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Wo einst ein roter Teufelskopf auf den Vereinssitz an der Eduard-Grunow-Straße hinwies, sind nur noch graue Flecken zu sehen; ihre Internetseite ist abgeschaltet. Die „Red Devils“ haben sich offenbar aus Bremen zurückgezogen. Die Polizei geht davon aus, dass sich der Bremer Ableger der international operierenden Rockerbande aufgelöst hat.
Laut Polizeisprecherin Franka Haedke sind die Gründe für den mutmaßlichen Abzug unklar, „eventuell lag es an den polizeilichen Maßnahmen“. Es könne nur darüber spekuliert werden, ob die „Red Devils“ ins Umland ausgewichen sind, sagt Bremens Kripochef Andreas Weber. Und: Um sich über einen Erfolg zu freuen, sei es zu früh. Schließlich seien mit dem Club nicht auch die Rocker verschwunden. „Deshalb bleibt das Thema einer unserer Schwerpunkte.“
Erleichtert zeigt sich Wolfgang Budde von der Anwohnerinitiative Rembertiviertel: „Dass wir die Bande los sind, ist ein Etappensieg.“ Nun werde die Initiative alles daran setzen, dass die „Hells Angels“ am Dobben verschwinden und die Hansestadt verlassen.
Derzeit ist die Anwohnerinitiative dabei, eine Sitzung des Beirates Mitte inhaltlich vorzubereiten. Hintergrund: Die Stadtteilpolitiker wollen voraussichtlich im April die Öffentlichkeit über das Thema Rocker in Bremen informieren – wie bereits Ende 2010, als mehr als 100 Bürger die Arbeitnehmerkammer füllten und sich an der Diskussion beteiligten. Eine Option in diesem Jahr ist, dass ein Experte über die Strukturen und das Milieu der „Outlaw Motorcycle Gangs“, der sogenannten Motorradbanden außerhalb des Gesetzes, spricht. Zudem sollen die aktuelle Situation und die Entwicklung in Bremen bilanziert werden. Initiativensprecher Budde stellt schon mal fest: „Ohne vorweggreifen zu wollen – die Lage hat sich entspannt. Zufrieden sind wir aber noch nicht.“
Rote Teufel, braune Musiker
Der nichtöffentlich tagende „Runde Tisch Rocker“ mit Behördenvertretern, Beiratspolitikern und Anwohnern hat erst am vergangenen Donnerstagabend über die Situation beraten. Dabei ging es im Ortsamt Mitte/ Östliche Vorstadt auch um den Bremer Ableger der „Red Devils“. Für dessen Anhänger könnte das nahe Delmenhorst eine Alternative sein: Eigenen Angaben zufolge sind die „roten Teufel“ seit vergangenem Jahr dort vertreten.
In Delmenhorst sind Rocker noch aus einem anderen Grund Gesprächsstoff. Denn Rocker und Neonazis sollen hier vor zwei Wochen zusammengekommen sein, als die Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ unter dem Namen „H.E.R.M.“ auftrat. Nach dem Kneipenkonzert seien 20, teils mit Baseballschlägern bewaffnete Konzertbesucher auf einen 21-jährigen Punker losgegangen, als dieser die Gaststätte passierte, so das „Antifaschistische Komitee Bremen“. Demnach traten die bislang unbekannten Angreifer auf das Opfer ein und fügten ihm schwere Kopfverletzungen zu. Der Inhaber der fraglichen Kneipe „Die Szene“ streitet diese Darstellung ab und dementierte auch Medienberichte, wonach er Präsident der „Red Devils“ in Delmenhorst sei. „Ich bin nicht mehr in einem Rockerclub“, sagte er dieser Zeitung. Zugleich bestätigte er, dass das Konzert stattgefunden hat; einen weiteren, für heute vorgesehenen Auftritt der Musikgruppe habe er jedoch abgesagt.
Unterdessen hat das Innenressort die Bremer Sportvereine davor gewarnt, dass „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ oder eben „H.E.R.M.“ versuchen könnte, heute in eine Sporthalle oder Vereinsgaststätte auszuweichen. Viele Konzertbesucher dürften Neonazis und entsprechend gewaltbereit sein. Vereine und Wirte sollten die Polizei über verdächtige Anfragen informieren, empfiehlt die Behörde. Es bestehe sonst die Gefahr, dass sich etwa eine Geburtstagsfeier am Veranstaltungstag als Rechtsrock-Konzert entpuppe.
Für die Mitglieder von „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ wäre es nicht der erste Auftritt auf dem Gelände eines Sportvereins. Die vierköpfige Musikgruppe aus Bremen, die der Landesverfassungsschutz unter „sonstige gewaltbereite Rechtsextremisten“ führt, konnte im vergangenen Juni auf einem Vereinsareal im Bremer Westen auftreten und so das erste Rechtsrock-Konzert auf stadtbremischem Gebiet seit Jahren geben. Die Band um den Sänger Hannes Ostendorf hat auch bei den „Red Devils“ gespielt – nachweislich: Ihr Auftritt im Clubhaus der „roten Teufel“ in Stadthagen im vergangenen Mai löste einen Großeinsatz der Polizei aus. Das Konzert selbst belegte einmal mehr das Miteinander von Rechten und Rockern.



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