Bremen

 - 06.10.2009

Hohe Abtreibungsquote bei Migrantinnen

Von Karina Skwirblis
Bremen. Frauen mit Migrationshintergrund haben eine deutlich höhere Rate an Schwangerschaftsabbrüchen als deutsche Frauen. Im Medizinischen Zentrum von pro familia Bremen stellen sie 44 Prozent der Frauen, die einen Abbruch planen. Dies teilte die Beratungsstelle pro familia mit, die jetzt Experten und Interessierte zu einer Tagung einlud. „Familienplanung, Verhütung und Schwangerschaftsabbruch bei Migrantinnen“ lautete das Thema. Über 100 Teilnehmer kamen. „Wir wollten zum 30-jährigen Bestehen unseres Medizinischen Zentrums ein Thema aufgreifen, das uns bewegt“, sagte Annegret Siebe, Landesgeschäftsführerin von pro familia.

Eine Studie zu diesem Thema stellte Professorin Cornelia Helfferich von der Evangelischen Hochschule Freiburg vor: Während bei deutschen Frauen die Abbruchquote rund acht Prozent betrage, liege diese bei Frauen türkischer Herkunft bei 19 Prozent und bei Frauen osteuropäischer Herkunft bei 31 Prozent. Für die Studie wurden laut Helfferich in vier deutschen Städten 2513 Interviews geführt. Die Ursachen für die ungewollte Schwangerschaft seien häufig niedrige Bildung, Migrationshintergrund und prekäre finanzielle Verhältnisse, erläuterte die Professorin.

Vor allem Frauen, die als sogenannte Heiratsmigrantinnen nach Deutschland kommen, würden keine Beratungsstellen aufsuchen, bedauerte Helfferich. Diese Frauen könnten mitunter weder lesen noch schreiben. Vielen fehle es an Wissen über Verhütungsmöglichkeiten. Generell bei Migrantinnen sei die Pille danach deutlich weniger bekannt als bei Deutschen. Wenn es dann zu einem Abbruch komme, seien sich Frau und Mann in der Regel einig. Zu Konflikten komme es selten. Dagegen betonte Annegret Siebe, dass es auch heimliche Abtreibungen ohne Wissen des Vaters gebe.

Einig waren sich die Tagungsteilnehmer darin, dass der Staat bei Hartz IV-Empfängerinnen die Kosten für die Pille übernehmen solle. Der Preis betrage zwischen 12 und 15 Euro pro Monat.



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