Schwarzfahren in Bremen

 - 06.02.2012

Verkehrsbetriebe fordern höhere Strafen

Von Karin Mörtel
Bremen. Schwarzfahrer sollen künftig höhere Strafen zahlen. Dies fordert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Für Wiederholungstäter wären demnach 120 Euro fällig. Die Bremer Straßenbahn AG und der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen halten den politischen Vorstoß für sinnvoll. Auch bei den Hamburger Verkehrsbetrieben wird der Vorschlag positiv aufgenommen.
Kontrolleure der BSAG haben 2010 44.000 Schwarzfahrer ertappt
Kontrolleure der BSAG haben 2010 44.000 Schwarzfahrer ertappt

Wer in diesen Tagen beim Schwarzfahren ertappt wird, muss 40 Euro bezahlen. Zu wenig, meint der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Verkehrsbetriebe, Oliver Wolff. Er fordert eine Strafe in Höhe von bis zu 60 Euro, für Wiederholungstäter sogar 120 Euro. "Wir unterstützen diesen Vorstoß", sagt BSAG-Sprecher Jürgen Lemmermann. Mit einer Erhöhung der Bußgelder rechnet er jedoch nicht vor dem Jahr 2013.

Nach VDV-Schätzungen fahren jährlich rund 3,5 Prozent aller Bus- und Bahnnutzer ohne Ticket. Dadurch entgingen den deutschen Nahverkehrsunternehmen pro Jahr bis zu 250 Millionen Euro an Einnahmen, heißt es in einer schriftlichen Erklärung des Verbandes. Hinzu kämen jährlich Kosten in Höhe von 100 Millionen Euro  für den Einsatz von Kontrollpersonal. „Das sind 350 Millionen Euro, die die Verkehrsunternehmen jedes Jahr kompensieren müssen. Die Zeche dafür zahlen am Ende die ehrlichen Kunden durch höhere Fahrpreise, die Kommunen durch höheren Defizitausgleich und die Verkehrsunternehmen durch geringere Einnahmen“, erklärt Wolff.

Bremer Straßenbahn AG: Minusgeschäft durch Schwarzfahrer

Wie hoch der Schaden für die BSAG ausfällt, kann Lemmermann nicht genau beziffern. "Jedoch sind die Kosten für Kontrolleure und die Ausfälle im Ticketverkauf jedes Jahr deutlich höher als die Einnahmen durch Strafzahlungen", so der Sprecher. Im Jahr 2010 sind bei Kontrollen von 2,1 Millionen Fahrgästen insgesamt 44.000 Schwarzfahrer in Bussen und Straßenbahnen der BSAG erwischt worden. Das entspricht einer Quote von gut zwei Prozent. Die Zahlen für 2011 liegen bislang noch nicht vor, doch "wir gehen von einem ähnlichen Wert für das vergangene Jahr aus", schätzt Lemmermann.

Von einer möglichen Erhöhung der Strafen verspricht sich der Verbands-Vorsitzende Oliver Wolff eine abschreckende Wirkung, die speziell auf notorische Schwarzfahrer abziele: „Das heutige erhöhte Beförderungsentgelt von 40 Euro entspricht ungefähr dem Fahrpreis von 16 Fahrten in der Stadt. Damit erzielt man kaum Abschreckung, wie ja auch die Beispiele in den sozialen Netzwerken im Internet zeigen." Damit spielt er auf zahlreiche Gruppen der Internetseite Facebook an, auf denen sich Nutzer in Bremen, Hamburg, Kiel, Rostock und anderen Städten gegenseitig vor Fahrscheinkontrollen warnen. "So wird das Fahren ohne gültigen Fahrausweis in der öffentlichen Wahrnehmung verharmlost. Dem muss der Gesetzgeber durch entsprechende Regelungen entgegenwirken“, fordert Wolff und ruft Bund und Länder zu einer gemeinsamen Initiative gegen Schwarzfahren auf.

Verkehrsverbünde im Norden unterstützen Vorstoß

"Sobald der Vorstoß des VDV gesetzlich umgesetzt ist, werden wir uns in Absprache mit unseren Mitgliedsunternehmen beteiligen und die entsprechende Erhöhung in unseren Tarifbestimmungen verankern", kündigt Ralf Huckriede an, der bei der VBN für die Tarifgestaltung zuständig ist. Zu dem Verbund zählen neben der BSAG unter anderem die Nordwestbahn, die Metronom-Eisenbahngesellschaft sowie die Deutsche Bahn (Region Nord). Auch der Hamburger Verkehrsverbund kündigte bereits an, die Forderung nach härteren Strafen für Schwarzfahrer zu unterstützen.

Fahrgastbeirat ist skeptisch

Wilfreid Jankowski vom Fahrgastbeirat des VBN steht der Forderung nach höheren Strafzahlungen skeptisch gegenüber: "Für uns machen stärkere Kontrollen mehr Sinn als höhere Strafen." Am Beispiel Oldenburg könne man sehen, dass andere Maßnahmen sehr wirkungsvoll sein können. "Dort können Fahrgäste ausschließlich beim Busfahrer einsteigen und müssen dort ihr Ticket lösen", so der Sprecher der Interessenvertretung. Bevor man die Schwarzfahrer härter bestrafe, sei es notwendig, über Alternativen nachzudenken. Dennoch zeigt Jankowski kein Verständnis für Menschen, die nicht aus Geldnot, sondern aus Prinzip den Kauf der Fahrkarte verweigern: "Diese Menschen verhalten sich kriminell, und zwar zu Lasten der ehrlichen Kunden."

 

 

 






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