Bauarbeiten rund um Bremen

 - 09.01.2012

Pendler sind wütend auf Deutsche Bahn

Von Matthias Lüdecke
Bremen. Bahnkunden, die von Bremen nach Hamburg fahren wollen, müssen sich in den kommenden Monaten auf Beeinträchtigungen einstellen. Grund sind Bauarbeiten auf den Strecken rund um Bremen. Die Berufspendler trifft das besonders hart. Sie sind auf die Bahn angewiesen. Und unter Umständen fällt der Zug, mit dem sie sonst immer nach Hause fahren, zwei Monate lang aus. Dementsprechend sauer sind sie auf die Bahn - zumal sie sich nicht zum ersten Mal brüskiert fühlen.
Anneke Meitzler ist eine von etwa 3000 Bremerinnen und Bremern, die in Hamburg arbeiten – und sie ist direkt betroffen von den Bauarbeiten der Bahn.
Anneke Meitzler ist eine von etwa 3000 Bremerinnen und Bremern, die in Hamburg arbeiten – und sie ist direkt betroffen von den Bauarbeiten der Bahn.

In Bremen wohnen und in Hamburg arbeiten - das ist nichts Ungewöhnliches. Genaue Zahlen gibt es nicht. Die Arbeitnehmerkammer Bremen geht in einer Untersuchung aus dem Jahr 2009 allerdings von mehr als 3000 solcher Pendler aus. Anneke Meitzler ist eine von ihnen. Die 35-Jährige arbeitet bei einer Hamburger Firma im Online-Marketing. Ihr Mann arbeitet in Bremen, ihr dreijähriger Sohn besucht dort den Kindergarten. Für den Weg zur Arbeit nutzt sie die Deutsche Bahn. Um halb acht fährt sie mit einem Intercity (IC) nach Hamburg zur Arbeit, um 18.46 Uhr sitzt sie in der Regel in einem IC zurück nach Bremen.

Doch genau jener Zug, mit dem Meitzler nach Hause fährt, wird ab Anfang Februar für knapp zwei Monate nicht in Bremen halten. Die Bahn hat in der vergangenen Woche umfangreiche Bauarbeiten angekündigt. Sie seien unumgänglich, sagt sogar Jürgen Klimpel, Bremer Ansprechpartner des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Und auch die Bahn sprach von dringend notwendigen Ausbesserungsarbeiten. Schienen, Weichen und Schwellen stammten aus dem Jahr 1985 und müssten dringend erneuert werden, hieß es.

"Für die Zeit der Bauarbeiten müssen manche Bahnkunden ihre persönlichen Bedürfnisse zurückstellen", meint Jürgen Klimpel. Anneke Meitzler fehlt jedoch das Verständnis dafür, dass diese Kunden ausgerechnet die Pendler sein sollen: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass man einen Zug, der täglich von vielen Pendlern genutzt wird, einfach ausfallen lässt."

Bei der Bahn erklärt ein Sprecher, man versuche, nach Möglichkeit Bauarbeiten auf das Wochenende oder in die Ferien zu legen. Und natürlich versuche man immer, die Kundeninteressen zu berücksichtigen. Allerdings seien die nun anstehenden Bauarbeiten so umfangreich, dass man Kompromisse machen müsse. "Ich kann diese Kompromisse allerdings nur schwer machen", entgegnet Meitzler. Sie müsse bis 18 Uhr arbeiten. Den IC, der in der Zeit der Bauarbeiten um 17.36 nach Bremen fährt, kann sie also nicht erreichen.

Die Alternative Metronom, empfindet Meitzler ebenfalls als nicht akzeptable Lösung. "Ich muss auch auf dem Heimweg öfter noch arbeiten. Das fällt in den Metronom-Zügen im Prinzip flach." Zudem sei sie auch dann noch eine halbe Stunde länger unterwegs. Klingt überschaubar, für Meitzler allerdings sind diese 30 Minuten entscheidend. "Ich habe ein Kind zu Hause, das seine Mutter vor dem Schlafengehen gern noch sehen würde", sagt sie. "Wie das während der Zeit der Bauarbeiten klappen soll, weiß ich noch nicht."

Nicht das erste Mal

"Ich bin empört", fast Meitzler ihre derzeitige Haltung zur Bahn zusammen, "empört und wütend." Anderen Pendlern, mit denen sie jeden Tag zusammen fährt, gehe es da ganz ähnlich, berichtet sie - zumal die Bahn sie erst im vergangenen Jahr brüskiert habe. Die Kapazität eines morgendlichen Intercity Expresses von Bremen nach Hamburg wurde halbiert, um bei Komplikationen infolge winterlicher Witterung Reservezüge zu haben. Berichten zufolge war der Zug in der Folge drei Monate lang überfüllt, und die Pendler waren entsprechend verärgert. Bürgermeister Jens Böhrnsen schrieb sogar einen Brief an Bahnchef Rüdiger Grube.

Vielen fehle das Verständnis dafür, dass sie Tausende Euro im Jahr bezahlen und die Bahn im Gegenzug so wenig Rücksicht auf sie nehme, berichtet Meitzler Sie hat eine Bahncard 100, mit der sie für 3800 Euro im Jahr alle Züge in ganz Deutschland nutzen kann. Viele ihrer Mitreisenden haben ein Abo, das sie für immerhin 256 Euro im Monat mit allen Zügen von Bremen nach Hamburg und zurück bringt. "Man zahlt das Geld ja auch, damit man flexibel ist", sagt Meitzler, und diese Flexibilität werde nun eingeschränkt, ohne dass die Bahn in irgendeiner Weise zeige, dass sie die von ihr ausgelösten Nöte überhaupt wahrnehme. Eine Möglichkeit das auszudrücken, könnte eine Reduzierung des Fahrpreises sein, findet Jürgen Klimpel. "Die Bahn könnte den Pendlern aus Kulanz eine gewisse Summe zurückerstatten, schließlich werden die Leistungen, für die sie bezahlen, nur zum Teil erbracht", sagt er. Und auch Anneke Meitzler meint: "Die Bahn könnte mit Geld viele Pendler bestimmt ein Stück weit besänftigen. Was sie einem aber nicht wiedergeben oder bezahlen kann, ist die Zeit, die man verliert."






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