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Während Scientology in Berlin, München und anderen europäischen Großstädten in den vergangenen Jahren massiv neue Zentren etabliert hat, zum Teil in pompösen Prachtbauten und an prominenten Stellen platziert, scheint die Aktivität der Organisation in Bremen aktuell eher gering. „Wenn Sie sich die Homepage der Scientology Mission Bremen anschauen, fällt auf, dass diese schon seit Jahren nicht aktualisiert worden ist“, sagt die Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, Ingrid Witte.
Dass Scientology in jüngster Vergangenheit immer weniger den direkten Kontakt auf der Straße sucht, mag jedoch auch an einer gewandelten Marketingstrategie liegen: Um gegen das schlechte Image anzugehen, versteckt sich Scientology zunehmend hinter fragwürdigen Scheinorganisationen, um neue Mitglieder zu rekrutieren. So warnte zum Beispiel das Landesamt vor Verfassungsschutz in Baden-Württemberg erst kürzlich vor verdeckten Werbeaktionen, mit denen speziell Kinder und Jugendliche sehr subtil angelockt werden sollten.
"Sehr problematisches Menschenbild"
Die von ihrem Gründer Hubbard ins Leben gerufene Ideologie Scientologys ist in der Tat äußerst umstritten. Der deutsche Verfassungsschutz erachtet Scientology als so gefährlich, dass die Organisation in mehreren Bundesländern unter Beobachtung steht. Die Scientologische Lehre ist vereinnahmend, weist totalitäre Züge auf und zieht Anhänger leicht in einen Sog der Abhängigkeiten. „Vor allem das Menschenbild hinter Scientology ist sehr problematisch“, sagt Ingrid Witte. „Es geht darum, Macht über andere Menschen zu erlangen und darum, gewisse Teile der Persönlichkeit gezielt auszumerzen.“
So behaupten Scientologen, den einzig wahren Weg für das Überleben der Menschheit gefunden zu haben. Ihrer Ansicht nach besteht der Mensch aus drei Teilen, „Body“, „Mind“ und „Thetan“, die sich in etwa mit Körper, Geist und Seele übersetzen lassen. Grundgedanke der Ideologie ist die Vorstellung, dass der Thetan von Mensch zu Mensch wandert und von belastenden Erfahrungen befreit werden muss. Erst dann ist der Einzelne „clear“ und kann von der Organisation weiter geschult werden, um anschließend jene von Scientologen vielpropagierte „Brücke zur Freiheit“ erreichen zu können. Dazu müssen die Mitglieder allerdings ein komplexes Kurssystem absolvieren, das aus einschüchternden Persönlichkeitstests besteht und für die Betroffenen sehr teuer ist. „Scientology verkauft sich als eine Art Mental-Health-System, das den Anhängern verspricht, gesünder zu werden. Dabei wird aber äußerst streng operiert, außerdem darf das ganze System niemals hinterfragt werden“, so Witte.
Verehrt wie ein Messias
Scientology indes feiert den Geburtstag des Gründers auch mit zahlreichen Broschüren und Internetauftritten. „Er schrieb über 5.000 religiöse Schriften und hielt 3.000 Vorträge über Dianetik und Scientology. Mit 13 Jahren war er der jüngste Pfadfinder in Amerika. Später wurde er ein herausragender Pilot, ein meisterhafter Seefahrer, Fotograf und Autor der Unterhaltungsliteratur.“ So heißt es in einer Pressemitteilung, die Scientology Deutschland zum runden Geburtstag des Gründers herausgegeben hat.
Die Charakterisierung des am 13. März 1911 in Tilden, Nebraska, zur Welt gekommenen Hubbard liest sich wie ein modernes Heldenepos. Zwar ist der Sektenführer bereits seit einem Vierteljahrhundert tot, doch Scientologen weltweit verehren ihn bis heute wie einen lebenden Messias. In zahlreichen Zentren der Organisation gibt es speziell eingerichtete Räume, die seine Anhänger tagtäglich an den vermeintlich gottgleichen Geist Hubbards erinnern sollen.






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