Stadtführung zu Hexen, Geistern und in dunkle Gassen (Teil 3)

 - 16.12.2010

Bremens düstere Seiten

Von Simone Gorecki
Bremen. Eine Stadtführung im Dunkeln – das ist nichts für Angsthasen und Frostbeulen. Die Gänsehaut der Teilnehmer rührt zunächst zwar eher von den eisigen Temperaturen her. Doch auch die Geschichten rund um Bremens historische Bauwerke bieten Stoff zum Frösteln.
Gruselige Geschichten bietet die Stadtführunge "Hexen, Geister, dunkle Gassen".
Gruselige Geschichten bietet die Stadtführung "Hexen, Geister, dunkle Gassen".

Der Abend ist zu Beginn der Stadtführung schon weit fortgeschritten und somit kann es auch gleich losgehen zu Bremens Hexen, Geistern und hinein in dunkle Gassen. Isabell Rückert, unsere Stadtführerin, begrüßt die rund 20 Teilnehmer dick eingemummelt am Roland. Der Trupp zieht zum Eingang des Ratskellers, und hört die erste Geschichte: Der Geist eines Zimmermanns, der beim Würfeln mit den Toten sein Leben lassen musste, spukt noch heute hier. Ein netter Einstieg in die Führung durch die Innenstadt, doch gibt Bremens reale Geschichte nicht auch Futter für den wohligen Schauer her? Tut sie. Sogar nur ein paar Meter weiter, direkt neben dem Dom.

Auf dem Domshof ist ein dunkler Stein mit einem Kreuz ins Pflaster eingelassen. Es handelt sich um den Spuckstein, auf dem noch heute Bremer ihre Verachtung über die Giftmischerin Gesche Gottfried durch Ausspucken bekunden. An dieser Stelle wurde die 15-fache Mörderin 1831 hingerichtet. Und die Bremer Richter waren mit der Bestrafung von Straftätern nicht gerade zimperlich. Ob der Schandesel für Betrüger auf dem Bremer Markt, der gelbe Hut für nicht bezahlte Schulden, das Herausschneiden der Zunge für einen Meineid vor Gericht, Vierteilen oder Pfählen – bei den Schilderungen am Justizgebäude wird den Zuhörern schnell anders. Als einigermaßen humane Hinrichtungsarten schildert Rückert das Köpfen oder Hängen: „Das war, wenn es gut gemacht war, relativ kurz und schmerzfrei. War das Beil stumpf, musste der Henker auch schon mal drei-, viermal nachhacken.“

Nächster Stopp ist der Hurrelberg. Die kleine Straße direkt neben der alten Polizeiwache erinnert an die Gefängnistürme, die sich hier befanden und vermeintlichen Hexen und Magiern ein unerwünschtes Zuhause war. Schon die kleinsten Verdächtigungen reichten, um inhaftiert und gefoltert zu werden. Wie die Prozesse ausgingen, ist hinlänglich bekannt. Durch die kleinen Gassen des Schnoors geht es weiter, bis die Gruppe an einem winzigen Haus ankommt. „Als die Pest in Bremen wütete, war es in diesen engen Gassen und Häusern aussichtslos, Quarantäne-Räume zu schaffen. Die Sterbenden wurden einfach auf die Straße gesetzt“, beschreibt Rückert die Szenerie. Ein Abstecher inklusive geisterhafter Seefahrergeschichten an der Schlachte setzt den Schlusspunkt der Tour und entlässt die Besucher zwar durchgefroren aber um eine Erkenntnis reicher: Wie gut, dass wir heute leben.






Stadtführungen durch Bremen

Bremen entdecken – sei es als Tourist beim ersten Besuch oder als Alt-Bremer, der seine Stadt einmal unter einem neuen Aspekt erkundschaften möchte. Wir stellen in unserer Serie verschiedene Stadtführungen vor, die nicht alltäglich sind.


Teil 1: Mit Gesche Gottfried durch Bremen

Teil 2: Auf den Spuren von Frank Lehmann

Teil 3: Bremens düstere Seiten

Teil 4: Das Bremer Rathaus hat viel erlebt

Teil 5: Kultur-Joggen durch den Hafen und Walle

Teil 6: Straßennamen erzählen Geschichte

Teil 7: Eine mathematische Tour durch Bremen

Teil 8: Der Bremer Hafen im Wandel der Zeiten

Teil 9: Spannende Einblicke ins Weserstadion

Teil 10: Eine Tour durch Bremens Unterwelten

Teil 11: Bremen unterm Hakenkreuz

Teil 12: Versteckte Kunst im öffentlichen Raum

Teil 13: Vergessene Bunker, zugeschüttete Flüsse

Teil 14: Französische Spuren in der Stadt

Teil 15: Das Gesamtkunstwerk Bürgerpark

Teil 16: Auf den Spuren jüdischen Lebens

Teil 17: Die Geheimnisse des Viertels

Teil 18: Bremens erotische Seiten

Teil 19: Bremen kulinarisch

Teil 20: Schwerelosigkeit im Fallturm

Digitales Zeitungsarchiv

Mit unserem neuen Angebot WESER-KURIER Plus bieten wir im digitalen Zeitungsarchiv alle WESER-KURIER-Ausgaben seit 1945 an. Ob Hintergründe zur Geschichte Bremens oder lokale Sportereignisse aus vergangenen Tagen - digitale Zeitungsseiten laden zu Recherchen, zum Erinnern und Herumstöbern ein.

Historische Bilder aus Bremen