig zu erklären. Am günstigsten lebt es sich in Horn-Lehe mit 261,05 Euro, was wiederum an den Studentenwohnheimen liegt.
In der Östlichen Vorstadt sind die Mieten überdurchschnittlich günstig, obwohl der Stadtteil als teuer wahrgenommen wird. Laut den Wissenschaftlern lässt sich das damit erklären, dass die Wohnungsgröße und Ausstattung nicht beurteilt wurden und es lediglich um die Warmmiete als Summe ging. „In einer WG hätten wir nicht nur die eigene Zimmergröße berücksichtigen müssen, sondern auch die Gemeinschaftsräume. Und die Ausstattung hätte sich nur bewerten lassen, wenn wir jede Wohnung gesehen hätten“, sagt Mossig, und fügt hinzu: „Aber die Vermutung liegt nahe, dass man in Walle mehr für sein Geld bekommt als im Viertel.“
Im Durchschnitt haben die Studenten rund 580 Euro zur Verfügung. Die, die noch bei ihren Eltern wohnen, haben monatlich 275 Euro weniger zur Verfügung. Das entspricht in etwa den Ausgaben für die Miete. Die Geographen fanden heraus, dass die Ausgaben für die Miete steigen, wenn das Budget allgemein höher ist und dass Frauen grundsätzlich etwa 50 Euro weniger zur Verfügung haben als Männer – egal, ob sie bei den Eltern wohnen oder nicht.






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