Auch in der Hansestadt hofften Händler, vom Ansturm auf das Computerspiel zu profitieren. Riesige Plakatwände und Pappaufsteller warben in vielen Läden seit Tagen für den Bestseller. Die Hoffnungen erfüllten sich aber nur teilweise: Ein Kaufrausch blieb in Bremen aus.
'Wir bemerken allerdings eine deutlich gesteigerte Nachfrage im Vergleich zu anderen Produkten', sagt Michael Kattillus, Geschäftsführer des Computerspiele-Fachgeschäfts 'Game World' im Buntentor. Ähnliches vermelden auch die großen Elektronikmärkte. 'Das Interesse an diesem Spiel war auch in Bremen sehr groß', bilanziert Marcus Büher, Geschäftsführer des Saturnmarkts in der Papenstraße.
Und auch die Media-Märkte melden gesteigertes Kundeninteresse. Eine Sprecherin weist jedoch darauf hin, dass der Erfolg von 'Modern Warfare 2' nicht ganz unvorhergesehen kam. Der aktuelle Verkaufsschlager ist bereits die fünfte Fortsetzung einer Kriegsspiel-Reihe namens 'Call of Duty' ('Die Pflicht ruft'), die sich in den zehn Jahren seit ihrem Start einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreut. 'Die Kunden wissen in so einem Fall, was sie zu erwarten haben', ergänzt Michael Kattillus.
Und die Erwartung ist eindeutig: Sie lautet Krieg. In Kinofilmqualität ziehen die Spielenden als Elitesoldaten oder Terroristen in fiktive Schlachten der Gegenwart. Viele Schauplätze sind Orte, die momentan auch im echten Leben Kriegsschauplätze sind. Gerade die Nähe zum aktuellen Zeitgeschehen mache für viele Käufer den besonderen Reiz aus, erklärt Kattillus.
'Der Erfolg des Spiels ist schon eine heftige Aussage über unsere Gesellschaft', meint der Bremer Medienpädagoge Markus Gerstmann. Während deutsche Soldaten versuchten, in Afghanistan zu überleben, simulierten Zehntausende von Spielern deren Rolle genüsslich daheim am Computer. Besonders heikel findet Gerstmann die Option, als Terrorist Anschläge verüben zu können. 'Das grenzt schon an Wahnsinn', sagt er. Die Altersfreigabe ab 18 Jahren sei jedenfalls mehr als berechtigt. Das findet auch Computerspielehändler Kattillus. 'Wir reden hier über ein Kriegsspiel, das ist auf gar keinen Fall etwas für Kinder und Jugendliche', sagt der Familienvater.
Medienpädagoge Markus Gerstmann appelliert unterdessen an alle Eltern, beim Kauf von Computerspielen für ihren Nachwuchs die angegebenen Altersbeschränkungen strikt einzuhalten. 'Konfrontieren Sie Ihre Kinder auch konkret mit fragwürdigen Inhalten', rät er. Einen generellen Verzicht auf Computerspiele hält Gerstmann für übertrieben. Lohnenswert sei es, sich vorher zu informieren. 'Es gibt jede Menge richtig gute Spiele.'

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