Taxi-Ruf Bremen

 - 19.02.2012

Taxifahrer wehren sich gegen Schulungen

Von York Schaefer
Bremen. Der Streit zwischen dem Taxi-Ruf und den ihm angeschlossenen Taxifahrern schwelt weiter. Während der Taxi-Ruf die Fahrer zu Schulungen verpflichten will, zweifeln die Fahrer am Sinn der Maßnahmen. Mittlerweile kümmern sich auf beiden Seiten Anwälte um die Angelegenheit.
Boris Wefer ist seit zehn Jahren Taxi-Fahrer. Er wehrt sich gegen die Zwangsschulung, die ihm der Taxi-Ruf auferlegt hat und will den nächsten Termin verstreichen lassen.
Boris Wefer ist seit zehn Jahren Taxi-Fahrer. Er wehrt sich gegen die Zwangsschulung, die ihm der Taxi-Ruf auferlegt hat und will den nächsten Termin verstreichen lassen.

Auch nach Beginn der ersten Schulungen für die Fahrer der Bremer Funkzentrale Taxi-Ruf gärt der Streit mit dem Unternehmerverband über Sinn und Art der Umsetzung der Seminare. Immer mehr Fahrer wehren sich inzwischen gegen die kostenpflichtigen Schulungen zu Themen wie Taxirecht, Krankenbeförderung, Arbeitsplatz Taxi-Ruf oder Markt und Image, die die die Funkzentrale im Herbst vergangenen Jahres eingeführt hatte.

Die alle fünf Jahre in einem Gestattungsvertrag zwischen dem Taxi-Ruf und den Fahrern festgehaltene Regelung besagt, dass diese innerhalb eines Jahres mindestens eine der fünf Schulungen zum Selbstkostenpreis von 35 Euro absolvieren müssen. Ansonsten wird ihnen der Status als Service-Taxi-Fahrer entzogen. Dies wäre laut der Betroffenen mit Umsatzeinbußen verbunden und ist rechtlich umstritten. Hinzu kommen mögliche Verdienstausfälle während der Seminare.

Wenn Boris Wefer, seit zehn Jahren Taxifahrer, morgens in seinen Wagen steigt, leuchtet auf dem Display seines Datenfunkgerätes der Termin auf, bis zu dem er eine der Schulungen machen muss. "Das erzeugt schon einen gewissen Druck", sagt der Fahrer, der den Schulungstermin Anfang März trotzdem verstreichen lassen will. Wefer bezweifelt den Sinn mancher Kursinhalte und stört sich an der mangelnden Verständniswerbung und der Hau-Ruck-Methode bei der Einführung der Schulungen. "Der Taxi-Ruf will, dass die Fahrer besser mit ihren Kunden umgehen, aber uns gegenüber beherzigt er das selber nicht", kritisiert er.

Auch weitere Kollegen fühlen sich durch die unfreiwilligen Schulungen vom Taxi-Ruf genötigt und bezweifeln deren Nutzen. Fahrer Ralf Neumann meint, dass nur sein Taxiunternehmer als Arbeitgeber Fortbildungen anordnen darf, gegen die er generell nichts einzuwenden hat. "Es geht darum, wie mit uns umgegangen wird", sagt der Fahrer, der den bald anstehenden Schulungstermin ebenfalls ignorieren will. "Schwarze Schafe erreicht man auch mit Schulungen nicht", meint Taxifahrer Marko Bark.

Dass es diese gibt, ist allerdings unbestritten. "Das Problem in der Branche ist die Ausbildung, die Entlohnung und die hohe Fluktuation", sagt ein Fahrer, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dass Taxifahrer nach Wegstrecke mit Umsatz-Prozenten bezahlt werden, käme einem Akkordlohn gleich. Der damit verbundene Leistungsdruck bei gleichzeitig zu vielen Taxen auf den Straßen führe zu schlechterem Service, mehr Unfällen und explodierenden Versicherungskosten für die Halter. In Hamburg wurde diese Art der Entlohnung von Taxi-Fahrern bereits von den Behörden kritisch begutachtet und könnte demnächst verboten werden.

Als Reaktion auf die Schulungsanordnungen des Bremer Taxi-Rufs wurde von einzelnen Fahrern auch das Thema Streik diskutiert, was aber inzwischen wieder vom Tisch ist. Stattdessen wollen die Fahrer in Zukunft auf mehr Kooperation und Information untereinander setzen. Es wird einen Flyer zum Thema Schulungen geben, ein Stammtisch ist geplant. "Der Streit ist eine Gelegenheit, generell besser zusammenzuarbeiten", sagt Boris Wefer, der sich wie fünf weitere Fahrer wegen der umstrittenen Schulungen von Rechtsanwalt John Thomas Meyer hat beraten lassen. Dieser will im Fall einer Sperre für Service-Taxi-Fahrer - dies sind 90 Prozent der 1500 Taxi-Ruf-Fahrer - beim Amtsgericht einen Antrag auf einstweilige Verfügung stellen.

Bei seinem Klienten Holger Rommelmann gibt es laut des Rechtsanwaltes bereits die Zusage des Taxi-Rufs, dass bis zur Klärung der Kostenfrage keine Sperre erfolgt. Rechtsanwalt Meyer will jetzt Rommelmanns Arbeitsvertrag mit dem Taxi-Unternehmer um einen Passus zur Kostenfrage erweitern. "Wobei mir statt einer individuellen eine grundsätzliche Klärung lieber wäre", sagt Rommelmann, der seit 19 Jahren Taxi fährt.

Der Taxi-Ruf hat derweilen erneut die Bedingungen zur Teilnahme an den Schulungen modifiziert. So sind die immerhin gut 170 Inhaber eines Halterscheins inzwischen von der Teilnahme befreit. Aufgrund dieses von der Handelskammer ausgestellten Nachweises zur Befähigung als Taxenunternehmer hätten sie genügend "betriebliche Praxis" wie es Ingo Heuermann, Vorstandsmitglied beim Taxi-Ruf, darstellt.

Fahrer wie Marko Bark sind da anderer Ansicht: "Der Halterschein hat mit Fahrpraxis nichts zu tun", sagt er. So gebe es selbstfahrende Unternehmer, die deshalb eigentlich geschult werden müssten, nun aber befreit sind. Gerüchte, dass es dem Taxi-Ruf mit den Schulungen um eine zusätzliche Geldquelle für die Verwaltung der Funkzentrale auf Kosten der Fahrer ginge, halten sich hartnäckig, sind aber nicht zu belegen. "Wenn es einen Überschuss gibt, werden wir das Geld in die Werbung stecken, um verloren gegangene Kunden zurück zu gewinnen", erklärt Ingo Heuermann vom Taxi-Ruf, der sich durch den besseren Service in den nächsten Jahren Umsatzsteigerungen von bis zu 20 Prozent verspricht.

Ein Mehrwagenunternehmer, der auch anonym bleiben möchte, hat sich bereits ebenfalls anwaltlich beraten lassen. Er meint: "Die Schulungen sind zwingend notwendig". Er wird die Module auch selber belegen, habe bereits acht Fahrer auf seine Kosten hingeschickt, die ihm positive Rückmeldungen über die Inhalte gegeben hätten. Mit Blick auf die Umsetzung seitens des Taxi-Rufs, zum Beispiel bei der Halterbefreiung, sagt er allerdings: "Gut gedacht, schlecht gemacht."






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