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Angefangen hatte alles 1924. Der 1890 in Altona geborene Borgward, brachte nach Schlosserlehre und Maschinenbaustudium einen einfachen dreirädrigen Transportkarren auf den Markt. Ein Jahr später trat der Kaufmann Wilhelm Tecklenborg in das Unternehmen ein, beide übernahmen 1931 die Bremer Hansa-Lloyd-Werke. 1936 wurde Borgward alleiniger Chef, 1938 zog die Produktion in die neue Fabrik im Stadtteil Sebaldsbrück um. Der Zweite Weltkrieg bedeutete auch für Borgward eine finstere Zeit mit Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Zerstörung und Inhaftierung.
Der Mythos des Unternehmens entstand in den 50er Jahren: Erst brachte Borgward, der bis heute als genialer Konstrukteur gilt, kleine Autos wie den Lloyd LP 300 mit Sperrholzkarosserie auf den Markt, später waren es Oberklassewagen wie der Hansa 2400. Im Rampenlicht stand aber besonders Borgwards Isabella, die nach wie vor als Vorzeigestück deutschen Automobildesigns gilt.
Wie sehr der zum Industriellen aufgestiegene Firmengründer begeisterungsfähiger Technikpionier geblieben war, zeigt sein kurzer Ausflug in den Bereich der Luftfahrt. Der legendäre Flugzeugbauer Henrich Focke durfte bei Borgward den kleinen Hubschrauber Kolibri konstruieren, von dem aber nur zwei Stück gebaut wurden.
Der Untergang des Unternehmens kam schnell - und nach wie vor ist er umrankt von Verschwörungstheorien. Im Herbst 1960 fehlte Geld, der Export flaute ab und die verkaufsschwachen Wintermonate standen vor der Tür. Der Bremer Senat bürgte für drei Kredite von je zehn Millionen Mark im Monatsabstand. Dann wurde in den Medien über die Finanzen des Unternehmens spekuliert und die dritte Kreditrate platzte. In einer Marathonsitzung im Februar 1961 wurde der Patriarch aus der Unternehmensgruppe mit insgesamt rund 20 000 Mitarbeitern gedrängt. Das Land Bremen übernahm die AG. Der Firmengründer überlebte diesen Tiefschlag nicht lange, er starb 1963.
Im Sommer 1961 beantragten der vom Bremer Senat eingesetzte Aufsichtsratschef und die Geschäftsführer die Eröffnung eines Vergleichsverfahrens. Am 11. September 1961 wurde schließlich das Konkursverfahren eingeleitet. Am Ende konnten alle Forderungen beglichen werden, und es blieb sogar Geld übrig. So stellen sich Borgward-Freunde bis heute immer wieder die Frage, ob fremde Interessen hinter der Pleite gesteckt haben könnten.
Damals gingen rund 20 000 Arbeitsplätze verloren. Nach einer Episode mit dem Bau von Lastwagen und Baumaschinen gehört das Werk seit 1971 der Daimler-Benz AG. 1978 startete abermals die Produktion von Personenwagen - bisher mehr als fünf Millionen Stück.
Der Name Borgward hat auch heute unter Oldtimerfreunden noch einen guten Klang. Jedoch gibt es kein Museum, in dem Fans der Marke alle Modelle restauriert sehen können. Aus einem Plan in Bremen mit etwa 40 Borgwards ist bisher nichts geworden. Die Wagen stehen in einer Halle und können nicht besichtigt werden. "Wir sind gescheitert, wir haben die Aufgabe unterschätzt", sagt Heiner Hellmann, einer der Initiatoren. Möglicherweise soll die Sammlung in neue Hände übergehen, so dass doch noch Hoffnung besteht, die Autos zu retten.
Ob die Automobil-Legende nach mehr als 50 Jahren ein Comeback feiern kann, ist noch offen. Christian Borgward, Enkel des Firmengründers, besitzt die Markenrechte und hat zusammen mit Karlheinz Knöss in der Schweiz die Borgward AG gegründet. Das Ziel ist klar: In ein paar Jahren soll sich beim Automobilsalon in Genf das Tuch über einem neuen Borgward heben.
15 Entwicklungsingenieure arbeiten an dem Modell, das sich mit bis zu 100 000 Exemplaren pro Jahr oberhalb der Mittelklasse einsortieren und Individualisten ansprechen soll. "Die Faszination, die Borgward als innovative, edle Automarke noch heute weltweit bei Automobilfreunden auslöst, bestätigen uns die unzähligen Briefe und E-Mails, die wir von Beginn an erhielten", sagt Christian Borgward.
Design und technisches Konzept sind fertig, ein Leichtbau-Chassis und Antriebssysteme wurden entwickelt. Ein neuer Borgward müsse voller Innovationen stecken, sagt der Unternehmer. Allein: Es fehlt noch ein Investor. "Mit 250 Millionen Euro könnten wir Borgward 2014 auf die Straße bringen", ist er sicher.
(dpa)









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