| Das Wilhelm Kaisen-Quiz » |
Wohnen auf dem Wasser ist in Holland schon lange kein Zukunftsthema mehr, und auch in Deutschland findet diese Idee mehr und mehr Freunde. Bereits vor einigen Jahren beschloss man in Hamburg, 75 Liegeplätze für Hausboote freizugeben und nach und nach zu erschließen, als Vorzeigeobjekt gelten zehn schwimmende Häuser am Elbekanal. In Berlin gehören die schwimmenden Wohnungen inzwischen ebenfalls zum Stadtbild, und auch in Brandenburg gewinnt diese Architektur- und Lebensform immer mehr Beachtung. "Schwimmende Häuser sind die Architekturform des 21. Jahrhunderts", sagt der in Hannover lebende holländische Architekt Han Slawik. "Schwimmende Häuser", betont er. "Ich rede nicht von Hausbooten. Das ist naiver Hippie-Quatsch."
Der Tiedenhub ist ein Problem
Slawik hat in Hamburg das bisher größte schwimmende Ausstellungs- und Bürogebäude Deutschlands entworfen, das "IBA DOCK", in dem die "Internationale Bauausstellung Hamburg GmbH" eine neue Heimat gefunden hat. "Die Bedingungen sind durchaus mit denen in Bremen vergleichbar", sagt der Architekt. Denn das IBA Dock liegt im Bereich der Gezeiten, auch wenn der Tiedenhub, also der Höhenunterschied zwischen Hochwasser und Niedrigwasser in Hamburg mit 2,50 Meter niedriger ist als in Bremen. Hier liegt der Tiedenhub bei gut vier Metern.
Als mögliche Bremer Standorte werden derzeit neben dem Europahafen und der Kleinen Weser auch der Hohentorshafen und Bereiche der Lesum geprüft. "Das Thema ist auf jeden Fall interessant", heißt es aus der Bauverwaltung.
Allerdings müsse noch eine ganze Reihe von Punkten abgearbeitet werden. Für Bauten auf dem Wasser gilt in der Regel zwar nicht das übliche Baurecht, gleichwohl gibt es verschiedene Einschränkungen. Im Hohentorshafen ist das vor allem Lärm durch das umliegende Gewerbe, die Hochwassergefahr und möglicher Eisgang sind es auf der Kleinen Weser, der Tiedenhub kommt als allgemeine Erschwernis an allen Standorten hinzu.
"Insofern wäre uns auch gelegen, wenn wir erst einmal ein Pilotprojekt realisieren könnten", sagt Stadtentwickler Tom Lecke-Lopatta.Vielleicht eines, bei dem die Nutzung auf die Sommermonate beschränkt ist. "Ein Hotel oder eine Jugendherberge auf der Kleinen Weser zum Beispiel." Technisch stellt das Leben auf dem Wasser inzwischen keine große Herausforderung mehr dar, sagt Architekt Slawik. Moderne Schwimmhäuser werden auf einem hohlen Ponton aus Beton gebaut, oder besser noch auf einem Ponton aus Styropor, der mit Beton eingefasst ist. "Diese Variante hat den Vorteil, dass man die schwimmenden Häuser sogar unterkellern könnte."
Beton als Baustoff für den Ponton macht auch den Unterschied zu einem Hausboot. Da der Baustoff Beton wartungsfrei ist, muss der Ponton nicht aus dem Wasser genommen werden, um seine Schwimmfähigkeit zu überprüfen. "Das ist bei Hausbooten anders. Die müssen regelmäßig zur Kontrolle ins Dock", erklärt Slawik.
Für die schwimmenden Häuser müssten Dalben gerammt werden, um die Objekte an Ort und Stelle zu halten. "Außerdem müsste man sich etwas überlegen, um die Gangway so zu konstruieren, dass sie trotz des großen Tiedenhubs auch von Rollstuhlfahrern ohne Probleme benutzt werden können", sagt Stadtentwickler Lecke-Lopatta.
Wenn diese Punkte geklärt sind, könnte es losgehen mit dem Wohnen auf dem Wasser, mit dem Leben auf dem Fluss - zumindest für die Menschen, die sich das leisten können. "Denn ganz billig wird ein schwimmendes Haus nicht", sagt Slawik. 500000 bis 700000 Euro müssten Bauherren für ein Haus mit rund 125 Quadratmetern sowie den notwendigen Wasserbau einplanen. "Wenn in größerem Maßstab und in modularer Bauweise produziert wird, geht es auch billiger."
Dieser Bauform gehört die Zukunft, ist sich der Architekt sicher. Und zwar nicht nur in Holland, wo große Teile der Fläche schon jetzt unterhalb des Meeresspiegels liegen. "Jedes Jahr bedroht das Elbhochwasser die Stadt Hitzacker. Dort böte sich also eine amphibische Bauweise an", sagt Slawik.
Interessenten für schwimmende Häuser scheint es auch in Bremen zu geben. "Rund dreißig sind uns bisher bekannt", sagt die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Karin Bohle-Lawrenz, die zu den Fans dieser "interessanten" Wohnform zählt, "die zudem sehr energieeffizient ist, da die schwimmenden Häuser wasserseitig bereits sehr gut gedämmt sind. Schwimmhäuser würden eine ganz neue Möglichkeit eröffnen, stadtnah auf dem Wasser zu leben. Ich würde mich freuen, wenn wir ein Pilotprojekt auf den Weg bringen könnten."



Regenwahrscheinlichkeit:



