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Vor gut einem Jahr ging die Hamburger Software an den Start und wurde von der Branche noch belächelt, doch diese Einschätzung hat sich grundlegend geändert. Das Branchenmagazin "Taxi heute" spricht inzwischen von einer "neuen Herausforderung", von einem "nie dagewesenen Wettbewerb" - dem sich der Bremer Taxi-Ruf jetzt gestellt hat. Mit einer eigenen Gratis-App.
Noch bewirbt das Hamburger Unternehmen sein Programm nicht aktiv für Bremen, gleichwohl: Es funktioniert auch hier, und es soll weiter ausgebaut werden. Neben dem Hamburger Programm gibt es weit über 30 andere, die über die einschlägigen Vermarktungskanäle für Handy-Plattformen zu haben sind, zumeist sogar kostenlos. Ein großangelegter Angriff auf die örtlichen Taxi-Zentralen, auf den das Taxi-Gewerbe reagieren musste. Schon alleine, um Standards zu halten und Wildwuchs zu verhindern. Bei dem Hamburger System "ist im Prinzip das Handy das Taxi", sagt Fred Buchholz, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes und Vorstandsvorsitzender des "Taxi-Ruf Bremen", zu dem 473 der rund 570 Bremer Taxis gehören.
Entwicklung dauerte Wochen
Da sich die Fahrer direkt mit der Hamburger Gesellschaft einen Vertrag abschließen und über die Software zu Touren kommen, gebe es überhaupt keine Kontrolle mehr. "Im Grunde kann sich jeder anmelden, sich in irgendein Auto setzen und Taxi spielen", fürchtet Buchholz. Und noch etwas ist nicht gut für die Branche. Da längst nicht jeder Fahrer an Systeme wie das aus Hamburg angeschlossen ist, "kann es zu längeren Anfahrten und damit zu Wartezeiten kommen. Und das, obwohl wir vielleicht gleich um die Ecke einen Wagen haben."
Wochenlang hat der Taxi-Ruf gemeinsam mit Software-Entwicklern aus Schwerte an einer eigenen Lösung gearbeitet. "Wir wollten etwas, das einen klaren Bezug zu Bremen hat", sagt Buchholz. Herausgekommen ist die App "Taxi Bremen", die seit zwei Wochen zu haben ist. Wer ein entsprechendes Telefon besitzt, kann sich die App runterladen, wobei "Taxi Bremen" im Moment nur bei "iTunes" und damit für "iPhone" zu haben ist. In den nächsten Tagen soll das System jedoch auch über den "Android Market" zu haben sein, also für Telefone, die mit dem Google-Betriebssystem funktionieren.
Die Erfahrungen sind gut, die ersten Bestellungen laufen via "Taxi Bremen" ein, auch die ersten positiven Bemerkungen sind bei "iTunes" bereits veröffentlicht. Und das, "obwohl wir die App noch gar nicht richtig bekannt gemacht oder beworben haben", sagt Wolfgang Verbeek, der 2. Vorsitzende des "Taxi Ruf".
Verbeek sieht die Zielgruppe für das neue Angebot irgendwo zwischen 16 und 60 und ist sicher, dass sich das Bestellverhalten der Fahrgäste mit den neuen Möglichkeiten ändern wird. Gleichwohl: "Die App ist eine Ergänzung zu unserer Telefon-Zentrale und zu unseren anderen Angeboten wie der Bestellung im Internet." Und: "Es wird immer Kunden geben, die uns lieber anrufen, gerade ältere. Oder etwa Fahrgäste, die einen Krankentransport brauchen. Es wird eben immer Kunden geben, die einen erhöhten Dienstleistungsbedarf haben."
Dabei geizt auch die App nicht mit Funktionen. Über den bei modernen Handys integrierten GPS-Empfänger lokalisiert das Programm das Gerät - wobei sich ein Blick auf die angezeigten Daten lohnt, sagt Buchholz, "denn es kann wie bei anderen Systemen immer mal zu Ungenauigkeiten kommen." Ein Markierungspunkt zeigt die gefundene Adresse, die auf der Karte nun so lange verschoben werden kann, bis sie stimmt. Alternativ kann sie als Text eingegeben werden.
Das System übermittelt zudem den Namen und die Telefonnummer des Gerätes an die Taxi-Zentrale, es können aber auch Zusatztexte eingegeben werden, etwa schwierig zu findende Hauseingänge. Taxis können vorbestellt, Sonderwünsche wie Kartenzahlung, Großraum-Wagen oder Kindersitz eingegeben werden, und per Knopfdruck geht die Bestellung raus. Und dann wird es auch für den Kunden spannend. Ihm wird das Kennzeichen und die Wagennummer des Taxis übermittelt, das ihn abholen wird.
Wo dieser Wagen im Moment ist, wird darüber hinaus auf einem kleinen Stadtplan angezeigt. Ist der Wagen schließlich in Reichweite, "wird dem Kunden eine kurze Nachricht geschickt, dass sein Taxi in spätestens zwei Minuten vor der Tür steht", sagt Verbeek. Weitere Funktionen wie ein Fahrpreisrechner sind in Planung. "Wir werden die App immer wieder erweitern", verspricht Buchholz.
Programm funktioniert bundesweit
Das kleine Programm funktioniert nicht nur in Bremen, sondern - wenn auch in abgeschwächter Variante - im Grunde bundesweit. "Wo wir den vollen Umfang nicht bieten können, können die Benutzer auf eine Datenbank mit Telefonnummern von örtlichen Taxi-Unternehmen zurückgreifen", sagt Buchholz. Es gibt jedoch auch Städte, in denen die App genau so genutzt werden kann wie an der Weser. In Hamburg hat sich eine Funk-Zentrale dem System angeschlossen, wie auch in München und Bonn - schließlich haben die dortigen Taxi-Zentralen die gleichen Probleme mit Fremdanbietern wie in Bremen.
Offen ist noch, wie das App-System zu Stoßzeiten funktionieren wird, etwa beim Tanz in den Mai oder in der Silvesternacht. "Das können wir wirklich nicht vorhersagen", sagt Verbeek. Allerdings ist die neue App auch schon während des Vatertages genutzt worden. "Ein Kunde hat sich mit der App einen Wagen zum Gasthaus Dammsiel bestellt", sagt Verbeek. 13 Minuten musste er warten, so hat es die Analyse gezeigt, denn gerade in der Startphase wird das System noch permanent überprüft. 13 Minuten, "eine gute Zeit", sagt Verbeek. "Auch ohne Vatertag."



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