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Das Motto lautete "Hinschauen, hinhören, mitreden". Ein vielfältiges Bühnenprogramm aus Theaterspiel, Musik und Talkrunden beleuchtete die zahlreichen Situationen, in denen Zivilcourage gefragt sein kann.
Denn bereits bei Hänseleien und Übergriffen im Klassenraum fängt Gewalt an. Dies demonstrierte die Theatergruppe Wilde Bühne mit ihrem Stück "17 1/2 Minuten Kalte Wut". Die Schauspieler sind alle ehemalige Drogenabhängige und haben Erfahrung mit Sucht und Gewalt. Auf der Bühne auf dem Marktplatz zeigten sie eine Szene in der Schule: Ein stotternder Schüler wird drangsaliert - seine Mitschüler nehmen ihm seine Tasche weg, halten ihn fest, stülpen einen Mülleimer über seinen Kopf. "Einer ist das Opfer, so muss das sein", singen sie. Mehrere schauen weg und tun unbeteiligt. Ein Lehrer, der dazukommt, erfasst die Situation nicht und geht zum Tagesgeschäft über.
"Das ist gelebte Gleichgültigkeit", kommentierte Holger Ihnen von der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Bremen. "In Gruppen gibt es immer Leute, die den Ton angeben und welche, die hinten runter fallen." Die Gewalt beginne bereits, wenn einer verbal lächerlich gemacht werde. Schon hier müssten andere eingreifen und protestieren. Die Schüler, die am Rand zugesehen oder weggeschaut hätten, hätten aktiv werden müssen. "Das ist der Schlüssel", betonte Holger Ihnen. "Gemeinsam aufstehen und gemeinsam etwas tun."
Sechs goldene Regeln für Zivilcourage hat die Polizei aufgestellt. Entscheidend ist die Regel zu helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Die weiteren Regeln: Andere zur Mithilfe auffordern, Tätermerkmale einprägen, den Notruf 110 anrufen, sich um das Opfer kümmern und sich als Zeuge zur Verfügung stellen.
Die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle hält regelmäßig Vorträge zu diesem Thema und geht auch in die Schulen. "Das Thema ist nicht aktueller als früher", beurteilt Holger Ihnen die Situation. Der Sinn der Initiative "Tu was! Zeig' Zivilcourage!" sei eine dauerhafte Diskussion.
Den Anstoßt für die Initiative und den "Tag der Zivilcourage" hat der Bremen-Eins-Moderator Norbert Kuntze gegeben. "Ich habe persönlich die Initiative ergriffen", sagte er. Auslöser wären nicht aktuelle Fälle von Gewalt gewesen, sondern er habe sich für das Thema schon immer engagiert. Nun habe er gemerkt: "Die Zeit ist reif. Die Leute wollen was tun."
Mit seiner Idee habe er dann offene Türen eingerannt. Die damalige Senatorin für Soziales, Kinder, Jugend und Frauen Ingelore Rosenkötter hätte ihn sehr unterstützt. Bald waren auch Werder Bremen, der Weiße Ring, das Lidice Haus, die Nachtwanderer, die Polizei Bremen, die Bremer Straßenbahn AG, der Verein für akzeptierende Jugendarbeit, der City Airport Bremen, die Evangelische Kirche, die Werbeagentur Brasilhaus und viele weitere Einrichtungen Teil der Initiative. Sie präsentierten sich und ihre Arbeit am Montag mit Ständen und auf der Bühne.
Das Brasilhaus entwickelte unentgeltlich das Logo für die Initiative "Tu was! Zeig' Zivilcourage!" Es zeigt farbige Hände, Augen und Münder. Sie sollen das Motto "Hinschauen, hinhören, mitreden" verdeutlichen. Solche Hände fanden sich gestern auch auf einem Kubus, auf dem sich Zuschauer und Passanten mit einem farbigen Abdruck verewigen konnten.
Bürgerschaftspräsident Christian Weber, Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer sowie Sozialsenatorin und Schirmherrin Anja Stahmann (Grüne) , die den Tag der Zivilcourage eröffneten, tauchten zu diesem Zweck ebenfalls ihre Hände in bunte Farbe.
"Untersuchungen haben gezeigt, dass die Wenigsten eingreifen", erzählte Anja Stahmann. "Gewalt ist eine Sache, die überall auftauchen kann. Auf der Diskomeile kommt es oft zu Gewaltausbrüchen. Wir hatten im Viertel den Fall, wo ein Schläger einen Unbeteiligten angriff. Jüngst sind auf der Sielwallkreuzung unter dem Gejohle der Menge Polizisten verletzt worden. Das finde ich nicht in Ordnung."
Zivilcourage fange im Kleinen an. "Immer dann, wenn man mitbekommt, dass ein Mensch in Not ist oder Unterstützung braucht", erklärte Anja Stahmann. Das Ziel der Initiative sei es daher, bundesweit einen Tag der Zivilcourage zu etablieren.
Polizeipräsident Holger Münch berichtete beim Talk mit Moderatorin Anja Kwijas von einer eigenen Erfahrung. Bei einem Spiel von Werder gegen den HSV hatte er im Peterswerder Auseinandersetzungen beobachtet. Per Handy im Kontakt mit Polizeikollegen folgte er den rabiaten Fans. Doch plötzlich bemerkte er, dass er sich als Werder-Trikot-Träger mitten unter HSV-Fans befand. Er hatte die goldene Regel "Bringe dich nicht in Gefahr" missachtet. "Ich habe sofort abgebrochen", erzählte Münch.
Die Initiative möchte das Thema Zivilcourage noch weiter voranbringen. Im Internetportal www.zeig-courage.de werden Informationen rund um die Zivilcourage bereit gestellt. Mitmachaktionen sind geplant sowie die Verbreitung von Infomaterial. Zudem werden Erfahrungsberichte gesucht. Diese kann man an die E-Mail-Adresse info@zeig-courage.de senden.



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