Umstrittenes Computerspiel

 - 17.11.2009

Start von "Modern Warfare 2" in Bremen eher zögerlich

Von Sebastian Manz
Bremen. Es sind Absatzzahlen, die auch den Bremer Einzelhandel nicht kalt lassen: Das Computerspiel 'Modern Warfare 2' ('Moderne Kriegsführung 2') hat an seinem ersten Verkaufstag vergangene Woche allein in den USA und Großbritannien 310 Millionen Dollar eingebracht. Damit legte die umstrittene Kriegssimulation laut Hersteller den erfolgreichsten Start eines Produkts in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie hin. 4,7 Millionen Einheiten seien binnen 24 Stunden über die Ladentische gegangen.
Computerspiele-Fachhändler Michael Kattillus mit einem Ausstellungsstück der Kriegssimulation „Modern Warfare 2“. Das Spiel ist erst ab 18 Jahren freigegeben. „Und das ist auch gut so“, findet Kattillus.
Computerspiele-Fachhändler Michael Kattillus mit einem Ausstellungsstück der Kriegssimulation „Modern Warfare 2“. Das Spiel ist erst ab 18 Jahren freigegeben. „Und das ist auch gut so“, findet Kattillus.

Auch in der Hansestadt hofften Händler, vom Ansturm auf das Computerspiel zu profitieren. Riesige Plakatwände und Pappaufsteller warben in vielen Läden seit Tagen für den Bestseller. Die Hoffnungen erfüllten sich aber nur teilweise: Ein Kaufrausch blieb in Bremen aus.

'Wir bemerken allerdings eine deutlich gesteigerte Nachfrage im Vergleich zu anderen Produkten', sagt Michael Kattillus, Geschäftsführer des Computerspiele-Fachgeschäfts 'Game World' im Buntentor. Ähnliches vermelden auch die großen Elektronikmärkte. 'Das Interesse an diesem Spiel war auch in Bremen sehr groß', bilanziert Marcus Büher, Geschäftsführer des Saturnmarkts in der Papenstraße.

Und auch die Media-Märkte melden gesteigertes Kundeninteresse. Eine Sprecherin weist jedoch darauf hin, dass der Erfolg von 'Modern Warfare 2' nicht ganz unvorhergesehen kam. Der aktuelle Verkaufsschlager ist bereits die fünfte Fortsetzung einer Kriegsspiel-Reihe namens 'Call of Duty' ('Die Pflicht ruft'), die sich in den zehn Jahren seit ihrem Start einer stetig wachsenden Fangemeinde erfreut. 'Die Kunden wissen in so einem Fall, was sie zu erwarten haben', ergänzt Michael Kattillus.

Und die Erwartung ist eindeutig: Sie lautet Krieg. In Kinofilmqualität ziehen die Spielenden als Elitesoldaten oder Terroristen in fiktive Schlachten der Gegenwart. Viele Schauplätze sind Orte, die momentan auch im echten Leben Kriegsschauplätze sind. Gerade die Nähe zum aktuellen Zeitgeschehen mache für viele Käufer den besonderen Reiz aus, erklärt Kattillus.

'Der Erfolg des Spiels ist schon eine heftige Aussage über unsere Gesellschaft', meint der Bremer Medienpädagoge Markus Gerstmann. Während deutsche Soldaten versuchten, in Afghanistan zu überleben, simulierten Zehntausende von Spielern deren Rolle genüsslich daheim am Computer. Besonders heikel findet Gerstmann die Option, als Terrorist Anschläge verüben zu können. 'Das grenzt schon an Wahnsinn', sagt er. Die Altersfreigabe ab 18 Jahren sei jedenfalls mehr als berechtigt. Das findet auch Computerspielehändler Kattillus. 'Wir reden hier über ein Kriegsspiel, das ist auf gar keinen Fall etwas für Kinder und Jugendliche', sagt der Familienvater.

Medienpädagoge Markus Gerstmann appelliert unterdessen an alle Eltern, beim Kauf von Computerspielen für ihren Nachwuchs die angegebenen Altersbeschränkungen strikt einzuhalten. 'Konfrontieren Sie Ihre Kinder auch konkret mit fragwürdigen Inhalten', rät er. Einen generellen Verzicht auf Computerspiele hält Gerstmann für übertrieben. Lohnenswert sei es, sich vorher zu informieren. 'Es gibt jede Menge richtig gute Spiele.'



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