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Während viele Menschen derzeit mit Schlittschuhen ausgerüstet den Weg zur Semkenfahrt oder zum Hollersee antreten, haben Ludwig Ellermann und Gudrun Gerdes eine Akku-Bohrmaschine und ein Zentimetermaß dabei. Die Mitarbeiter der Umweltbehörde untersuchen die Eisstärke - was komplizierter klingt, als es ist: Ludwig Ellermann setzt in der Mitte des Hollersees die Maschine an, und mit einem leichten Brummton verschwindet der Bohrer so mühelos im Eis, als wäre es Butter. Doch der Eindruck täuscht: Das Eis ist hart - und dick: 20 Zentimeter messen die Behördenvertreter am Hollersee. "Das reicht, um darauf Auto zu fahren", scherzt Ellermann. Schlittschuhläufer können die Eisfläche also problemlos nutzen.
Hollersee ist Test-Gewässer
Wer hier Schlittschuh fährt oder ein bisschen schliddern möchte, muss lediglich darauf achten, dass er nicht über die Metallrohre des Springbrunnens in der Seemitte stolpert. Der Hollersee vor dem Park Hotel ist für die Umweltbehörde eine Art Test-Gewässer: Hier wird regelmäßig die Eisdicke überprüft. Ist die Eisschicht hier auf 14 Zentimeter angewachsen, untersucht der Deichverband daraufhin 31 der rund 200 Gewässer in Bremen.
Ab einer Eisdicke von 15 Zentimetern können sich die Bremer gefahrlos ins eiskalte Vergnügen stürzen. Dies ist jetzt unter anderem beim Emmasee (16 Zentimeter) auch beim Regenrückhaltebecken "Blanker Hans" links der Weser (18 Zentimeter) möglich. Auch das Weidedamm-Fleet in Findorff (18 Zentimeter) oder das Blumenthaler Freibad (20 Zentimeter) bieten gute Eisbedingungen.
"Bei unseren großen Badeseen wie dem Unisee und dem Achterdieksee ist allerdings noch Vorsicht geboten", warnt Hans-Peter Weigel, Referatsleiter im Umweltressort. Hier liegt die Eisstärke in einigen Bereichen zwar bei 15 Zentimetern, aber es gibt auch Stellen mit einer sehr viel dünneren Eisschicht. Heute wird es am Unisee eine weitere Messung geben. Der Werdersee wird vor dem Wochenende ebenfalls noch einmal genauer untersucht.
Im Mahndorfer See, Rodensee und im Waller-Park-See gibt es derzeit sogar noch offene Stellen. "Da kann man natürlich gar nicht rauf", sagt Hans-Peter Weigel. Tabu sind ebenfalls der Torfhafen und der Torfkanal: Sie werden von eisenhaltigem Grundwasser gespeist und frieren daher nicht so schnell zu wie andere Gewässer. Wer dort Schlittschuh läuft, begibt sich in Lebensgefahr.
Doch sogar bei Eisstärken von 18 Zentimetern und mehr gilt: Eislaufen auf eigene Gefahr. Offiziell gibt die Umweltbehörde aus rechtlichen Gründen keine Flächen mehr frei. Zu groß ist das Risiko, dass doch einmal etwas passiert. Jeder, der das Eis betritt, sollte auf Schwachstellen unter Brücken oder Bäumen achten. "Und Kinder sollten nicht unbeaufsichtigt auf dem Eis spielen", macht Referatsleiter Weigel deutlich.
Es ist lange her, dass die Bremer so viele Flächen für ihr Eisvergnügen haben wie in diesem Jahr. In den vergangenen Jahren verhinderte die Schneedecke, dass das Eis ausreichend anwachsen konnte. "Ich erinnere mich, dass wir 1996 ebenfalls einen Winter mit viel Frost hatten", sagt Ludwig Ellermann. Damals war der Werdersee über einen halben Meter gefroren. Vielleicht erreicht das Eis in diesem Jahr eine ähnliche Stärke, schließlich sagen die Meteorologen für das Wochenende wieder strengen Frost voraus. Danach könnten die Temperaturen wieder über Null klettern.
Ansturm auf Sportgeschäfte
Diese Temperaturen locken offenbar viele auf die Kufen, die lange nicht mehr Schlittschuh gefahren sind: Die Sportgeschäfte erleben einen regelrechten Ansturm. Mehrere Hundert Paar Schlittschuhe sind in den vergangenen Tagen beispielsweise bei Karstadt Sport über den Ladentisch gegangen. Hier sollen heute noch einmal 600 Schlittschuhpaare, hauptsächlich für Damen, eintreffen. Zum Wochenende komme noch mehr Ware, kündigt eine Firmensprecherin an. Aus ganz Deutschland würden in den nächsten Tagen Schlittschuhe von Karstadt-Filialen nach Bremen geliefert - anderswo sei die Nachfrage längst nicht so groß. "Allerdings würde ich nicht erst am Abend im Geschäft nachschauen, dann sind die meisten Schuhe schon wieder weg", empfiehlt die Firmensprecherin.
Schlittschuhe werden auch im Paradice in Walle verkauft. Shop-Inhaber Uwe Kirsch kann sich nicht daran erinnern, wann der Andrang jemals so groß war wie derzeit. "Wir haben aber noch alle Größen vorrätig", sagt er. Wer nicht gleich so tief in den Geldbeutel greifen will, kann sich Schlittschuhe im Paradice ausleihen.



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