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Bremerhaven. Sicherheitsschleusen, Wachmänner vor der Tür - dieses Szenario möchten die Verantwortlichen in den Seestadt-Kliniken nur ungern erleben. Dennoch denken Krankenhausleitungen über schärfere Maßnahmen nach. "Es wird schlimmer, das berichten mir die Schwestern", sagt Horst Ketschau, Pflegedienstleiter in der DRK-Klinik am Bürgerpark. Vor allem verbal seien Patienten und Angehörige in den vergangenen Jahren aggressiver geworden.
"Wir hören immer wieder vom Personal, dass es viel schwieriger wird, in den Kliniken zu arbeiten", berichtet Malte Grotheer von der Gruppe "Bürger in Wut", die das Thema in der Stadtverordnetenversammlung auf die Tagesordnung gebracht hat. "Es gibt bundesweit immer mehr Berichte über das Problem", sagt er. Daher wolle man wissen, wie es sich mit Attacken gegen Pflegepersonal und Ärzte in der Seestadt verhält.
Vor Kurzem wurde im Bürgerpark ein 35-Jähriger festgenommen, der versucht hatte, in der DRK-Ambulanz Ampullen mit Medikamenten zu stehlen. Immer wieder komme es zu Übergriffen, verbal oder auch physisch, bestätigen auch Angestellte aus den anderen Häusern, ebenso die Feuerwehr im Rettungsdienst. "Man traut sich manchmal nicht zu schauen, ob neue Patienten in der Wartezone sind", sagt eine Krankenschwester. Das Personal nutze stattdessen Klingeln und Gegensprechanlagen mit Kameras.
Das berichten auch Annedore Dierksen, Pflegedirektorin im St.-Joseph-Hospital, und Edith Kramer, medizinische Geschäftsführerin im Klinikum Bremerhaven. "Wir sichern uns künftig besser ab", sagt Annedore Dierksen. Tatsächlich seien inzwischen Beleidigungen und Drohungen vor allem am Freitagabend und am späten Sonnabend die Regel - in allen Krankenhäusern.
"Wir verzeichnen einen geringen Anstieg dieser Form der Gewalt", bestätigt Edith Kramer vom Klinikum Bremerhaven. Das hängt ihrer Ansicht nach vor allem mit einem höheren Alkohol- und Drogenkonsum zusammen. Kramer: "Sollte es zu Angriffen kommen, alarmieren wir sofort die Polizei."
Auch im St.-Joseph-Hospital ist Alkohol ein Hauptgrund für Auseinandersetzungen mit dem Personal und unter den Patienten. Im vergangenen Jahr endete ein Streit zwischen mehreren jungen Männern mit einem gefährlichen Messerstich in den Bauch eines 19-Jährigen - und massivem Polizeieinsatz. "Den Einsatz haben wir zum Anlass genommen, das Sicherheitskonzept unseres Hauses zu überdenken", erzählt Annedore Dierksen. "Schon allein wegen der räumlichen Nähe zu den Kneipen." Das Krankenhaus liegt mitten in der Stadt und direkt an der Kneipenszene der "Alten Bürger".
"Wir merken das hier ganz deutlich", sagt Dierksen. Innerhalb der Krankenhausleitung wird daher auch erwogen, Schleusen und einen Sicherheitsdienst einzuführen. Und das nicht nur im im St.-Joseph-Hospital. In der DRK-Klinik am Bürgerpark werde jetzt überlegt, Codeschlösser an den Türen zu installieren, berichtet Horst Ketschau. Einen Grund für die sinkende Hemmschwelle von Patienten sieht der Pflegedienstleiter auch in der geringeren Akzeptanz der Hierarchien in den Ambulanzen: "Viele kommen zu uns ins Haus und pochen auf ihre Rechte - sofort behandelt zu werden, zum Beispiel." Wartezeiten würden deutlich seltener toleriert. "Ich gebe zu, dass die Abläufe nicht immer verständlich sind", sagt Ketschau. Blutende Patienten zum Beispiel würden bevorzugt behandelt. Manchmal aber arbeite der Internist auch schneller als der Chirurg, weil der Fall anders liege.
Das unterstreicht auch Annedore Dierksen. "Wir sind ein kleines Haus", sagt sie. Wenn der Chirurg am Wochenende im Operationssaal steht, ist eben niemand in der Aufnahme, und es kommt zu Verzögerungen." Den Patienten sei das nicht unbedingt klar.
"Die Erwartungen von Patienten und Angehörigen an die Versorgung sind gestiegen und somit auch das Frustpotenzial bei Nicht-Erfüllung der Erwartungen", weiß Edith Kramer. Ihre Ambulanz im Klinikum war zuletzt in der Kritik, weil Patienten sehr lange Wartezeiten hinnehmen mussten. Das führte zu Frust und Streit. Für Edith Kramer ist das Rezept gegen die steigende Aggressivität auch hier zu finden: "Wir müssen unsere Prozesse noch mehr optimieren, damit das nicht mehr vorkommt."
Ähnliches planen auch die anderen Häuser. Doch die Sorgen beim Personal sind groß. "Unsere Schwestern haben schon angefragt, ob sie Pfefferspray erhalten könnten", sagt Ketschau. Das lehnt er kategorisch ab, stattdessen werden Deeskalationskurse angeboten. "Das kommt auch sehr gut an."
Der Wählervereinigung "Bürger in Wut" ist das nicht genug. "Wenn die Anfrage ergibt, dass das Problem zugenommen hat, werden wir uns für eine bessere Absicherung einsetzen", sagt Malte Grotheer. Es könne nicht sein, das Helfende in Gefahr geraten.



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