Straßenbäume in Bremen

 - 17.11.2009

Entwarnung: Sumpfzypresse am Dobben geht es gut

Von Volker Junck
Bremen. Unsere Leser sorgen sich um einen uralten Baum, den sie als eine der letzten Zedern im Stadtgebiet einordnen. Voller Argwohn beobachten sie, wie sich das Naturdenkmal an der Ecke Am Dobben/Schleifmühlenweg langsam von Grün zu Kupferbraun verfärbt und seine Nadeln verliert. Zum Glück können wir hier Entwarnung geben: Dem Baumriesen geht es den Umständen entsprechend gut.
Der Sumpfzypresse am Dobben geht es trotz trostlosen Aussehens gut, sagt Stadtgrün.
Der Sumpfzypresse am Dobben geht es trotz trostlosen Aussehens gut, sagt Stadtgrün.

Es handelt sich auch nicht um eine Zeder, sondern um eine Sumpfzypresse, wie Ralf Mischke, bei Stadtgrün für den Bereich Mitte zuständig, auf Anfrage bestätigt. Und Sumpfzypressen gehören nun einmal zu den wenigen sommergrünen Nadelbäumen, die im Herbst ihr Laub abwerfen. Wie beispielsweise auch die Lärche oder der Mammutbaum, dessen jährliche Nadelmengen schon so manchen Nachbarschaftszwist wegen verstopfter Dachrinnen ausgelöst haben.

Dass der Exot überhaupt an der vielbefahrenen Kreuzung steht, hat er seiner Eigenschaft zu verdanken, dem Boden mehr Wasser zu entziehen als es zu speichern. So wurden vor etwa 150 bis 180 Jahren am Dobben eine Reihe Sumpfzypressen angepflanzt, als dort noch ein Entwässerungsgraben entlang lief. Das jetzt im Wechsel zum kahlen Wintergeäst befindliche Exemplar ist das letzte seiner Art an diesem Standort. Zwei etwa gleich alte Bäume stehen in den Wallanlagen.

Sumpfzypressen brauchen eigentlich, wie schon der Name sagt, sehr feuchten Untergrund und können bis zu einem Meter tief im Wasser stehen. Wie in den berühmten Everglades in Florida. Dann bilden sie auch sogenannte Atemknie aus, die dem vielverzweigtem Gehölz ein bizarres Aussehen geben. Der einsame Vertreter in der Bahnhofsvorstadt braucht kein Atemknie, weil er an einem ausgesprochen trockenen Platz steht, umtost vom Verkehr auf vierspurigen Trassen.

Insofern ist es schon ein kleines Wunder, dass er überhaupt so lange durchgehalten hat und es offenbar noch eine Weile zu tun gedenkt. Zypressen sind halt zäh. In wasserarmen Regionen wie etwa auf den Kanaren hat man große Mühe, den Eindringling zugunsten von Arten mit für die Umwelt positivem Wasserhaushalt loszuwerden.

Bleibt noch zu klären, was die Sumpfzypresse mit der entschwundenen DDR zu tun hat, in der es bekanntlich immer nach verfeuerter Braunkohle stank: Im Altpleistozän vor etwa 18000 Jahren bedeckte die Art fast die gesamte nördliche Halbkugel, bis sie vom radikalen Klimawandel mit Eiszeit dahingerafft wurde. Sie lieferte den Hauptbestandteil für Braunkohle, die in der DDR in riesigen Tagebauen abgebaut wurde und die Energiebasis für Industrie und Haushalte war.

Im 17. Jahrhundert wurde die nahezu ausgestorbene Sumpfzypresse in Europa wieder eingeführt. Sie gehört immer noch zu den Sehenswürdigkeiten in berühmten Parks und botanischen Gärten. Samenhandlungen und Gärtnereien bieten etwa 50 verschiedene Sorten an.

Sumpfzypressen (taxodium distichum) können bis zu 700 Jahre alt werden und sind einhäusig. Das heißt, männliche und weibliche Blüten/Früchte/Samen hängen an einem Baum, wie sich bei näherem Betrachten auch am Schleifmühlenweg feststellen lässt.



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