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'Eigentlich ist ein Eiszapfen das perfekte Mordwerkzeug: Er ist hart, schwer und spitz, aber nachdem er geschmolzen ist, bleiben keine verräterischen Spuren zurück', scherzt Bernd Richter. Er ist Geschäftsführer des Bremer Landesverbandes von 'Haus und Grund', der größten deutschen Interessengemeinschaft von Immobilienbesitzern. Von Berufs wegen hat Richter momentan viel mit dem Thema Eiszapfen zu tun. Die Hausbesitzer sind es nämlich in den meisten Fällen, die für Eiszapfenschäden haften müssen. Dabei ist es egal, ob herabfallende Zapfen Fußgänger auf öffentlichen Gehwegen oder den Briefträger im Vorgarten treffen. Selbst für Schäden an abgestellten Autos müssen häufig die Hauseigentümer aufkommen.
Die Versicherungen springen nur dann ein, wenn keine Fahrlässigkeit festzustellen ist. 'Meist werden Immobilienbesitzer oder deren Verwalter rechtzeitig aktiv', sagt Richter. Oft könne man die lästigen Eiszapfen mit Besenstielen oder anderen Hilfsmitteln vorsorglich beseitigen. Bei schwer zugänglichen Exemplaren bleibt aber nur der Anruf bei einem Hebebühnenverleih oder der Feuerwehr. 'Billig wird das aber sicherlich nicht', sagt Richter.
Um solche Ausgaben zu umgehen, hatte sich die Firma Univeg, die ihre Deutschlandzentrale im ehemaligen Fruchthofgebäude am Breitenweg hat, eine besondere Konstruktion anfertigen lassen: Die Dachrinne an der Vorderseite des Gebäudes ist beheizbar. Bei niedrigen Temperaturen wird diese Heizung in Gang gebracht. Dadurch soll Eis gar nicht erst entstehen, geschweige denn auf dem öffentlichen Fußweg landen, der direkt vor dem mehrstöckigen Gebäude vorbeiführt. Allein, für die ungewöhnlich große Schneemenge der vergangenen Tage scheint diese Heizung nicht konzipiert zu sein. Die Bremer Feuerwehr musste jedenfalls gestern Vormittag eine Unmenge an meterlangen Eiszapfen vom Rand der Regenrinne entfernen.
Das Schwenkleiter-Fahrzeug, das dafür eingesetzt wurde, ist momentan im Dauereinsatz. Mit Spitzhacken in den Händen stehen die Einsatzkräfte im Korb am Ende der Drehleiter und befreien damit Häuser im ganzen Stadtgebiet von dem eisigen Wuchs.
Das prominenteste Gebäude, das derzeit unter akutem Eiszapfenbefall leidet, ist das Bremer Rathaus. Der geschmolzene und wieder eingefrorene Schnee hat die Dachrinnen des Unesco-Weltkulturerbes heillos verstopft. Die Folge sind Eiszapfenborten rund um das gesamte Rathaus.
An die meisten Zapfen kommt die Feuerwehr ohne größere Mühen heran. Sorgen bereitete Hauptbrandmeister Thomas Kirsch gestern nur die Böttcherstraße. 'Da kommen wir mit dem Fahrzeug nicht rein, und vorhin ist da ein Riesenteil runtergeklatscht', erzählt er. Außer einigen erschrockenen Touristen hat der Vorfall aber keinen Schaden angerichtet.
Bei der Polizei sind in diesem Winter noch keine Meldungen eingegangen, wonach Menschen von herabfallendem Eis verletzt worden sind. Allerdings wurden die Beamten schon mehrmals aktiv, wenn die Gefahr bestand, dass sich Eiszapfen lösen. 'Dann benachrichtigen wir die Kollegen von der Feuerwehr, die die Beseitigung übernehmen', sagt ein Sprecher. Auch für diese Einsätze müssen die betroffenen Hauseigentümer zahlen.






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