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Christa Piater und Christine Borrmann sitzen im Wintergarten. Auf der Bank neben Piater liegt ein dicker Kater, lässt sich den Bauch kraulen und hebt nur kurz den Kopf, als ein Schmetterling sich durch das offene Fenster in das Haus verirrt. Piater und Borrmann erzählen ruhig und lachen viel. „Wir führen eine Pseudo-Ehe“, sagt Piater.
Seit knapp 30 Jahren kennt die 50-Jährige ihre 15 Jahre ältere Frau. Seit 24 Jahren wohnt sie mit ihr zusammen und seit zehn Jahren sind sie verheiratet. Obwohl, verheiratet ist eigentlich falsch. Ganz korrekt heißt es „verpartnert“. Denn das lesbische Paar lebt in einer sogenannten Lebenspartnerschaft. Als die beiden sich 1983 kennen lernten, war an eine Heirat noch gar nicht zu denken.
„Wir konnten uns nicht vorstellen, dass es so etwas einmal geben könnte“, sagt Borrmann. Zwar forderten die Grünen schon in den 80er Jahren die Ehe für Schwule und Lesben, doch ein tatsächlicher Gesetzentwurf war noch in weiter Ferne. Erst 2010 setzte die rot-grüne Bundesregierung gegen heftigen Widerstand der CDU-regierten Länder das sogenannte Lebenspartnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare durch.
Sie hatten es eigentlich nicht zwingend nötig, zu heiraten, finden die beiden Frauen. „Man kann schließlich auch so nett und fröhlich zusammenleben“, sagt Borrmann. Der Grund für die Heirat sei deswegen kein romantischer, sondern ein juristischer gewesen, erklärt die Kirchenmusikerin. „Wir wollten rechtlich besser abgesichert sein. Wenn einer von uns etwas zustößt, sollte die andere die erste Ansprechpartnerin sein.“
Und dennoch: „Wir haben uns das reiflich überlegt“, sagt Piater. Das Paar habe viele Freunde, die sich 2001 ganz bewusst nicht verpartnern ließen. „Es gab zwar die gleichen Verpflichtungen wie für Eheleute, aber nicht die gleichen Rechte“, erklärt die Musikerzieherin. „So eine Ehe wollten viele nicht, das war ungerecht.“
Piater und Borrmann sagten trotzdem Ja. Zwischen Weihnachten und Silvester trauten sie sich, ohne großes Aufsehen, ohne großes Fest, ganz unromantisch im Bremer Standesamt. „Der Termin war einfach praktisch“, sagt Bornemann. „Und seither leben wir in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.“
"Allein der Name ist schon verrückt"
Doch auch zehn Jahre nach der Einführung des Gesetzes gibt es noch viel Nachholbedarf, finden beide. „Wir wollen gleichgestellt werden mit Eheleuten – nicht nur bei den Verpflichtungen“, sagt Piater. Nachbesserungen fordern sie insbesondere beim Adoptionsrecht und beim Steuerrecht. Schwule und Lesben dürfen bis heute nur Stiefkinder, aber keine fremden Kinder adoptieren. „Und auch beim Steuerrecht werden wir wie Fremde behandelt“, ärgert sich die Musikerzieherin. „Ich will nicht weniger Rechte haben, nur weil ich mit einer Frau zusammenlebe.“
Allein der Name „Lebenspartnerschaft“ sei ja schon verrückt, findet Borrmann. „Wenn mich jemand fragt, ob ich ledig bin oder Familie habe, sage ich, dass ich verpartnert bin – das muss ich dann immer erst erklären.“ Ähnlich sei es beispielsweise beim Steuerformular. Da gebe es einfach kein Kästchen, in dem man „verpartnert“ ankreuzen könne. Die Angaben „ledig“ und „verheiratet“ seien rechtlich aber falsch. „Da werde ich dann kreativ – ich male mir mein Kästchen und schreibe verpartnert dahinter“, sagt Piater und lacht kurz. „Ich finde das wirklich diskriminierend. Es wird ein Gesetz geschaffen, doch der Alltag nicht angepasst.“ Auch das Rechtschreibprogramm am Computer kenne den Begriff nicht.
Da der Besuch im Standesamt ganz unromantisch und letztlich ihrer Meinung nach durch die Gesetzeslage fremdbestimmt war, haben die Frauen im Sommer 2002 noch einmal nachgefeiert. Diesmal kirchlich und mit kleiner Feier. „Uns war Gottes Segen wichtig“, sagt Piater. Doch auch in der Kirche konnten sie sich nicht wie heterosexuelle Ehepaare trauen. „Das sind duselige Wortspiele“, sagt Borrmann „Wir hatten keine Trauung, sondern eine Segnungsfeier. Und eine Heiratsurkunde haben wir auch nicht bekommen.“
Solch eine Segnungsfeier ist in Bremen in mehreren Gemeinden möglich, erklärt die Kirchenmusikerin. Aber selbstverständlich sei das dennoch nicht. In vielen Landeskirchen sei dies nicht denkbar und auch in Bremen seien längst nicht alle Pastoren und Gemeinden bereit, solche Feiern zu machen.
Generell haben die beiden Frauen aber gute Erfahrungen mit der Bremischen Evangelischen Kirche gemacht. „Es gibt dort eine gute Offenheit und Bereitschaft.“ Und auch in der Nachbarschaft mussten sie sich bisher noch keine komischen Bemerkungen anhören, sagen sie. Dennoch wissen beide, dass die Homo-Ehe, wie die Lebenspartnerschaft auch genannt wird, noch längst nicht überall akzeptiert ist. „Das was für uns normal ist, ist noch längst nicht für alle normal. Da müssen wir die Gesellschaft ein stückweit mitnehmen“, sagt Piater. „Das Leben ist bunt – eine normale Ehe gibt es nicht.“






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