4. Fährtag auf der Weser

 - 17.04.2011

Bremer genießen ihre Stadt am Wasser

Von Sabine Doll
Bremen. Am Sonntag war Bremen eine echte Stadt am Fluss. Zum vierten Mal hatten die Vereine "Kultur vor Ort" und „Gröpelinger Marketing“ zu einem Fährtag eingeladen. Das kam so gut an, dass die Schiffe sogar Passagiere am Steg zurücklassen mussten.
Matrose Ewald Schötzau war beim Fährtag ganz in seinem Element.
Matrose Ewald Schötzau war beim Fährtag ganz in seinem Element.

„398, 399, 400 – stopp, mehr geht nicht“, ruft Jan Severin zum Martinianleger hinunter. „400 Personen ist die absolute Obergrenze, mehr Passagiere können wir nicht mitnehmen“, sagt der Schiffsführer der „Hanseat“. Zum dritten Mal macht er an diesem Tag hier Halt. Es ist gerade einmal 13.45 Uhr, und wieder ist die Tour, die die „Hanseat“ zur Anlegestelle am Pier 2 und der Waterfront führt, ausverkauft. „Das ist schon eine tolle Sache für Bremen, so ein Fährtag“, sagt der Schiffsführer und muss sich voll darauf konzentrieren, die Hanseat vom Anleger zu manövrieren.

Zum vierten Mal findet der Bremer Fährtag inzwischen statt. Anlass für die Reederei „Hal över“ ihre komplette Fährschiff- und Fahrgastflotte im Einsatz vorzustellen – darunter die neue „Gräfin Emma“, „Lüder von Betheim“ und natürlich die Hansekogge. Anlass vor allem aber auch für Besucher und die Bremer selbst, ihre Stadt auf dem Wasserweg zu erkunden.

Viele Bremer nutzen den Fährtag für ein paar schöne Stunden auf dem Wasser.
Viele Bremer nutzen den Fährtag für ein paar schöne Stunden auf dem Wasser.

Eine von ihnen ist Bettina Schumann. Mit ihren drei Kindern hat es die Bremerin gerade noch auf die „Hanseat“ geschafft. „Eigentlich wollte ich schon immer einmal eine Fahrt auf der Weser machen, aber irgendwie hat es nie geklappt“, erzählt sie. „Mein achtjähriger Sohn Casimir ist so schiffsverrückt, dass der Fährtag für uns heute natürlich eine optimale Gelegenheit für uns ist.“ Allerdings: Wer will, kann nämlich den ganzen Tag den ganzen Tag Schiff fahren, mit nur einem Ticket und zwischen sämtlichen Anlegestellen von Weserstadion, über Café Sand, Martinianleger, Pusdorf, Europahafen, Holzhafen, Molenturm, Lankenauer Höft und der Anlegestelle am Pier 2 kreuzen. „Für alle Fälle haben wir genug Proviant wie Kuchen und Plätzchen eingepackt“, sagt Bettina Schumann.

Die „Hanseat“ lässt derweil den Teerhof links liegen und tuckert Richtung Überseestadt. Vorbei geht es an der Schlachte-Promenade, der „Admiral Nelson“, von der Schaulustige winken, und dem Wesertower auf der rechten Seite. Eine kleine Kreuzfahrt mitten in der Stadt – so lässt es sich aushalten. Wäre da nicht der doch noch etwas kühle Wind, der schnell die ersten Passagiere unter Deck vertreibt.

Nach 20 Minuten kommt die Waterfront in Sicht. Am Anleger wartet die „Gräfin Emma“ darauf, dass die letzten Passagiere an Bord gehen und sie ablegen kann. Eine gute Gelegenheit, das neue Schiff der „Hal över“-Flotte aus der Nähe zu bewundern. „Ab kommendem Sonntag startet sie regelmäßig zu Weserkreuzfahrten bis nach Vergesack“, erzählt Christine Gartner, Geschäftsführerin von „Kultur vor Ort“ – neben dem Verein „Gröpelinger Marketing“ einer der Fährtag-Organisatoren.

„Wir wollen den Stadtteil attraktiver machen. Dazu gehört auf jeden Fall eine bessere Anbindung – und warum soll diese nicht auf dem Wasserweg stattfinden“, sagt sie. Zum Beispiel in Form eines regelmäßigen Pendelverkehrs. „Das ist für Radtouristen ebenso interessant wie für Pendler und andere Ausflügler“, ist sich die Geschäftsführerin sicher. „Die Marke Bremen lebt von der Weser, das muss nur noch viel besser umgesetzt werden“, wünscht sie sich.

Die „Roland von Bremen“ setzt sich langsam in Bewegung. Wie es sich gehört, schaukelt sie von links nach rechts. Echtes Koggen-Feeling. Auch sie ist – wie hätte es anders sein können – auf ihrer Fahrt zur Anlegestelle Holz- und Fabrikenhafen vollbesetzt. Hal-över-Geschäftfsführer Dieter Stratmann hatte vor dem Fährtag noch gehofft, die Kogge unter vollen Segeln präsentieren zu können. Dafür reicht der Wind aber nicht. „Außerdem kommen wir gerade aus dem Winterlager; da haben wir das nicht mehr für heute geschafft“, sagt Matrose Ewald Schötzau.





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